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     Rezensionen vom aktuellen Programm "MUTTI RELOADED"

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Stimme, Mimik, Satire: Parodist Reiner Kröhnert begeistert im Weimarer Spiegelzelt

26.05.2016 - 11:44 Uhr

Weimar. Stimme und Mimik, deftige Satire und geschliffener Wortwitz, das sind die Pfunde, mit denen Parodist Reiner Kröhnert wuchert.

Reiner Kröhnert im Spiegelzelt Weimar. Foto: Stefan Kranz

Angela Merkel, Joachim Gauck, Gerhard Schröder, Wolfgang Schäuble, Franz Beckenbauer,Dieter Bohlen - die Palette der Prominenten aus Politik und Gesellschaft, die Kröhnert in seinem Programm „Mutti Reloaded" an seinem begeisterten Publikum in ausverkauften Spiegelzelt vorbeiziehen lässt, ist breit.

Mundwinkel und Rautefinger für die Kanzlerin, schwäbischer Dialekt und Haltung für den Finanzminister, verschlucktes Genuschel mit Fistelstimme für Erich Honecker, zuckende Oberlippe für Klaus Kinski. Jedem seine Tonlage, Grimasse, Geste, Augenblick - der Wechsel funktioniert sekundenschnell und perfekt.

„Die Herren der Schöpfung", erklärt seine Kanzlerin selbstbewusst „haben die Politik oft genug an die Wand gefahren. „Wenn ich eine Wand sehe, dann wende ich". Als Prediger führt der Bundespräsident das Wort „Kredit" auf „Credo" zurück: „Ich glaube, wir Gläubigen sind doch alle auch Gläubiger." Als Bankenversteher weiß er: „Die verteilen nur Darlehen", wenn sie lückenlos dargelegt bekommen, dass man keins braucht." Boris Becker laviert sich zwischen Pocher und Popper hindurch, und dabei spiegelt sich auf dem Gesicht alles andere als „Asse des Geistes". Helmut Kohl pflegt gediegen seinen Sprachfehler, blickt zurück in die „Gechichte" und erkennt die „hinterfotzige Machtmatrone Merkel" mit dem Teufel im Bunde. Daniela Katzenberger fragt, ob sich wohl außer Titties auch das Hirn vergrößern ließe und findet ohne OP zu dem Bonmot: „Gescheit, gescheiter, gescheitert". Einiges geht auch unter die Gürtellinie, wenn auch mit Poesie formuliert, etwa das Zwiegespräch mit Schleimspur zwischen Ronald Pofalla undPeter Hintze tief im „Anale Grande" von Angela Merkel.

Stefanie Grießbach / 26.05.16 / TA

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SÜDWEST PRESSE

GEISLINGEN AN DER STEIGE

Einzige Sonne im "Mutti"-Universum scheint in der Rätsche

Reiner Kröhnert erklärt in seinem Programm "Mutti Reloaded" entlarvend und pointiert das politische System Angela Merkel.

STEFANIE SCHMIDT | 09.05.2016

Foto: Markus Sontheimer

Bild 1 von 1

Ein Mann, viele Stimmen: Reiner Kröhnert hat bei seiner Vorstellung in der Rätsche mehr als zwanzig Promi-Imitationen im Repertoire. 

"Mutti Reloaded" hat der Kabarettist Reiner Kröhnert sein aktuelles Programm betitelt - in Anlehnung an die "Matrix"-Filme, in denen die Menschheit mithilfe einer simulierten Realität von Maschinen unterjocht wird. Um politische Kultur und Wahlvolk in Deutschland scheint es laut Kröhnert kaum besser bestellt zu sein als in dieser filmischen Anti-Utopie. Der Unterschied: Angela Merkel braucht keine Science-Fiction-Matrix, um das Land einzulullen. Ihre totale Kontrolle basiert auf "der neuen Mutti-Weltordnung", an der jegliche Kritik abzuprallen scheint.

Die Kanzlerin ist Reiner Kröhnerts Paraderolle. Zwar verkörpert der Kabarettist im Laufe des Abends in der Geislinger Rätsche über 20 weitere Personen von Norbert Blüm bis Klaus Kinski auf der Bühne, aber "Mutti" bleibt die alles überschattende Macht. Zum Einstieg lässt er Angela Merkel entlarvend auf der Bühne monologisieren wie Richard III. Doch anders als bei Shakespeares politischem Chamäleon kommt Merkels Machiavellismus weniger schillernd daher. Auch für sie ist Anpassung eine "Überlebenspflicht": Schließlich wechselt sie ihre politischen Überzeugungen "mit der Mutationsrate einer Fruchtfliege". Doch um Kritik auszuschalten, setzt sie nicht auf genüsslich ausgelebtes Schurkentum, sondern auf Abstumpfung, Aussitzen und einen konsequenten Ausweichkurs. Nebenbei hält sie sich einen großen Stall "politischer Recycling-Kaninchen": Immer wieder zieht sie neue Verbündete aus dem Hut - nur um sie umgehend wieder verschwinden zu lassen, wenn sie ihren Zweck erfüllt haben. "Ich bin die einzige Sonne im Mutti-Universum", deklariert Kröhnert alias Merkel. "Alle anderen sind nützliche Trabanten."

Helmut Kohl, der in der Kröhnert-Version ausschließlich in faustianischem Knittelvers spricht, kann ein Lied davon singen. Als er einst dem Mädchen aus der Uckermark mit wohlwollender Herablassung sein Geleit anbot, ließ sich des Kanzlers "Gretchen" hinter dessen Rücken schon längst von Mephisto das politische Teufelshandwerk beibringen. "Und ich habe mich gewundert, dass es neben mir immer so nach Schwefel riecht."

Angela Merkel bleibt bei Weitem nicht die Einzige, die Kröhnert kabarettistisch entlarvt. Er hat ein Ohr dafür, welche Saiten im öffentlichen Diskurs angeschlagen werden und welche Töne dabei mitschwingen - bewusst oder unbewusst. Kröhnerts Extrembeispiel ist Joachim Gauck. Der durch seinen DDR-Widerstand legitimierte anscheinende Friedens- und Freiheitsexperte wird zum bankenhörigen Proto-Hitler, besessen von Deutschlands Rolle in der Welt. Wer anders denkt, ist naiver Idealist ohne Diktaturerfahrung.

Daniel Cohn-Bendit wird in Kröhnerts Version zum erklärten Freund der Friedensbewegung, die Ziele mit "harten pädagogischen Mitteln" durchsetzt. Die Haltung der Grünen zu deutschen Auslandseinsätzen fasst er so zusammen: Krieg darf es nur noch mit schadstoffarmer Munition ohne Blei und mit umweltfreundlichen Panzern geben. Denn: "Auch Feinde leiden unter Feinstaub."

Für die Zugabe betritt noch einmal Angela Merkel die Bühne und führt ein unterwürfiges Telefongespräch mit dem "großen Sultan vom Bosporus". Sie gibt eine überstaatliche Versicherung ab, dass Kröhnerts Programm "keinerlei Majestätbeleidigung Richtung Ankara" enthalten habe und dichtet ein FDJ-Lied zur Erdogan-Hymne um. Recep Tayyip Erdogan und Jan Böhmermann in Kombination bringen anscheinend auch "das System Mutti" an seine Grenzen.

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Kabarettist polarisiert mit „Mutti reloaded“

Peine. Neues Jahr - neues Kabarettglück im Peiner Forum: Reiner Kröhnert war mit seinem bitter-bissigen Programm „Mutti reloaded" zu Gast.

Die Resonanz im ausverkauften Saal reichte von euphorisch bis enttäuscht.

Quelle: Isabell Massel

Kröhnert polarisierte mit seinen Parodien politischer Größen und sogenannter Promis aus Sport und Kultur stark.

Seine Paraderolle ist unbestreitbar die der Kanzlerin. Detailverliebt und täuschend echt ließ er die „Mutti der Nation" in Peine erscheinen und ihre Weisheiten an die „lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger" verbreiten. Sogar die Stimmfarbe Angela Merkels trifft Kröhnert perfekt, und manchem rieselte es ob ihrer gönnend hervorgestoßenen Vertrauensbeweise für ihre Kabinettskollegen eiskalt den Rücken herunter. „Ich spreche ihr dreimal das Vertrauen aus und dann aus die Ursel-Maus", bezog sich Kröhnert auf eine eventuelle Nachfolgeregelung im „Mutti-Universum", wo es nur „eine Sonne" gibt.

Kabarett darf und muss verdichten, Wahrheiten überspitzen und Unbequemes ins Lächerliche ziehen. Das alles kann Kröhnert hervorragend. Ob der wirklich harte Vergleich zwischen Joachim Gaucks Ansichten zur Rolle Deutschlands so weit zugespitzt werden darf, dass Kröhnert übergangslos in Adolf Hitlers Rolle driftete, ist Geschmackssache. Ob die handwerklich sehr gut parodierten Dieter Bohlen, Franz Beckenbauer oder Daniela Katzenberger in so einem ansonsten intellektuell wirklich ansprechenden Programm einen Platz haben müssen, sei dahingestellt. Zu Höchstform lief Kröhnert bei seinen politischen Parodien auf: Helmut Kohl, der im „Faust-Stil" reimte und mit seinem Schicksal als „Gretchenmacher" haderte oder Wolfgang Schäubles Euro-Betrachtungen waren zwar bitterböse, aber sehr gelungen und lockten das Publikum zu Zwischenapplaus und wahren Lachsalven heraus. Der Dialog zwischen den Alten - Rita Süßmuth, Hans-Dietrich Genscher und Hans-Jochen Vogel - die mit ihren Ansichten den alten Willy Brandt so „im Grab rotieren ließen", dass es „hoffentlich nicht zu tektonischen Verwerfungen kommt" waren politisches Kabarett vom Feinsten.

Freilich war der Abend nicht dafür geschaffen abzuschalten. Die Zuhörer mussten Hintergrundwissen besitzen, mitdenken und Kröhnerts rasanter scharfer Sprechweise folgen. Kröhnert macht ein feines, spitzes Programm, wo sich niemand vor Lachen auf die Schenkel klopft, sondern eher kurz auflacht und nachdenkt. Begeisterter Applaus am Schluss zeigte, dass die meisten dabei Spaß hatten.

gs

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RP Online

16. Dezember 2015 | 00.00 Uhr

Stadt Kempen

Eine Reise in Muttis Universum

Ganz die Mutti: Reiner Kröhnert nahm seine Besucher mit auf die Reise durch die Welt der Kanzlerin.

FOTO: ka

Stadt Kempen. Der Kabarettist Reiner Kröhnert - bekannt durch seine gekonnten Parodien von Bundeskanzlerin Angela Merkel - gastierte im St. Huberter Forum. Von Silvia Ruf-Stanley

Nein, Frau Merkel kann nicht in Karlsruhe beim CDU-Bundesparteitag gewesen sein, denn sie stattete am Montag- und Dienstagabend dem St. Huberter Forum einen Besuch ab. Dort amüsierte der Kabarettist Reiner Kröhnert nicht nur mit seinen inzwischen schon legendär gewordenen Merkel-Parodien, sondern auch in vielen anderen Rollen. Kröhnert ist ein fantastischer Parodist. Von einer Sekunde zur nächsten schlüpft er in eine andere Rolle. Eine kleine Geste, eine kurze Veränderung der Mimik und der Sprache - schon weiß man genau, wen man da vor sich hat. Der Kabarettist muss seine Protagonisten stundenlang beobachtet haben, um genau dies beim Publikum zu erreichen. Da ist es bei Merkel die bekannte Handhaltung ebenso aber auch die klassische Haltung von Finanzminister Wolfgang Schäuble. Da sitzt er einfach nur im Sessel und hebt die Hände und man weiß Bescheid, bevor im Text der legendäre Ausspruch "Isch over" kommt.

Und so zieht Kröhnert munter durch das politische Leben. Merkel erläutert ihre Weltordnung. Und die ist nach Kröhnert eigentlich ganz einfach: "Wenn ich eine Wand auf mich zukommen sehe, wende ich mich." Sollte die Große Koalition eines Tages vorbei sein, gibt es ja noch die Grünen. Dann wird Horst Seehofer entsorgt. Und im Zweifelsfall ist jemand mal weg vom Fenster, bis sie ihn wieder braucht. Denn das "Mutti-Universum" kennt nur eine Sonne, nämlich Angela Merkel selbst. Alles andere sind Trabanten. Kröhnert erläutert als Merkel ihr Mundwinkelprinzip und kommt zu dem Schluss: "Hier schmolle ich und kann nicht anders." Down ist halt beautiful. Das ist das Wunderbare an Kröhnert: Jeder Satz ist gestochen scharf.

Erstaunlich dabei ist, dass er dieses Tempo so durchhalten kann. Da gibt es einen schon fast lyrisch-erotischen Dialog zwischen Ronald Pofalla und Peter Hintze. Da geht es darum, wie man denn am besten in "Muttis Universum" bleibt. Und Bundespräsident Joachim Gauck gibt mal eben ganz locker zu, dass er eitel sei. Und liefert gleich eine verblüffende Gedankenkette, dass Kredit von Credo komme, dass wiederum Glaube beinhalte und daher die Gläubiger kommen. Eine Minute muss man dem nachdenken, dann hat das Publikum es kapiert und der Kabarettist sitzt da oben auf der Bühne zufrieden lächelnd in seinem Sessel. Es gibt eine bemerkenswerte Fachsimpelei der alternden Politiker Hans-Dietrich Genscher, Rita Süßmuth und Hans-Jochen Vogel. Man muss nicht glauben, dass der Kabarettist Ehrfurcht vor dem Alter hat. Aber Kröhnert hat es noch auf etwas anderes abgesehen: die vielen Talkshows im Fernsehen. So sind bei ihm zum philosophischen Diskurs mit Michael Friedmann und Rainer Safranski Gäste wie Boris Becker, Dieter Bohlen oder Daniela Katzenberger eingeladen. Wie das abgeht, kann sich jeder wohl vorstellen. Insgesamt war es ein amüsanter Abend voller Rundumschläge gegen Politik und Gesellschaft. Scharfzüngig und Intelligenz. Ein Abend, der den Besuchern genaues Hinhören abverlangte, aber auch Hintergrundwissen voraussetzte. Denn nur so waren Kröhnerts Anspielungen zu verstehen.

Quelle: RP

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Oberbayerisches Volksblatt

23.10.15

POLITKABARETT VOM ALLERFEINSTEN: REINER KRÖHNERT ENTLARVT "MUTTI"

Putin über Seehofer ausgefragt

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"Hallo Wladi, hier ist die Anschie" - doch im Hosenanzug steckt Reiner Kröhnert. Foto Sieberath

© OVB

 

Reiner Kröhnert - noch nie gehört? Ein Fehler.

Der faszinierende Stimmenimitator begeisterte mit seinen tiefgründigen, teils schlüpfrigen Einblicken in Politiker und Speichellecker, Medienstars, Politik und Kommerz die Besucher der 31. Rosenheimer Kleinkunsttage auf der Bühne im Lokschuppen.

"Mutti reloaded" heißt das neue Programm des Solokünstlers, der seit über 30 Jahren als Kabarettist gefeiert wird - allerdings war er noch nie in Rosenheim. Bissig, pointiert, tiefgründig, sprachgewandt, humorvoll, aktuell und vielseitig beleuchtet Kröhnert das Leben und Wirken von Politikern aller Couleurs. Besonderes Augenmerk legt der Geschichtsexperte dabei auf Bundekanzlerin Angela Merkel, "Deutschlands Mary Poppins", die "Mutti aller Flüchtlinge", die jedem Asyl gewährt - außer Edward Snowden.

"Mutti ist ihr Understatement heilig", allerdings: mit Blick auf ,abgesägte' Gefolgsleute wie Friedrich Merz oder den "Baron mit den gegelten Haaren" meint Kröhnert alias Merkel: "In Muttis Universum gibt es zwar einige nützliche Trabanten, doch nur eine Sonne, und das bin ich". Da scheint auch "Flinten-Ursel" keine Überlebenschance zu haben: "Ich spreche ihr dreimal das Vertrauen aus, dann: aus die Maus", so zu ihrem Telefonfreund Wladimir Putin, von dem sie sich dringend Infos über Horst Seehofer erhofft.

Gelächter rief der Kabarettist auch mit seiner Persiflage auf "Gutmensch" Joachim Gauck zum Thema Krieg hervor: "Wenn wir in der Welt Verantwortung übernehmen wollen, dann ist das kein Kindergeburtstag" - auch kein Ponyhof, kein Picknick, kein Wunschkonzert und kein Zuckerschlecken - "das können Sie mir ruhig glauben!".

Bei diesen bildhaften Ankündigungen des Bundespräsidenten scheint Wolfgang Schäubles Statement zu Eurorettung und Griechenlands Moratorium bis zu "Highnoon an der Akropolis" oder sein TTIP-Exkurs zu Chlorhühnchen und Tiermast richtig harmlos. Neben weiteren Politikern wie Helmut Kohl, der sich - frei nach Faust - über sein gefallenes Gretchen echauffiert, oder das in die Jahre gekommene Polit-Trio Hans-Dietrich Genscher, Hans-Joachim Vogel und Rita Süßmuth lässt Kröhnert Klaus Kinski als "sexbesessenes, wahnsinniges Jahrhundertgenie" aufleben.

"Der Intellekt

hat viele Gesichter"

In der philosophisch angehauchten Talkshow "Der Intellekt hat viele Gesichter" karikierte Kröhnert in Person von Michel Friedmann und Rüdiger Safranski den Intellekt von Medien- und Sportstars wie Dieter Bohlen, Daniela Katzenberger, Franz Beckenbauer - "Schau ma mal" - oder Boris Becker: "Ich bin der Boris - ich bin, was ich bin, also bin ich." Kurz darauf debattieren in der Vorhölle Erich Honecker, Wolf Biermann und Gerhard Stoltenberg über "Mauertote" und "Wannenmörder".

Mit seinem Intellekt, seiner bildreichen Sprache, seiner geschliffenen Wortwahl - oft gespickt mit einer Salve Fremdwörter - forderte Kröhnert kontinuierlich sein Publikum und brachte es immer wieder zum Schmunzeln, zum Lachen, zum Nachdenken und Hinterfragen von Politik, Zeitgeschehen und Medienkult.

Es war ein absolut gelungener Abend mit einem genialen Stimmenimitator, der auch mimisch perfekt in seine "Opfer" schlüpft. Erst nach mehreren lautstark geforderten Zugaben durfte Kröhnert von der Bühne.

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Der Neue Tag

Von Hans Prem  |  12.10.2015  

WINDISCHESCHENBACH

Wenn die Angela beim Wladimir anruft

Reiner Kröhnert verbindet in "Mutti Reloaded" schauspielerisches Talent mit intelligentem Wortwitz

"Testosteron war gestern, die neue Mutti-Weltordnung kommt" verkündet Kanzlerin Angela Merkel selbstbewusst aus dem Mund ihres Imitators Reiner Kröhnert. In "Mutti Reloaded" steht sie aber nicht, wie vielleicht vermutet, alleine im Mittelpunkt. 

Im Gegenteil: Der Kabarettist und glänzende Parodist hat sich eine wahrlich illustre Schar weiterer Promis eingeladen. Er präsentiert diese in einem hinreißenden Programm, gespickt mit intelligentem Wortwitz und schauspielerischen Höchstleistungen. 

 

Stimme und Haltung


Reiner Kröhnert hat sie alle drauf - und wie. Stimmliche Veränderungen, typische Körperhaltungen, Gesten oder Augenaufschläge lassen das Publikum in Sekundenbruchteilen erkennen, in welche Person er gerade geschlüpft ist. Mit wenigen treffenden Sätzen arbeitet er die Charaktere seiner Opfer heraus. In rasender Geschwindigkeit wechselt er die Rollen, inszeniert Zwiegespräche, kleine Sketche, demontiert gekonnt so manche Fassade von Politikern, Schauspielern oder Sportlern. 

Seit über zehn Jahren arbeitet sich der gelernte Schauspieler an der Kanzlerin ab. Doch seine Paraderolle wirkt nicht abgedroschen oder langweilig. Sie erscheint dagegen ewig jung und immer aktuell. So lässt er der "Mutti Theresa" einen Mundwinkelwitz nach dem anderen entfahren. "Ich bin die Mutti aller Flüchtlinge. Wer an meine Türe klopft, dem wird aufgemacht. Es gibt keine Obergrenze, außer für Eduard Snowden." 

Etwas unappetitlich sonnen sich Ronald Pofalla und Peter Hinze im Speichelnebel der Kanzlerin und arbeiten sich durch die Darmwindungen tief ins Epizentrum ihrer binären Schaltkreise vor. Salbungsvoll verkündet Joachim Gauck ("Eitel bin ich überhaupt nicht - obwohl ich allen Grund dazu hätte"), dass es im Krieg nicht wie auf einem Ponyhof zugeht, oder stellt Dany Cohn-Bendit fest, dass Putin Johannes Heesters auf dem Gewissen hat. 

 

Der Drachmentöter

Schäuble ("Es ischt wie es ischt. Dass es so ischt wie es ischt, ist die Crux") fühlt sich wie Wolfgang der Drachmentöter und schimpft auf Varoufakis "mit seinem Randale-Rucksäckle auf dem Schuldebuckel". Michel Friedman und Rüdiger Safranski talken in "Der Intellekt hat viele Gesichter" mit philosophischen Größen wie Boris Becker, Dieter Bohlen und Daniela Katzenberger. Franz Beckenbauer wird auf die Sklaven und die erwarteten Toten bei den Bauarbeiten zur Fußball-WM in Katar angesprochen: "A bisserl Schwund gibt's immer" und "Schaun mer mal". Friedmanns Feststellung: "Den Furz im Gehirn schmeckst du als erstes auf der Zunge." 

Eine schauspielerische Meisterleistung zeigt Kröhnert bei Klaus Kinskis theatralischem Monolog. Von der Fistelstimme Honeckers steigt er hinab in den tiefen burschikosen Brustton Gerd Schröders oder lässt die drei Altvorderen Hans-Dietrich Genscher, Hans-Jochen Vogel und Rita Süßmuth die heutige Politik analysieren. Köstlich! 

Außer Mutti Merkel mischen 22 weitere Parodie-Opfer mit. Sie sorgen beim Publikum für Heiterkeit und Lacher am laufenden Band. Doch Kröhnert überzeugt an diesem Abend nicht nur mit seiner schauspielerischen Mimik. Er bietet auch eine ganz feine Art politischer Satire mit großem Wortwitz und geschliffenen Sätzen. 

Anruf bei Putin


Am Ende sind sich wohl alle einig, hier einen ganz Großen seiner Zunft erlebt zu haben. Als Zugabe telefoniert Angela mit Putin, denn sie hätte für Horst Seehofer gerne mal etwas Nachhaltiges in der Hand und würde dafür auch eine anonyme Edward-Snowden-Infospende leisten. 

 

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Süddeutsche Zeitung

27. August 2015, 18:44 Uhr

Maske runter

Reiner Kröhnert mit "Mutti Reloaded" in der Lach und Schieß

Von Thomas Becker

Das Plakat ließ Schlimmes ahnen. Ganz Schlimmes. Es zeigt den Künstler mit Merkel-Perücke, Sonnenbrille auf der Nasenspitze und etwas dümmlichem Grinsen. Darunter der Titel: "Mutti Reloaded". Nur die Raute-Finger haben nicht mehr aufs Bild gepasst. Das kann ja was werden, denkt sich der beinahe vorurteilsfreie Besucher beim Marsch in die Lach- und Schießgesellschaft. Und das wird dann auch was: ein verdammt guter Abend. Surprise, surprise.

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet sich Reiner Kröhnert an der Kanzlerin ab. Die Merkel-Perücke hat der Mittfünfziger schon bei drei anderen seiner insgesamt zehn Solo-Programme getragen. Wird das nicht langweilig? Jeden Abend die Mutti spielen? Immer nur Mundwinkel-Witze? Aber so ist es ja gar nicht. "Die Königin der Macht" (Kröhnerts Programm 2007) ist nur eines von 23 Parodie-Opfern, eines besser getroffen als das andere, sowohl in Stimme als auch in Mimik.

Nicht zu übersehen, dass Kröhnert, der als Kind Stotterer war, Schauspieler gelernt hat. Doch er kann mehr als nur imitieren. Mit wenigen treffenden Sätzen arbeitet er den Charakter seiner Figuren heraus, demontiert mit seinen Mini-Theaterstücken so manche Fassade. Den Bundespräsidenten lässt er sagen: "Eitel bin ich überhaupt nicht - obwohl ich allen Grund dazu hätte." Wolfgang Schäuble schimpft auf Varoufakis "mit seinem Randale-Rucksäckle aufm Schuldebuckel"; Klaus Kinski macht mal wieder Werner Herzog runter, und der Gerd schrödert, dass es nur so ackert. Herrlich auch die Duos und Trios: Honecker und Stoltenberg in der Vorhölle; Genscher, Süßmuth und Hans-Jochen Vogel bei der Parteienanalyse oder der grandios schleimige Michel Friedman als Gastgeber von Boris Becker, Daniela Katzenberger, Kaiser Franz und Dieter Bohlen.

Kröhnert hat sie alle drauf - und wie! Nur die Nummer mit Pofalla, Hinze und den Darmwinden der Chefin hätte es nicht gebraucht. Und einen Mundwinkel-Gag hat er natürlich auch im Programm: "Wenn Sie wissen wollen, wie es Ihnen geht: Schauen Sie mich an", sagt La Merkel, "trainieren Sie Ihre Mundwinkel! Down is beautiful". Reiner Kröhnert, der Mann mit den vielen Stimmen und Gesichtern, aber auch.

 

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Saarbrücker Zeitung

SAARBRÜCKEN

Der Mann, der nicht nur Merkel kann

Reiner Kröhnert nahm sein Publikum bei den Winzern mit zu den Großen der Politik

Von Kerstin Krämer, 21.02.2015 00:00


 

 

 

 

 

 

 

 

Die Hände als Merkel-Raute, die Augen himmelwärts gerichtet: Reiner Kröhnert war auch in Saarbrücken nah am Original. Foto: Kerstin Krämer

Er lässt verblichene Machtmenschen aus der Vorhölle lästern und macht sich treffsicher über Angela Merkel und ihren Hofstaat lustig. Reiner Kröhnert demaskierte einmal mehr mit wandelbarer Stimme und Mimik die Wichtigen.

Aggression? Durchsetzungsfähigkeit? Klare Ansagen? Testosteron war gestern. Die neue Mutti-Weltordnung kommt gewaltig, nach dem Motto: „Wenn ich eine Wand auf mich zukommen sehe, dann bremse ich und wende!" Und selbstverständlich ist eine umsichtige Mutti auch bereits an Situationen angepasst, die noch gar nicht stattgefunden haben. Mutti? Das Programm „Mutti reloaded", mit dem der Kabarettist Reiner Kröhnert dem ausverkauften „Kultur-Salon" bei den Winzern einen politischen Aschermittwoch bescherte, ist natürlich, wie könnte es bei Kröhnert anders sein, auf Bundeskanzlerin Angela Merkel gemünzt. Deren „System" nahm der Meister der süffisanten Parodie genüsslich auseinander und ließ dabei etliche andere Prominente, darunter nicht nur Politiker, zu Wort kommen. Zum Beispiel Peter Hintze und Ronald Pofalla, die sich einen Wettbewerb in Arschkriecherei liefern und mit Begeisterung an den Winden aus Merkels „gebenedeitem Gekröse" schnuppern. Oder das senile Trio Hans-Dietrich Genscher, Bernhard Vogel und Rita Süßmuth, das dem politischen Gegner gern die dritten Zähne zeigen würde, aber sich selbige schon an der eigenen Partei ausbeißt. Ebenfalls urkomisch: die Talkshow „Der Intellekt hat viele Gesichter", bei der Michel Friedman und Rüdiger Safranski sich verzweifelt um einen philosophischen Diskurs mit einem intellektuellen Grundlinienspieler wie Boris Becker oder anderen Geistesgrößen wie Dieter Bohlen, Franz Beckenbauer oder Daniela Katzenberger bemühen. Wolfgang, „der Drachmentöter", Schäuble darf das Freihandels-Abkommen TTIP als „feine Sache" feiern, „wenn man's mal mit den Augen eines Optimisten sieht" – schließlich werde auch Gen-Mais nicht so heiß gegessen, wie er gekocht werde. Bundespräsident Joachim Gauck wird als Worthülsenfabrikant geschmäht, der eine ernsthafte Debatte über Krieg und Frieden verweigert, indem er sie auf Kindergeburtstags- und Ponyhof-Niveau herabzieht. Scharfzüngig und böse auch die Begegnung von „Mauermörder" Erich Honecker und „Wannenwürger" Gerhard Stoltenberg, die sich in der Vorhölle verbrüdern, oder das Porträt eines verklärten, aber mit vitalen Metaphern wütenden Wolf Biermann, der den Linken als „letzten Maden in der ideologischen Phrasensülze" den Kampf ansagt. Das begeisterte Publikum erklatschte Zugaben.

Wieder: Donnerstag, 12. März, 20 Uhr. Karten im Internet unter

 WWW.TICKET-REGIONAL.DE/KIR

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Allgemeine Zeitung Mainz

20.01.2015

Wilder Ritt durch Absurdistan

POLIT-KABARETT Reiner Kröhnert persifliert Merkel und Co. I Liebe zum Detail bis in die Mundwinkel

Von Gerd Blase

MAINZ. Die Kanzlerin betritt die Bühne. Ihr Gang wirkt leicht verhalten und etwas steif. Ihre Gesten enden in den Ellenbogen, die Oberanne bleiben fest an den Körper gepresst "Guten Abend, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger", begrüßt sie das Publikum Im Unterhaus. Ein Lächeln will ihr dabei nicht so recht gelingen. Die Mundwinkel zucken zwar, bleiben aber unten. "Fast ein Jahrzehnt lang hält nun das Mutti-Prinzip Deutschland und Europa nicht nur in Atem, sondern auch zusammen."

Reiner Kröhnert schlüpft wieder mal in seine Paraderolle. Angela Merkel ist auf eine sehr eigene Art die Muse dieses Kabarettisten, das drückt sich schon im Titel des aktuellen Solos "Mutti Reloaded" aus. Kein Kollege parodiert die Kanzlerin so überzeugend und mit so viel Detailbesessenheit.

"Testosteron, das war gestern", erklärt Merkel. Die Herren der Schöpfung hätten die Sache oft genug an die Wand gefahren. "Wenn ich eine Wand sehe, dann bremse ich und wende." Anpassungsfähigkeit, das sei ihre Devise. "Meine mentale Mutationsrate bewegt sich diesbezüglich auf dem Niveau einer Fruchtfliege."

Vor fast 30 Jahren begann Kröhnert seine Karriere als Parodist. Bei ihm bleibt die Parodie im Mittelpunkt. Das könnte schief gehen, wäre dieser Mann nicht derart gut in seinem Geschäft. Mit seiner Wandelbarkeit stellt er mühelos die Mutationsrate der Kanzlerin in den Schatten. Wenn er Prominente oder Politiker verkörpert, verän-dert sich nicht nur seine Stimme. Das Gesicht scheint sich zu verschieben, der ge-samte Körper wandelt sich - plötzlich steht dort Joachim Gauck und redet huldvoll von der Rolle Deutschlands in der Welt. Oder Michel Friedman begrüßt mit selbst-gefälligem Grinsen zu einer neuen Talkshow. Kröhnert bietet eine wildes Panopti-kum an absurden Szenen, eine Wirklichkeit im Zerrspiegel. Die Texte sind so dicht, so raffiniert gestrickt, dass die Parodien nie ins Banale rutschen. Hier ist in jeder Hinsicht ein Meister des Fachs am Werk. Solch ein Können wirkt nie schal, es bleibt frisch und aktuell. Dieser Parodist darf seiner Linie 'getrost treu bleiben.

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OSTSEE-ZEITUNG

Stadthafen

Politiker im Sprühnebel

Reiner Kröhnert bietet Kabarett der Extraklasse.

12.01.2015 00:00 Uhr

Stadthafen. Erst zum zweiten Mal gastiert Reiner Kröhnert in Rostock. Sein Empfang? Stürmisch!

Ronald Pofalla erzählt stolz, ihn habe im Gespräch mit der Kanzlerin deren angespeichelter Sprühnebel getroffen. Darauf erwidert der entzückte Peter Hintze: „Du bist ein Begünstigter des Schicksals!"

Was so beginnt, das hat in Kröhnerts Programmen eine lange Tradition, folglich auch in der aktuellen, soeben zur Premiere gereiften Nummer „Mutti reloaded": Der Mann kennt keine Kompromisse im Umgang mit den Politikern von gestern, heute und mit denen von morgen ganz sicher auch nicht.

Kröhnerts Faustpfand? Erstens seine Stimmenimitationen, dazu die entsprechenden Mimiken. Zweitens sagenhaft gute Texte mit einer unbegreiflichen Logik. Der reinste Wahnsinn. „Vier Monate Vorbereitung", verrät der Mann, dem Politiker aller Coleur hinter vorgehaltener Hand oder wenigstens vorgeschobenen Fernsehintendanten den kabarettistischen Niedergang wünschen. „Außer die SPD-Legende Hans-Jochen Vogel", weiß Kröhnert seit seiner Begegnung mit ihm in München.

„In Muttis Universum gibt es viele Trabanten, aber nur eine Sonne", säuselt Kröhnerts Angie. Vom Balkon herab blickt sie auf ihre gemeuchelten Vasallen: Hintze, Merz, Pofalla. Sie gibt ihrem Getreuen Wolfgang Schäuble („Isch werbe für Chlorhühnle, denn Chlor isch unser Freund") das Wort.

Und weil Kröhnert sich auch dem Arm und Reich im geistigen Sinne verpflichtet fühlt, geht es auch bergab bei ihm von Michel Friedman bis hinunter zu Bohlen („Zotenbrutstätte des Privatfernsehens") und Katzenberger („Gibt es Silikon für den Kopf?") Reiner Kröhnerts Auslassungen sind bitterbös satirisch. Dass sich in einer Zelle der Vorhölle Gerhard Stoltenberg und Erich Honecker zum Bruderkuss nähern und Gerhard „Acker" Schröder dem Lafontaine die Sarah ausspannen will, gibt es nur bei Kröhnert.

Zweifellos ein Begünstigter des Schicksals! Andreas Golz

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     Rezensionen vom Programm "KRÖHNERTs KRÖNUNG"

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     Rezensionen vom Programm "DAS JESUS COMEBACK"

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      Rezensionen vom Programm   "KÖNIGIN DER MACHT"

 

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Horb a. N.

Man nehme Anzug, Sessel und Perücke – und fertig ist die Mutti Merkel

Schwarzwälder-Bote, 20.10.2014 20:37 Uhr

 

Von Peter Morlok

Horb. Junge, Junge – das war wirklich keine leichte Kabarettkost, die Reiner Kröhnert da am Samstagabend mit ins Horber Kloster brachte. "Vor zwölf Jahren war er schon mal da", erwähnte Ewald Loschko in seiner Anmoderation. Schon damals muss der hagere Mann mit der recht übersichtlichen Frisur so beeindruckt haben, dass er den Veranstaltungsmachern noch recht präsent in Erinnerung blieb.

In der Zwischenzeit ist auf der großen Polit- und Promibühne so allerhand passiert, was der heute 56-Jährige, der auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken kann, genüsslich ausschlachten konnte. Mit seinem aktuellen Programm "Kröhnerts Krönung" machte er selbst die abgestandene, kalte Brühe, die aus Berlin über die Bundesrepublik schwappt, einigermaßen genießbar, denn was ist tröstlicher festzustellen, als dass auch die Damen und Herren der Bundesregierung nicht mehr alle Tassen im Schrank haben und teils weit über ihrem geistigen Verfallsdatum agieren.

An einem netten Dialog zwischen Hans-Dietrich Genscher, Hans-Joachim Vogel und Rita Süssmuth machte er dies fest. Da wurde an alte Zeiten und Erfolge von Guido Brüderle und Rainer Westerwelle gedacht und klar festgestellt, dass der einzige wahre Lichtblick in der SPD die glimmende Zigarettenspitze von Helmut Schmidt sei. Die zwei Herren brabbelten in dieser Momentaufnahme vor sich hin und Frau Süssmuth rügte und rief zur Ordnung, wie in ihren besten Zeiten als Bundestagspräsidentin. Lang, lang ist‘s her.

Wer glaubt, dass Reiner Kröhnert bei seinen 22 Parodien, die zum größten Teil recht meisterlich gelangen, ein großes Requisitenlager braucht, der irrt. Anzug, Krawatte, Sessel – dann für seine Paraderolle als "Mutti Angela" (Merkel) eine passende Perücke – und fertig ist das Ganze. Was dabei rauskommt, ist eine Ein-Mann-Show voll beißender Ironie, bittersüßem Sarkasmus und blitzgescheiten Satzungeheuern.

"Wenn der Schnee schmilzt, sieht man die Scheiße"

Mit Angela Merkel, der Frau, die Schröder schredderte und als alte und neue Nummer Eins durch die Gegend huscht, verwandelte sich der (fast) gelernte Schauspieler gleich zu Beginn der Vorstellung in seine Lieblingsfigur. Körperhaltung und Gesichtsausdruck samt vorspringendem Kinn passten wunderbar zu den Frechheiten, die der Kabarettist unter dem Deckmäntelchen der künstlerischen Freiheit verbreitete. Da wurde Sigmar Gabriel schnell mal als Marshmallow-Moppel tituliert. Merkel, die Frau, bei der alles nach Plan läuft – sie ist in der Planwirtschaft aufgewachsen – wird sich als nächstes den bayerischen Gesinnungwolpertinger zur Brust nehmen und dann dem Grünen-Fraktionsvorsitzenden Anton Hofreiter das Du – mit allem, was dazugehört – anbieten. Horrorszenarien pur.

Auch nicht schlecht, die Schäuble-Parodie, bei der Wolfgang, der Drachmentöter, die Akropolis pfändete, sie als neue Überbauung für Stuttgart 21 in die Landeshauptstadt verfrachten ließ und den Raum dann an ein Kaufhauskonzern vermietete. Schuldenbewältigung und Wirtschaftsstabilität à la Kröhnert. Viel entspannter war da schon die Einblendung in Michael Friedmanns philosophische Talkshow "Intellekt hat viele Gesichter". Boris Becker, Deutschlands wichtigster Philosoph nach Rudi Assauer, der einst feststellte "Wenn der Schnee schmilzt, sieht man die Scheiße", bewegte sich hier gedanklich auf intellektueller Augenhöhe mit Gastgeber Friedmann, konnte jedoch nicht immer ganz folgen. Auch "Europas führendes Arschloch", Dieter Bohlen, durfte auf Friedmanns Couch Platz nehmen und zeigte dem selbst ernannten Schöngeist, wie Selbstvertrauen gelebt und kommuniziert wird.

Vielleicht das Highlight von Kröhnerts Programm war die Persiflage auf Bundespräsident Joachim Gauck. Auf die Frage, ob er für Krieg sei, antwortete Kröhnert-Gauck: "Das Leben ist weder ein Ponyhof, ein Freizeitpark noch Zuckerschlecken". Und was dann kam, das war allgemeines Politiker Bla-Bla ohne Sinn und Inhalt. Da kann man sich nur der Hoffnung anschließen, dass die Rotationsbewegungen in Willy B’s. Grab nicht zu tektonischen Verwerfungen führen und der Erkenntnis beipflichten "Es ist alles Niebel-los und der Rest sei Schweigen".

 

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Westfälische Nachrichten

So., 03.08.2014 - Reiner Kröhnert im Schlossgarten

Unter dunkelblonder Biederkeit

„Angie" ist dank Perücke und Raute sofort zu erkennen. Und dann legt Reiner Kröhnert los.

Münster - Er ist der König der Parodisten. Ein Puppenspieler, dessen Marionetten an seinen Stimmbändern baumeln. Reiner Kröhnert braucht an diesem Abend nur ein einziges Requisit – nämlich dann, wenn er als „Angie" um die Ecke kommt: die Kanzlerin-Perücke. Unter dunkelblonder Biederkeit grinst es ganz leutselig, und dann rollen verbal die Köpfe der männlichen Widersacher. Zunächst der „Oggersheimer Golem", dann „Stammel-Stoiber". Aus dem Sozi-Lager wurde zunächst der Schröder „schredderreif" gemacht, da war dann später Steinbrück, der Mann ohne Oberlippe, auch kein Problem mehr. Und das nächste Opfer dürfte bajuwarischen Geblüts sein und Seehofer heißen. Mögliche Schlagzeile: „Platzhirsch in der Brunft erlegt".

Von Arndt Zinkant

Natürlich erntete Kröhnert begeisterten Beifall. Den Kabarettfans im Schlossgarten war’s am Freitag eine Wonne, dem Meister beim parodistischen Handwerk zuzuhören. Und zuzuschauen. Denn nur mit Stimme oder Dialektfärbung ist’s noch nicht getan. Bei Kröhnert sitzt jede Geste, jedes Stirnrunzeln, das ein waschechtes Schäuble-Schwäbeln erst zur Perfektion bringt. „Es ischt, wie es ischt. Und wie es ischt, so ischt es auch – und das ist die Krux!" Bei so viel schlichter Weisheit ist die Eurokrise dann nur noch ein Klacks. Da kommt notfalls eine ordentliche Hypothek auf die olle Akropolis. Und haben wir den Euro erst gerettet, wird der „Globo" anvisiert.

Bei Kröhnert reden sie sich alle um Kopf und Kragen. Auch die grüne Troika um Cohn-Bendit („Dany le Rouge"), Jürgen Trittin und Winfried „Kretsche" Kretschmann. Die drei sind der Exklusivität ihrer „Kernkompetenz" verlustig gegangen.

Ein Running Gag ist Michel Friedmans Talk „Der Intellekt hat viele Gesichter". Und diese gehören: Boris Becker, Dieter Bohlen, Mario Basler und Daniela Katzenberger. Am besten aber parodiert Kröhnert den Intellektuellen Rüdiger Safranski (früher im „Philosophischen Quartett"), dessen professorales Lispeln vom Original nicht zu unterscheiden ist. Schade, dass der Mann im Ohr des Publikums nicht ganz so präsent ist.

Aber einer zieht immer – Klaus Kinski. Den Kröhnert in grünem Schummerlicht eine Ode an die Pädophilie dichten lässt. Starker Tobak. Kröhnert will nicht nur Schelmerei – er zielt auch dorthin, wo’s wehtut. Oder wo das Herz der Peinlichkeit sitzt: Wenn Ronald Pofalla auf den fast schon vergessenen Peter Hintze trifft und sich beide in wollüstigen Fantasien des Schleimertums bei „ihrer" Kanzlerin verlieren, steht einem der Mund offen. Beschreiben kann man das nicht. Aber lachen kann man.

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KABARETT

Abrechnung mit Politgrößen vom 24.02.14

„Kröhnerts Krönung" entlarvt Politiker und andere Nervensägen

Ein äußerst unterhaltsames Gastspiel gab am Sonnabend Kabarettist Reiner Kröhnert im Spiegelsaal des Alten Kurhauses. Der Abend mit zweistündigem Programm war restlos ausverkauft.

Helmut Hogelücht

Reiner Kröhnert (Bild) parodierte im „Spiegelsaal" des Alten Kurhauses Politgrößen auf seine witzig-hintersinnige Art. Mit blonder Perücke und heruntergezogenen Mundwinkeln nahm er auch Kanzlerin Angela Merkel aufs Korn.

Bild: Helmut Hogelücht

BAD ZWISCHENAHN Eine unbarmherzige Abrechnung mit Politgrößen, Wirtschaftsbossen und anderen „TV-Nervensägen" nahm Kabarettist Reiner Kröhnert am Sonnabend im restlos ausverkauften „Spiegelsaal" des Alten Kurhauses vor. Es war eine Veranstaltung des „Vereins der Kunstfreunde Bad Zwischenahn".

„Lieblingsopfer" Merkel

In einem Rundumschlag schlüpfte der kabarettistische Parodist in die verschiedensten Rollen und ließ die vermeintlich „Großen der jetzigen Zeit" unbarmherzig „selbst sprechend" aus ihrem intimen Nähkästchen plaudern. Sein „Lieblingsopfer" war Kanzlerin Angela Merkel. Mit blonder Perücke und den typisch heruntergezogenen Mundwinkeln räsonierte „die Geisha aus der Uckermark" über ihre bewegte politische Laufbahn sowie ihre Gegner auf dem Politparkett. So zog sie ironisch über den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und den „Stammel-Stoiber" her. „Mal seh’n, wie sich der „dicke Sigi, der Marshmallow-Moppel", noch hält, wenn ich ihm das Vertrauen ausgesprochen habe", war „Merkels" Beitrag zu Minister Sigmar Gabriel. Schon so manches Mal habe sie sich Situationen angepasst, die noch gar nicht stattgefunden hätten. „Meine Zukunft ist gesichert, für Ihre müssen Sie selber sorgen!", stellte „Angie" abschließend heraus.

Zwei-Stunden-Programm

Papst Benedikt, der baden-württembergische Ministerpräsident Kretschmer, Ex-Minister Pofalla sowie Ex-Regierungschef Gerhard Schröder waren unter anderen weitere „Parodiegäste". In seinem zweistündigen Soloprogramm setzt der Kabarettist auf äußerst ausgetüftelte Szenen, in denen er besondere, teils witzige, teils hintersinnige Konstellationen heraufbeschwört. Bei einem „Alt-Politiker-Treffen der vergesslichen Art" sinnierten so Rita SüssmuthHans-Jochen Vogel und Hans-Dietrich Genscher über Politik der damaligen Zeit. Finanzminister Schäuble, „Wolfgang der Drachmentöter" erklärte die Euro-Krise. „Der Intellekt hat viele Gesichter" hieß es in der Talkshow mit Michel Friedman. Seine Talkgäste waren Mario BaslerBoris Becker,Dieter Bohlen und Daniela Katzenberger.

Scharfzüngig und wortsensibel entlarvt Kröhnert Arroganz, Eitelkeiten und Machthunger der Prominenz, zeigt stark gestikulierend die Vorgehensweise dieser Größen und pflegt dabei die Tradition des politischen Kabaretts.

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Freie Presse vom 10.02.14

Kabarettist ist ein Meister der Parodie: 300 Besucher hörten zu

Worte, nichts als Worte: Reiner Kröhnert verlangt Zuhörern im König-Albert-Theater Bad Elster einiges ab.

Bad Elster. Wissen Sie, was ein zerebraler Synapsenfilter ist? Nicht schlimm - müssen Sie nicht, und solch verschraubtes Wortgedrechsel musste sich auch keiner der gut 300 Besucher am Samstagabend im König-Albert-Theater merken. Denn es war jedeMenge dieser Art von Wortgeprassel, das Kabarettist Reiner Kröhnert auf seineZuhörer niederregnen ließ.

Wer sich bei seinem Programm "Kröhnerts Krönung" zurücklehnen und es nebenbei konsumieren wollte, der wäre am besten nicht die Stufen ins knapp 100 Jahre alte Theater hinaufgestiefelt. So spartanisch die Bühne - ein weißer Sessel reichte Kröhnert - so intensiv sein Parodien-Feuerwerk. Das war auf der Bühne Schwerstarbeit, und auch für die Gäste eine Anstrengung. Mancher flüsterte da dem Nachbarn zu, wer das den sein sollte, den Kröhnert da gerade parodierte. Das lag nicht daran, dass der Kabarettist es nicht drauf hatte - vielmehr,

dass er seine Helden auch etwas tiefer aus der Geschichte holte. Und, natürlich, die Größen von einst fanden früher alles besser. So gab es ein Wiedersehen mit Rita Süßmuth, die in abgehacktem Ton den Verlust aller innerparteilichen Feindbilder beklagte, mit einem zerstreuten Hans-Dietrich Genscher, der alles "verwirrend" findet, oder mit dem einstigen SPD-Chef Hans-Jochen Vogel, der auch mit 88 als früher berüchtigter Fan von Klarsicht-Hüllen nochden Durchblick hatte.

Am besten war dran, wer Kröhnert früher schon erlebt hatte, denn etliche seiner "Opfer" gehören zum Standard-Repertoire - der Alt-Linke Daniel Cohn-Bendit etwa -eine weniger zündende Parodie - oder Klaus Kinski, der nach den Missbrauchs-Enthüllungen seiner Tochter Pola diesmal jammern durfte, "ach wär ich Priester dochgeworden in einem Knabenschänder-Orden".

Am besten war Kröhnert dann, wenn er die Wahrheit mit besonders bösen Mitteln heraus-kitzelte, mit bewussten Versprechern und Zuspitzungen. Köstlich etwa die CDU-Politiker

Peter Hintze und Ronald Pofalla als Lakaien, deren höchstes Glück es ist, einen Abwind der "hochwohlgeborenen" Kanzlerin zu erschnüffeln. Angela Merkel hat Kröhnert seit Jahren drauf, und bei ihr verließ er sich ein einziges Mal nicht auf seine Stimme, sondern hatte nur mit Gesten, hängenden Schultern und Merkelscher Prinz-Eisenherz-Frisur schon Lacher geerntet, bevor er nur ein Wort sagte. Die CDU-Chefin gierte, als schwarze Witwe so eben vom Grab des politisch früh verblichenen Philipp Rösler zurückgekehrt, schon nach dem nächsten Opfer: Diesmal soll die "bayerische Gesinnungs-Amöbe", der "weißblaue Riesen-Wolpertinger vom Weißwurst-Äquator" dranglauben, und Merkel malt sich schon aus, wie sie den "kapi-talen Platzhirsch mitten in der Brunft" erlegt. Was da alles an Bosheiten aus der Tiefe der Mundwinkel kam, das hatte was, auch wenn manches alt war. Kröhnert ließ außerdem Papst Benedikt XVI. das Geheimnis seines Rücktritts ausplaudern, als Wolfgang Schäuble mit der von den klammen Griechen ersteigerten Akropolis den Stuttgarter Hauptbahnhof überbauen oder Erich Honecker und Gerhard Stoltenberg sich in der Vorhölle gegen den "Golem von Oggersheim" Helmut Kohl verbünden.

Doch der Mittfünfziger arbeitete sich nicht nur an Politik von gestern und heute ab, sondern auch an Sport- und TV-Ikonen. Boris Becker, Dieter Bohlen, Daniela Katzenberger und Mario Basler durften herhalten für vier Folgen einer fiktiven Show "Der Intellekt hat viele Gesichter". Dass Kröhnert dabei mit Michel Friedman und dem Philosophen Rüdiger Safranski - das ist der mit dem zerebralen Synapsenfilter -zwei seiner "Lieblingsopfer" mit durch den Kakao zog, war als Effekt beabsichtigt. Was bei Becker noch witzig war, exerzierte Kröhnert dann viermal durch - dabei war das Muster klar: In all ihrer Schlichtheit sind die bespöttelten "Unterschichten-Stars" nicht anders als jene, die mit Wortgewandtheit der deutschen Sprache mehr Schadenzufügen als jeder Fremdwort-Fetischist. Das war irgendwann des Guten zu viel. Fazit nach fast zwei Stunden: Schön war's, nun ist aber auch gut.

erschienen am 10.02.2014 ( Von Ronny Hager )

© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG

 

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Rhein-Neckar Zeitung vom 06.11.2013

„Kröhnerts Krönung" war die Krönung

Kulturreihe des SPD-Ortsvereins: Kabarettist Reiner Kröhnert begeisterte mit Parodien im Kaiserkeller – „Angie" hatte nichts zu lachen.

Ladenburg. (stu) „So viele Unterhaltungsmomente hatten wir noch nie im Kaiserkeller" dankte die Kulturbeauftragte „Ilse Schummer dem Kabarettisten Reiner Kröhnert. Dieser brachte mit seinem Programm „Kröhnerts Krönung" den Keller zum Beben. DerKabarettist bedankte sich artig mit der Bemerkung: „Ilse Schummer ist die einzige Hoffnungsträgerin der Deutschen Sozial-demokratie." Aber das war es dann auch schon mit den Nettigkeiten des in Schriesheim aufgewachsenen herausragenden Parodisten.

Kröhnert knöpfte sich in seinem Programm 21 Prominente von A wie „Acker" Schröder bis V wie Joachim Vogel vor. Nicht nur die Inhalte seiner geistreichen Parodien, auch die Stimmen der Prominenten und nicht zuletzt deren Mimik traf der mehrfache Kleinkunstpreisträger perfekt.

Zu Kröhnerts „Lieblingsopfern" zählt die „Geisha aus der Uckermark", die es bis ins Kanzleramt brachte. ,,Die schwarze Witwe" servierte reihenweise ihre Widersacher ab. Helmut Kohl war der Erste, dem „Angela Merkel" die Grenzen aufzeigte. Sie servierte Schäuble ab, zog „Stammel-Stoiber" beim Frühstück über den Tisch und versenkte Schröder in die Bedeutungslosigkeit.

Merkels nächstes Opfer wird wohl der Noch-Kraftprotz, aus Bayern sein, mut maßte Kröhnert, denn mit Horst Seehofer hat die Kanzlerin noch eine Rech- nung offen. „Die Mutti ist gut drauf — ich habe alle im Griff", rief die „Kanzlerin" in die Runde, die nun genussvoll die SPD verspeisen wird. Das Gespräch zwischen „Winfried Kretschmann" und ‚Jürgen Trittin" offenbarte nur eins: „Kretsche" und der Linksaußen der Grünen funken nicht auf einer Wellenlänge. Stuttgart 21 sei nicht Paris 68, belehrte „Trittin" den bibelfesten Oberrealo. „Tue nichts, aber tue so, als ob du alles getan hast", gab Jürgen seinem Parteifreund „ Kretsche" einen Tipp, wie er die nächste Landtagswahl gewinnen wird.

Roland Koch, Freiherr zu Guttenberg und Friedrich Merz — auch dieses Trio sei ein Opfer der „schwarzen Witwe‘, so Kröhnert. „Wir kommen wieder und gründen die Rechts-Mitte-Rechts-Partei, drohte „Merz".

Genial war die Parodie auf Wolfgang Schäuble. Der Euro sei die gemeinsame Basis von Milchmädchenrechnungen und der hohen Mathematik, erklärte der „Finanzminister‘, der den griechischen Freunden konkrete Hilfe anbot. Die Akropolis werde nach Deutschland verfrachtet, und darin entstehe ein modernes Einkaufszentrum. Vor seinem Rückzug aus der Politik wird „Schäuble" noch den „Globo" einführen, wie die gemeinsame Weltwährung heißen soll. Die Lachmuskeln arg strapaziert wurden in der Serie „Friedman und Safranski im Gespräch — „Der Intellekt hat viele Gesichter". Eingeladen wurden Boris Becker, Dieter Bohlen, Daniela Katzenberger und Mario Basler, die in der Sendung philosophische Gedanken zum Besten gaben. Auch Papst Benedikt nahm Kröhnert aufs Korn. „Ratzi" gab im Kaiserkeller die wahren Gründe seines Rücktritts bekannt. „Es gibt keine Geldwäsche — nur die Geldwaschung. Sie dient der Reinigung des Vatikan-Kapitals", meinte „Ratzi".

Am Ende des erstklassigen Kabarettabends knöpfte sich Kröhnert die Ge- nossen vor- Er prognostizierte, dass die Parteibasis den Koalitionsvertrag ab lehnen werde, so dass die große Stunde von „Acker Schröder" schlägt. Sigmar Gabriel und die „Stones" (Steinbrück und Steinmmeier) machten einen miserablen Job. „Es gibt eine rot-rot-grüne Mehrheit. Mit mir wäre die Mutti weg", geiferte „Gerhard Schröder", der „Gysy‘ zum Außenminister machen würde. Nur seinen Exfreund Oskar Lafontaine hat „Acker" wohl dicke: „Dem spann ich irgendwann die Sara aus."

- Für die Zugabe musste noch einmal die „Kanzlerin" mit ihrem abhörsicheren Handy auf die Bühne. „Nein, den Snowden will ich nicht haben. Das hat nichts mit Angst vor dem großen Bruder zu tun— so etwas nennt man Respekt", sagte „Angie", die an diesem Abend nichts zu lachen hatte.

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Schwäbische Zeitung

 

Im Bocksaal kröhnert´s gewaltig

Der Kabarettist Reiner Kröhnert parodiert sie zum Auftakt der Kleinkunsttage alle durch

Von Babette Caesar

Wenn es bei Reiner Kröhnert so richtig kröhnert, dann landen die Mundwinkel im Souterrain, die Stimmung dafür aber im Hochparterre. Der Parodist hat am Mittwochabend die Leutkircher Kleinkunsttage im Bocksaal eröffnet – und das mit viel bissigem Spott auf die Häupter der Nation.

Merkel ist Kröhnert´s Beste

Kröhnerts Persiflage auf Angela Merkel ist ohne Frage eine seiner besten Kabarettnummern. Dafür braucht es eine korrekt gescheitelte Perücke, eine von der Schulterpartie her leicht nach vorn geneigte Haltung, den Kopf etwas eingezogen und eine Mimik, die Kröhnert ungemein gut beherrscht. Mit einer angefressenen Unterlippe und diesem drögen Gesichtsausdruck, der irgendwie durch gar nichts aus der Fassung zu bringen ist.

So stand er da, zwar nicht aus der Uckermark, dafür aber notorisch zeternd über den Phippsi und den Guido, den Esel. „Sie wissen ja, ich bin Physikerin. Da läuft alles nach Plan, schließlich komme ich ja aus der Planwirtschaft“, säuselt die Waldfee und husch, husch schon schwenkt Kröhnert hinüber zu „Kretsche“ und Trittin, die händeringend ein neues Thema suchen, aber nicht über Stuttgart 21 hinaus kommen. Abgesehen von der Merkel-Perücke kommt Kröhnert leichten Fußes ohne Requisiten aus.

„Schau´n Sie mal“, aber wohin

Er hat alle drauf – einen hautnahen Schäuble, dessen „Schau´n Sie mal“ selbst die aufgebrachtesten Gemüter paralysiert, einen schnackelnden Kinski, der, wäre er doch bloß Priester geworden, nicht den blöden Clown des Boulevard hätte geben brauchen, oder einen Gerhard Schröder in gewohnter Macho-Pose. Dessen Brustton zu erzeugen, ist ein anderes Kaliber als beispielsweise die Fispelstimme von Erich Honecker. Die könne fast jeder imitieren. Erich und Gerhard (Stoltenberg) verbrüdern sich in der Vorhölle. Wat mut dat mut – auch der Auftritt von Boris Becker, dessen breitmäuliger Einheitsbrei noch etwas breiter hätte ausfallen können ebenso wie Dieter Bohlens niedrigste Instinkte in echt noch dekadenter erscheinen.

Kröhnert schlägt nicht wirklich unter die Gürtellinie, er hält sich an das, was ihm seine Protagonisten widerspiegeln. In diesen auserwählten Kreis gehören auch die „Nippel“ von Daniela Katzenberger oder Mario Baslers „Bananenflanke“, die mit Michel Friedmann und Rüdiger Safranski literarisch-philosophischen Schabernack treiben. Sehr zur Gaudi des gut besuchten Saals.

Kröhnerts Politparodien scheuen nicht vor neuen Ideen zurück, wenn Schäuble sich vorstellt, den Stuttgarter Bahnhof mit der Athener Akropolis zu überbauen, nach dem Euro der Globo kommt, oder er in der Rolle des abgetretenen Papstes Benedikt XVI. Geldwäsche kurzerhand gegen Geldwaschungen, nämlich die des schnöden Mammons, eintauscht. Kröhnert ist Kröhnert – es ist wie´s ist auf hohem Niveau.

(Erschienen: 17.10.2013 14:14)

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NWZ

16.09.2013

Reiner Kröhnert parodiert nicht nur Angela Merkel

GEISLINGEN AN DER STEIGE: Kurz vor der Bundestagswahl holte Reiner Kröhnert parodistisch die versammelte Politprominenz auf die Bühne. Bissig demontierte er einen ganzen Figurenreigen aus Vergangenheit und Gegenwart.


Die Mundwinkel herabgelassen - Reiner Kröhnert in seiner Paraderolle als Angela Merkel. Fotograf: Stefanie Schmidt

Im schlichten Nadelstreifenanzug kommt Reiner Kröhnert am Samstagabend auf die Geislinger Rätsche-Bühne, auf dem Kopf eine tadellos frisierte Angela-Merkel-Perücke. "Mutti" hat kurz vor der Bundestagswahl schlechte Laune: Die Mundwinkel hängen fast in den Kniekehlen, Lethargie und leicht angewiderte Langeweile hängen in jeder Mimikfalte. "Wenn Sie wissen wollen, wie es Ihnen geht, dann schauen Sie mich an", rät sie dem zahlreich versammelten Wahlvolk. Denn "Down is beautiful" ist das Wahlkampfmotto von Kröhnerts Kanzlerin. Der Depression gutmütige Geschwister seien schließlich Fatalismus und Fügsamkeit - für Merkel die ideale Stimmung kurz vor der Wahl. Erfolgreich eingelullt hat sie schließlich schon viele.

Als "bemitleidenswertestes Opfer der Zwangsehe" habe sie ihre politische Karriere begonnen: Helmut Kohl legte ihr einst die "Bratwurstpranken" auf die Schenkel und machte sie zu seinem Mädchen. Doch die "Geisha aus der Uckermark" wandelte sich schnell zur "Schwarzen Witwe", die den Karrieren ihrer politischen Zwangsgatten den Todesstoß versetzt. "Ich kann mit jedem", resümiert Merkel. "Meine Zukunft ist sicher, für Ihre müssen Sie schon selber sorgen."

Über 20 Gestalten aus Politik und Medienwelt lässt Reiner Kröhnert so aus dem Nähkästchen plaudern. Requisiten oder Verkleidungen braucht er dafür nicht, die Merkel-Perücke bleibt das einzige optische Hilfsmittel. Bis in kleinste Detail channelt Kröhnert Duktus, Mimik und Körperhaltung der parodierten Persönlichkeiten, bleibt dabei aber stets subtil und zielt nicht auf billige Lacher durch platte Übertreibungen. Lieber befreit der Kabarettist hinlänglich bekannte Argumente und Ansichten von jeglicher medientauglichen Weichspülerei und führt sie gnadenlos bis zu ihrem logischen Ende weiter.

Da bleibt dem Geislinger Publikum das Lachen auch manchmal im Halse stecken: Wenn sich etwa Erich Honnecker und Barschel-Ziehvater Gerhard Stoltenberg noch in der Vorhölle über ihren moralischen Bankrotterklärungen verbrüdern, der "Dirk Niebel des Schreckens" in Kriegszonen auf Souvenirjagd geht und sich "Jahrhundertgenie" und "Tochterschänder" Klaus Kinski in widerlicher Larmoyanz wünscht: "Wäre ich doch Priester geworden, dann wäre alles geheim geblieben."

Trotzdem erblickt man am Ende des Programm nirgends im Publikum hängende Mundwinkel - dafür war die Begeisterung zu groß.

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Märkische Allgemeine

16.04.2013

 

Realität und Phantasie ganz ohne Maske

Der Kabarettist Reiner Kröhnert gastierte in Kleinmachnow

KLEINMACHNOW - Ganz ohne Staatskarossen und Sicherheitsaufgebote war die zahlreiche Polit- und sonstige Prominenz

am Sonntagabend in das Rathaus von Kleinmachnow gelangt. Im Bürgersaal wartete das Publikum, um sie alle zu

erleben: Angela Merkel, Rainer Brüderle, Gerhard Schröder, Winfried Kretschmann, Jürgen Trittin, Friedrich Merz, den

pensionierten Papst Benedikt XVI., Boris Becker oder Daniela Katzenberger und andere. Man brauchte nur die Augen zu

schließen. Denn auf der Bühne stand lediglich ein Mann, der sie alle im Gepäck hatte, der Kabarettist Reiner Kröhnert.

Bis auf die Kanzlerinnen-Perücke bedurfte Kröhnert keiner Masken oder Utensilien, um seine Figuren lebendig werden zu

lassen. Stimme und Körperhaltung seiner Promis hat er sich überwiegend sehr genau abgeguckt. Was er ihnen so in den

Mund legt, würden sie sicher kaum wirklich sagen, jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit. Dennoch oder vielleicht genau

deshalb gelingt es dem Kabarettisten manchen unserer aktuellen oder ehemaligen Politiker treffend zu charakterisieren.

Genau wie die zwischen- und innerparteilichen Zweck-Verbrüderungen und Schienbeintritte, die nun im Wahlkampf

Konjunktur erleben.

Als ein Lieblingsthema Kröhnerts kristallisiert sich das unglückliche Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 heraus, das der grüne

baden-württembergische Landesvater Kretschmann „geerbt“ und gegen seine Überzeugung durchzusetzen hat. Hier

gehe es nicht um ICE, sondern um ECE, die Einkaufcenter Entwicklungsgesellschaft der Familie Otto, lässt Kröhnert

wissen. „Wir vergraben einen denkmalgeschützten Bahnhof für viele Milliarden, die wir eigentlich gar nicht haben, um ein

Shoppingcenter zu schaffen. Um die Bahn geht es hier gar nicht.“ Wem hatte er das eigentlich in den Mund gelegt? Egal,

wenn es doch wahr ist.

Die Balance zwischen politischer Kritik und Unterhaltung ist ein schmaler Grat für einen Kabarettisten. Die erdachten

Dialoge, in denen Tatsachen und Phantasie sich zu manchem Gag zuspitzen, treffen bei Kröhnert meist ins Schwarze.

Sehr gut der auf die erste Bierdeckelrepublik hinarbeitende Friedrich Merz, dessen braune Tendenzen im Kabaretttext

offenbar werden.

Einzig das Gespräch zwischen Kanzleramtsminister Ronald Pofalla und Ex-CDU-Generalsekretär Peter Hinze geriet ein

wenig zu plattgewalzt. Fürs Zwerchfell hielt der Kabarettist philosophische Gespräche mit Fernsehmoderator Michel

Friedman, dem Philosophen Rüdiger Safranski und großen Denkern unserer Tage wie Boris Becker, Dieter Bohlen, Mario

Basler sowie Daniela Katzenberger bereit. Es bereitet Vergnügen, sich den tieferen Sinn von Baslers Bananenflanke

erläutern zu lassen oder verblüfft, die Lieblingslektüre von Frau Katzenberger zu erfahren. Und was nur im Kabarett

möglich ist: In der Vorhölle verbrüdern sich Erich Honecker und Gerhard Stoltenberg miteinander. (Von Edith Mende)

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Merkur

04.02.13

Parodist Reiner Kröhnert: Besser als das Original

Ebersberg - Requisite braucht Reiner Kröhnert genau eine einzige: Die Perücke eines Pagenkopfes, um Angela Merkel darzustellen. Und selbst die, ist die wirklich unerlässlich?

Wer wird denn hier parodiert? Reiner Kröhnert bringt die Politprominenz auf die Bühne, auch die Kanzlerin. Jro

Dabei gelingt es dem Parodisten par excellence, eine ganze Reihe deutscher Persönlichkeiten dar- und bloßzustellen, ohne auch nur das Jacket zu wechseln. Alleine mit Gestik, Mimik und Stimme bringt Reiner Kröhnert im alten kino die gesamte Polit-Prominenz auf die Bühne. Und Kröhnert ahmt sie nicht nur nach, er stellt sie auch in ihrer Denkweise dar, wie sie sind, entwickelt sie weiter und überspitzt ihr Bild, bis sich das Publikum vor Lachen biegt.

Bei Angela Merkel sieht das so aus: Neben den mimischen Markenzeichen wie den herabhängenden Mundwinkeln und den vor dem Körper zu einem „O" gespreizten Fingern lässt Kröhnert sie von einem Schwarz-grün-links-Bündnis träumen, Hauptsache, ihr nützt es auf dem politischen Parkett und an der Macht zu bleiben. Ja, beim Atomausstieg seien ihr die Grünen fast schon zu zögerlich.

Die Grünen knöpft sich Kröhnert auch in seinem fiktiven Gespräch zum Thema Stuttgart 21 vor: Immer wenn er demonstrativ ein Bein über das andere schlägt, sich posend zurücklehnt, die Augen zusammenkneift und dann mit wichtiger Stimme für die Solidarität mit dem Juchtenkäfer plädiert, bringt er die Zuschauer mit dieser Parodie über Jürgen Trittin zum Johlen.

Besonderen Applaus bekam der Kabarettist aber für seine Dreiergespräche mit dem Titel „Der Intellekt hat viele Gesichter". Hier zog er alle Register seiner Schauspielkunst und ließ Gegensätze aufeinanderprallen, dass die Komik nur so ihre Funken schlug.

In der Rolle des Moderators mimte er Michel Friedmann mit leicht blasiert in die Höhe gezogenen Augenbrauen. Als Philosoph Rüdiger Safranski kleidet er die banalsten Sachverhalte in wissenschaftlich gedrechselte und mit Fremdwörtern nur so gespickte Sätze. Zu diesem Duo kamen abwechselnd verschiedene Gäste, die der Baden-Württemberger alle selbst verkörperte: Zunächst Boris Becker, dessen intellektuelle Fähigkeiten Kröhnert alleine durch den sturen Blick ins Lächerliche zieht.

Danach Dieter Bohlen, den er durch eine geschliffene Fäkalsprache entlarvte und zu guter Letzt Daniela Katzenberger, bei der der Kontrast zwischen Trivialität und gespreizter Intellektualität gipfelte und einen urkomischen Effekt erzielte.

Nicht nur mimisch, auch sprachlich ist Reiner Kröhnert ein Genuss: Da bezeichnet er als Dieter Bohlen den deutschen Philosophen als „Grötzgurke", während ihn dieser bei den „Latrinenlyrikern" einreiht.

Optimisten nennt er „unverbesserliche Gernefrohs" und im Vatikan wird genau unterschieden zwischen „Geldwäsche" und frommen „Geldwaschungen".

Das Ebersberger Publikum war von Reiner Kröhnerts Vorstellung begeistert. Sollte er hier wieder auftreten, wird man sich zeitig um Karten bemühen müssen.

Evi Thiermann

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Trierischer Volksfreund

18.01.2013

Parodie in Höchstform

Freunde bissigen politischen Kabaretts sind bei "Kröhnerts Krönung" in der Tufa Trier auf ihre Kosten gekommen. Der in Kirchberg (Rhein-Hunsrück-Kreis) lebende Künstler Reiner Kröhnert parodierte politisches Personal von Angela Merkel bis Erich Honecker.


Als Angela Merkel liefert Kabarettist und Parodist Reiner Kröhnert eine Paradevorstellung ab. TV-Foto: Anke Emmerling

Trier. Die Lacher hat Reiner Kröhnert sofort auf seiner Seite, als er - mit Perücke ausstaffiert - Angela Merkel mimt. Paraderolle für den 55-Jährigen, der eine Schauspielausbildung zugunsten des Kabaretts abbrach, 1980 für Didi Hallervordens "Wühlmäuse" engagiert wurde und seit 1987 solo unterwegs ist. Vielfach ausgezeichnet ist sein parodistisches Talent, das in der Darstellung der Kanzlerin wahre Meisterschaft offenbart. Da stimmt alles, von der Mimik mit hängenden Mundwinkeln über die Gestik bis hin zur Stimme und Ausdrucksweise. 
Damit einher geht inhaltlicher Biss: In pointierter Überzeichnung stellt der Kabarettist die Kanzlerin als machtorientierte Person dar, die nach dem Motto handelt: "Was nutzt, ist gut, was mir nutzt, ist noch besser."

Sahnestück Talkshow

Doch nicht nur sie bekommt ihr Fett weg. Kröhnert persifliert auch Winfried Kretschmann, Jürgen Trittin, Daniel Cohn-Bendit, Wolfgang Schäuble, Friedrich Merz, Dirk Niebel, Peter Hintze, Ronald Pofalla, Gerhard Schröder sowie den Papst und lässt sie ihre Charaktere wie Unzulänglichkeiten in Gesprächen oder Monologen entlarven. Kabinettstückchen im anspruchsvollen, scharfzüngigen und teils schwarzhumorigen Programm sind die vier Teile einer Talkshow mit Michel Friedmann und Rüdiger Safranski zum Thema "Der Intellekt hat viele Gesichter". Hier prallt die selbstverliebte Tumbheit der Gäste Boris Becker, Dieter Bohlen, Mario Basler und Daniela Katzenberger auf die ebenso selbstverliebte Intellektualität der Talkmaster. Am Ende bleibt die Frage, wer die wahren Dummen sind. 
Vom Justizirrtum zum Bruderkuss
Köstlich auch die Parodie mit Erich Honecker und Gerhard Stoltenberg als Leidensgenossen in der Vorhölle, die erst streiten, wer nun der Justizirrtum ist, um dann den Bruderkuss zu tauschen. 
Glanzstück aber ist ein Stelldichein der etwas altersverwirrten Politurgesteine Dietrich Genscher, Rita Süssmuth und Hans-Jochen Vogel. Letzterer sagt: "Der einzige Lichtblick in meiner Partei ist die glimmende Zigarettenspitze von Helmut Schmidt" und stimmt damit ins allgemeine Klagelied über den Verlust politischer Profile, Feindbilder und Charakterköpfe ein. Das kommt beim eher reiferen Publikum, das noch die alte politische Garde kennt, bestens an. 

Unter den knapp 100 Zuschauern sind einige Theaterleute, denn Reiner Kröhnerts Sohn Daniel ist Mitglied im Schauspielensemble des Theaters Trier. Nicht nur sie honorieren mit viel Applaus einen Abend, der die schon etwas selten gewordene Tradition rein politischen Kabaretts sehr kunstvoll gepflegt hat. ae

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WESER KURIER

Reiner Kröhnert rechnet in seiner „Krönung" mit bundesdeutscher Show- und Politprominenz ab

29.10.2012

Angela Merkel als Lieblingsopfer

Von Alexander Bösch

Sein neues Programm ist "Kröhnerts Krönung": Darin führt Kabarettist Reiner Kröhnert 22 Prominente aus Politik und Showbusiness vor. Sein Lieblingsopfer ist und bleibt jedoch Angela Merkel. Im Kulturbahnhof rechnete er gnadenlos und messerscharf ab.

"Trainieren Sie Ihre Mundwinkel: Down is beautiful!", empfahl Reiner Kröhnert dem gut gelaunten Publikum im Kuba in seiner Paraderolle als "Angie", von sinnlosem Grinsen doch bitte Abstand zu nehmen. Neben der Kanzlerin gehörten zur schonungslos-aromatischen "Krönung" des Pfälzers Politgrößen wie Friedrich Merz, Jürgen Trittin und Rita Süßmuth, aber auch omnipräsente TV-Nervensägen wie Dieter Bohlen, Michel Friedman und Daniela Katzenberger.

Vegesack. Nein, einen guten Stand hatte Angela Merkel nie bei Reiner Kröhnert. In seinen zum Teil bereits vor der Kanzlerschaft entstandenen Programmen wie "Angie goes Hollywood" oder "Königin der Macht" spöttelte der preisgekrönte Kabarettist sogar abendfüllend und monothematisch über das "verdorrte Buschwindröschen aus der Uckermark". In seinem neuen, jetzt im Kuba präsentierten Rundumschlag "Kröhnerts Krönung" werden gleich 22 Prominente aus Politik und Showbusiness von dem unbarmherzigen verbalen Scharfrichter aus Schriesheim bei Heidelberg vorgeführt.

Ehrensache, dass auch hier die Kanzlerin eine tragende Rolle spielt und den humoresken Reigen eröffnet. Mit blonder Perücke und charakteristisch heruntergezogenen Mundwinkeln – "down is beautiful!" – räsoniert "Angie" Kröhnert über ihre bewegte politische Laufbahn. Da legt einem ein Helmut Kohl, dieses "Saumagengewächs", seine "ungeschlachten Bratwurstpranken" auf die Schenkel, bis er über seinen eigenen "Bimbes" stolpert, dann gilt es, sich mit Müntefering, dieser "hölzernen Marionette, diesem Jim Knopf auf Valium" zu arrangieren, und dann hat man zu allem Überfluss noch die "neoliberale Quarre" Guido Westerwelle an der Backe.

Kanzlerin Kröhnert ficht all das nicht an. Dank einer "mentalen Mutationsrate auf Fruchtfliegenniveau" kann die chronisch für ihren mangelnden Führungsstil Gescholtene sich auf Situationen einstellen, die "noch gar nicht stattgefunden haben". Wie gut, dass die angeborene Lippenmimik da erst gar keinen Platz lässt für grundloses Grinsen. Schließlich sind Fatalisten die "fügsamen Schwestern der Lethargie". An den Grundfesten der "Protestantenzicke" kann auch eine vorübergehend durchs Gesicht fahrende La-Ola-Welle während eines Spiels der Nationalmannschaft nichts ändern: "Hier schmolle ich und kann nicht anders, meine Mundwinkel wissen immer, wo ihr Platz ist".

Kröhnerts Abrechnung mit den Großen aus Show, Wirtschaft und Politik ist gnadenlos und messerscharf pointiert. Da sitzt in Tonfall und Klangfarbe der Parodierten vielleicht nicht jede stimmliche Nuance. Dafür aber dürfte die intellektuelle Auseinandersetzung des 54-Jährigen mit den vermeintlichen geistigen Führern in Spott und Schärfe unter bundesdeutschen Kabarettisten unerreicht sein. Da streitet ein quäkender Winfried Kretschmann mit Jürgen Trittin um das "Bahnprojektle" Stuttgart 21, salbadert ein grenzdebiler Hans-Dietrich Genscher mit einer näselnden Rita Süßmuth um die Wette oder ruft ein schwäbelnder Schäuble als "Drachmentöter" den "Globo" aus. Eine Welt, eine Währung, der Verschuldung nach oben sind schließlich keine Grenzen gesetzt- und die Akropolis setzt man da als Pfand gleich noch obendrauf auf den Stuttgarter Bahnhof. In einer Zeit, in der der Glimmstängel von Helmuth Schmidt der einzige Lichtblick der SPD ist, man keinem belastbaren Feindbild mehr die dritten Zähne zeigen kann und sich selbst "Spaghettilustgreis Berlusconi außerhalb der Canellonizone" gebeamt hat, dürften Willy Brandts Rotationsbewegungen im Grab mutmaßlich zu "tektonischen Verschiebungen führen".

Wen wundert es da, dass auch die Riege der ach so unantastbaren Philosophen unerwarteten Besuch bekommt. In der Reihe "Intellekt hat viele Gesichter" darf Kröhnert als Michel Friedman neben dem Philosophen Rüdiger Sawranski intellektuell eher fragwürdige Gestalten wie Boris Becker, Dieter Bohlen und Daniela Katzenberger auf dem Sofa begrüßen. Umso verblüffender, wenn der einstige Weltranglistenerste dem gegelten Polittalker die "Grundlinien der Argumentation" um die Ohren haut und als Nietzsche für Anfänger von "der Sarah Thustra" berichtet. Erstaunlich offen antwortet da sogar der unvermeidbare Bohlen auf die Frage, ob der "messiasartig gefeierte Anhänger aller bildungsfernen Schichten" selbst wahrnehme, was er da so von sich gebe oder ob ein "zerebraler Synapsenfilter" Schlimmeres von ihm abwende. "Ich bin ein Titanenarschloch mit einer Platinrosette, die goldene Eier scheißt", weiß der Hobbyphilosoph aus Tötensen zu berichten.

"Kröhnerts Krönung" demaskiert die Bundesregierung als abgestandenen Kaffee, sorgt aber auch immer wieder für bitteren Beigeschmack. Wenn Dirk Niebel als "Rambo aller diplomatischen Souvenirjäger" am liebsten in Kriegsgebieten mit umherfliegenden Gliedmaßen und "Bombenrabatten" shoppen geht, entfährt den Zuschauern schon mal ein ungläubiges Raunen. Ungekrö(h)nter Höhepunkt des Parforceritts durch das bundesdeutsche Monstrositätenkabinett dürfte ein devot-buckelndes Wetteifern von Kanzleramtschef Ronald Pofalla und dem ehemaligen Generalsekretär Peter Hintze um die Gunst der Kanzlerin sein. Während Pofalla in einem 4-Augen-Gespräch in einem "feinen Sprühnebel" von Merkel eingespeichelt wird, ergötzt sich Hintze euphorisch beim Aufheben eines Kugelschreibers in Höhe des Kanzlerinnen-Podex.

Angela Merkel als Lieblingsopfer

Reiner Kröhnert rechnet in seiner „Krönung" mit bundesdeutscher Show- und Politprominenz ab

Zitat:

"Ich kann nicht anders. Meine Mundwinkel wissen immer, wo ihr Platz ist."

Kabarettist Reiner Kröhnert

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Kabarett

Fr., 26.10.2012

Das war die Krönung

 

Reiner Kröhnert zog auf seinem Parforceritt auch Bundeskanzlerin Merkel durch den Kakao. Foto: Engels

Telgte - 

Ob in der Leipziger Pfeffermühle, bei den Wühlmäusen oder der Münchner Lach- und Schießgesellschaft: Überall ist Reiner Kröhnert ein gern gesehener Gast. Auch im Telgter Bürgerhaus.

Von Axel Engels

Ob in der Leipziger Pfeffermühle, bei den Wühlmäusen oder der Münchner Lach- und Schießgesellschaft: Überall ist Reiner Kröhnert als ungekrönter König der politischen Satire ein gern gesehener Gast. Auch im Telgter Bürgerhaus.

Sein aktuelles Programm „Kröhnerts Krönung" ist vielleicht die böseste Abrechnung mit den Großen aus Politik, Show und Wirtschaft, die man sich nur ausdenken kann. Wie kein anderer seiner Garde schlüpfte Reiner Kröhnert in die verschiedenen Rollen, ließ dabei kein gutes Haar an den Protagonisten dieser Zeit.

Reiner Kröhnert zeigte sich von seiner besten Seite – zum Vergnügen der sehr vielen Kabarett-Freunde und zum Leidwesen seiner auserkorenen Opfer. Als Polit-Girl Angie eröffnete er süffisant seinen Rundumschlag. Mimik, Sprache, Gestik passten bis ins kleinste Detail zu der von ihm als „Protestantenzicke aus der Uckermark" betitelten Bundeskanzlerin.

Auch mit den Grünen hatte es Reiner Kröhnert. Trittin und Schäuble waren für diesen Parodienmeister noch die kleinsten Herausforderungen. Als alternder und leicht vergesslicher Genscher brachte er in seiner imaginären Gesprächsrunde jeden zur Verzweiflung. Als Bierdeckeldemokrat Merz und Drachmentöter Schäuble holte er sich zu Guttenberg und Koch dazu, außerdem Rösler und Friedmann. Seine anti-intellektuelle Politsatire mit Bohlen, Becker und der Katzenberger ließ die Stimmung weiter steigen. Wenn Honecker im Vorhöllenknast brutzelte, sich Niebel auf seiner Schnäppchentour im Bombenhagel bereicherte, dann war dies eine meisterhafte Lehrstunde des Kabaretts.

Mehr Bilder zum Thema in den Fotogalerien auf http://www.wn.de/Fotos/Lokales/Kreis-Warendorf/Telgte/Reiner-Kroehnert-in-Telgte

 

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Potsdamer Neueste Nachrichten

20.10.2012

Über Drachmentöter Schäuble, Phippsi Rösler und Gib-Gas-Gerhard

von Daniel Flügel

Der Kabarettist Reiner Kröhnert gab ein äußerst unterhaltsames Gastspiel im Obelisk-Theater

Er spielt gleich seine Paraderolle. Im schwarzen Anzug, die Hände vor dem Bauch gefaltet, mit herabhängenden Mundwinkeln und einer Angela-Merkel-Perücke auf dem Kopf hat der Kabarettist Reiner Kröhnert am Donnerstag im fast ausverkauften Obelisk-Theater das Publikum sofort für sich gewonnen. Noch mehrmals an diesem Abend taucht die „Geisha aus der Uckermark" auf der Bühne auf, etwa um von ihrem Ziehvater, dem „Saumagengrab", zu berichten, bei dem „ihre Libido wie ein Buschwindröschchen in der Wüste vertrocknet" ist, oder aber, um zur Bildung eines „depressiven Mimikkollektivs" aufzurufen, denn: „Wenn Sie wissen wollen, wie es Ihnen geht, dann schauen Sie mich an."

Doch ist Reiner Kröhnert nicht nur ein glänzender Kanzlerin-Imitator, sondern überhaupt einer der besten Stimmparodisten hierzulande. Bis auf ein, zwei Kopfbedeckungen braucht dieser Kabarettist keine Requisiten und anstatt mit fuchtelndem Zeigefinger seine Satire herauszuschreien, lässt er auch in seinem aktuellen Bühnenprogramm „Kröhnerts Krönung" seine insgesamt 21 „Parodie-Opfer" für sich selbst sprechen und zudem häufig miteinander in Interaktion treten. So imitiert Kröhnert im flinken Wechselspiel in täuschend genauen Tonlagen den Sprachduktus von Jürgen Trittin, Winfried Kretschmann und Daniel Cohn-Bendit und lässt die drei in einer kruden Debatte zu dem Schluss kommen, dass es besser sei, den Ausbau von Stuttgart 21 zu befürworten, damit man wenigstens wieder ein Thema habe, um dagegen sein zu können. Rita Süssmuth, Hans-Jochen Vogel und Hans-Dietrich Genscher lässt er als „prädementes" Seniorentrio auftreten, das seine Parteien nicht wiedererkennt und „Phippsi" Rösler veralbert, während sich Ronald Pofalla und Peter Hintze einen Zotenwettstreit in blumiger Prosasprache liefern, um herauszufinden, wer von beiden Angela Merkel wohl am weitesten in den Hintern gekrochen ist. Viel belacht wird auch der Auftritt von Wolfgang „Drachmentöter" Schäuble, der über die Unendlichkeit von Schulden sinniert und zur Lösung der Euro-Krise vorschlägt, eine Hypothek auf die Akropolis aufzunehmen. Mit dem finsteren Charme eines Demagogen wirbt Friedrich Merz noch einmal für seine „Bierdeckelrepublik", schmissig bläst Dirk Niebel zur Schnäppchenjagd in Kriegsgebieten, und auch „Gib-Gas-Gerhard"-Schröder erscheint kurz und reißt bierselige Witze über die SPD. Einer nach dem anderen wird so von Reiner Kröhnert parodistisch in Szene gesetzt und gibt sich selber die Blöße.

Doch auch Prominente aus Kultur und Medien kommen nicht ungeschoren davon. Immer wieder werden kurze Talkrunden eingestreut, in denen sich Michel Friedman und Rüdiger Safranski unter dem Motto „Der Intellekt hat viele Gesichter" mit Daniela Katzenberger über Silikon im Kopf, mit Mario Basler über Bananenflanken oder mit Dieter Bohlen über dessen Latrinenlyrik unterhalten. Herrlich, mit welcher Präzision Kröhnert zwischen den einzelnen Charakteren in diesen doch so absurden Konversationen agiert.

Bevor sich aber die Begeisterung des Publikums nach knapp zwei Stunden in einem anhaltenden Schlussapplaus entlädt, tänzelt Kröhnert noch einmal als Angela Merkel auf die Bühne, um ihren „Mitbürgerinnen und Bürger" die Panik vor dem israelkritischen Gedicht von Günter Grass zu nehmen. Von einem Gedicht, das sich hinten nicht reimt, sagt sie, gehe auch keine Gefahr aus, denn das könne sich eh keiner merken. Daniel Flügel

Erschienen am 20.10.2012 auf Seite 02

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Mannheimer Morgen

14.10.2012

Kröhnerts hohe Kunst des Parodierens

von WALTRAUD BRUNST

Mannheim. Reiner Kröhnert. Deutschlands Polit-Parodist Nummer eins, ist tatsächlich in Schriesheim geboren. Eine Spielzeit lang gehörte er gar dem Ensemble des Mannheimer Kabaretts „Dusche" an. Aus alter Anhänglichkeit kam er mal wieder im kleinen Pressluftbunker in D 6,3 vorbei, diesmal mit seinem neuen Programm „Kröhnerts Krönung".

Zum Auftakt natürlich des Meisterparodisten Meisterstück: unser aller Kanzlerin, die Kollege Priol so tauglich „de Hosseanzuch" nennt. „Wenn Sie wissen wollen, wie es Ihnen geht — schauen Sie mich an!" Dann stürzt sich Kröhnert in eine seiner gefürchteten Dreier- Konferenzen, die er mit seiner variablen Körpersprache optisch wie akustisch glänzend bewältigt. Nachdem sich Kretschmann, Trittin und Cohn-Bendit über die Grüne Revolution auf Spätzle-Basis ausgetauscht haben, erscheint Friedrich Merz, der eine Rechts-Mitte-Rechts-Partei mit Guttenberg plant. Wolfgang .‚Drachmen-Töter" Schäuble besticht durch seine nonchalante Aussage „Milliarden kommen und gehen".

Die nächste Dreierbande markiert den ersten Höhepunkt des Abends: drei Oldies, die sich in der eigenen Partei nicht mehr heimisch fühlen. Ein beklagenswert desorientierter Genscher („Hieß der Sarrazin nicht mit Mädchenname Brüderle?", ein Hans-Jochen Vogel mit messerscharfen Attacken und eine schmallippig-beleidigte Rita Süssmuth — ein Kabinettstück fürs Kabarett-Archiv.

in der nächsten großen Merkel-Nummer schildert Angie, wie sie sich dermaleinst auf dem westlichen Heiratsmarkt umgeschaut hat. Nachdem sie für das pfälzische Saumagengrab die Geisha aus der Uckermark gegeben hatte, war Münte dran, der ihr wie Jim Knopf auf Valium vorkam. Nach der Zwangsehe mit Westerwelle ist sie derzeit mit Fipsi Rösler liiert. Wenn sie mit dem fertig ist, hat er eine Null vor dem Komma und die nächste gleich dahinter. Finale Botschaft an das Wählervolk: „Meine Zukunft ist gesichert: für ihre müssen Sie selber sorgen!"

Erhöhte Schleimspur-Rutschgefahr sodann beim Dialog der Herren Hintze und Po- falla, die bekanntlich jegliche Äußerung ihrer Herrin anbeten, selbst wenn sie aus deren „gebenedeitem Gekröse" kommt. Schließlich schauten auch noch Benedetto, Gas-Gerd, Honecker und Stoltenberg vorbei.

Die absolute Krönung waren freilich die in vier Portionen angerichteten Michel-Fried- man-Talkshows „Der Intellekt hat viele Gesichter" mit Boris Becker, Dieter Bohlen, Daniela Katzenberger und Mario Basler. Wie da die sprachlich schlichten Statements der Vier auf das lateinisch-philosophische Geschwurbel von Dauergast Rüdiger Safranski prallte — ein literarisches Hochamt ohnegleichen. Endlose Lachsalven, viel Applaus.

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Badische Zeitung

11.10.2012

Politkabarett mit Biss: Reiner Kröhnert bei der Kulturwoche

Reiner Kröhnert überzeugt sein Publikum in Staufen

Kulturwoche Staufen mit Reiner Kröhnert  Foto: Susanne Müller

STAUFEN. Es ist eine Kulturwoche mit Biss. Nicht nur das Schaf, das Kulturreferent Germar Seeliger auf sein aktuelles Programmheft gesetzt hat, bleckt angriffslustig das Gebiss, auch die Stars auf der Spiegelzeltbühne zeigen Zähne. Kröhnerts Krönung – sozusagen vollendet veredeltes Spitzenkabarett – stand nach dem Sonntagseinkaufbummel im fabelhaften Staufen auf dem Programm. Parodist und Politkabarettist Reiner Kröhnert, Jahrgang 1958, nagt genüsslich am Knochen, und er beißt nicht auf Granit. Das Publikum geht mit.

Der Ruf des Perfektionisten eilt ihm voraus, und Kröhnert löst die Lorbeeren in seinem anderthalbstündigen Programm ein. Mimik, Sprache, Gestik – alles sitzt. Zum Einstieg gibt es Polit-Girl Angie, die Protestantenzicke aus der Uckermark, auf ihrer Suche nach potenten Potentaten im Kohl’schen Kabinett. Doch welch ein Schreck, erst landet sie im pfälzischen Saumagengrab – mit Cholesterin statt Testosteron – dann im koalitionären Lotterbett, und am Ende muss sie sich mit spätrömischer Dekadenz herumschlagen. Da braucht es dann kein Mundwinkeltraining mehr, die hängen sowieso schon depressiv herunter, völlig zurecht, denn: "Der Wähler lechzt danach, nach der situativ angemessenen Mimik." Ganz nach dem Motto: Es geht abwärts, der Euro erodiert, die Märkte marodieren, erkenne die Zeichen der Zeit: Down is beautiful! Derweil sind die Grünen auf der Suche nach einem neuen Thema, haben sie doch gerade die Exklusivität ihrer Kernkompetenz eingebüßt: den Atomausstieg. "Numme net huddle", winkt Kretschi ab, während Trittin schon über ein schwarz-grün-linkes Bündnis mit Verbraucherschutzgebieten nachdenkt. Darin könnte dann auch Wolfgang Schäuble noch einmal richtig punkten, indem er den Griechen ihre Schulden gegen die Akropolis überlässt, und das alte Gemäuer auf den Stuttgarter Hauptbahnhof transferiert. Und aus dem Euro macht er dann den Globo.

Bierdeckeldemokraten und Drachmentöter


Kröhnert fährt das ganze Arsenal auf, vom Bierdeckeldemokraten auf der Warteliste (Merz, zu Guttenberg, Koch) bis zum Radikalrealisten (Kretschmann, Trittin, Cohn-Bendit) und Rößler, dem Sonstigen, vom Drachmentöter (Schäuble) bis zum prädementen Alterswilden (Genscher, Vogel, Süßmuth, Honecker, Stoltenberg), vom Talkshowphilosophen (Safranski, Friedmann) bis zur Anitintellektuellenikone (Bohlen, Becker, Basler, Katzenberger).

Was Kröhnert auf der Bühne abzieht, ist hintergründig-subtile Politsatire. Allenfalls die "transitive Aufklärungsdialektik" von Bohlen bis Katzenberger braucht mal einen platten Witz. Offen bleibt dabei der Nutzen einer Gehirnvergrößerungs-OP: "Schauen die bei Katzi dann auf das Silikon im Kopf, oder doch lieber auf ihre beiden Pralinetten?" Im Halse stecken bleibt das Lachen beinahe bei Honeckers Verbrüderung im Vorhöllenknast, oder bei Niebels Schnäppchentour im Bombenhagel. Oder bei den Phantomschmerzen des Genossen der Bosse (Schröder) im linken Flügel. Zum Trost gibt es für die Gutgläubigen Mammonwaschungen im verschwiegenen Vatileaks, wobei der Papst mit einem Häkelmützchen daherkommt. Am Ende mündet die chaostheoretische Unberechenbarkeit in zwei Zugaben und einem Faust-Tröpfchen für den Star des Abends. Vielleicht sind das ja aber einfach alles nur existenzielle Banalitäten, vielleicht ist das Leben nur ein Missverständnis?

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Prominente sind bei Kröhnert Opfer der Parodie

19.01.2012, 07:24 Uhr

HAMBURG. Am späten Dienstagabend begegnete einem im Fernsehen mal wieder Michel Friedman - als Gast von "Menschen bei Maischberger". Eine Erscheinung? Der aalglatte Moderator war noch eine halbe Stunde zuvor im Lustspielhaus Gastgeber seiner eigenen Sendung gewesen. Titel: "Der Intellekt hat viele Gesichter".

Da war er eine Parodie des Kabarettisten Reiner Kröhnert. Auf die Idee, in Talkrunden Friedman mit dem Schriftsteller Rüdiger Safranski, mit Becker, Bohlen und Basler bis hin zur Berufsblondine Daniela Katzenberger ins absurd-komische Philosofaseln zu bringen, kann nur ein Kröhnert kommen. Der Meister der pointierten Überzeichnung imitiert im neuen Nummernprogramm 21 Opfer. Meist scharfe, auch mal schlüpfrige Texte tragen zur Abrechnung mit Grünen bei (garstig-gut: Ministerpräsident "Kretsche" Kretschmann), mit Konservativen wie Friedrich Merz mit seiner "Bierdeckelrepublik" und Wolfgang "Drachmen-Töter" Schäuble sowie den Sozis von "Gas-Gerd" Schröder. Und die Parodie auf den vergesslichen "Genschman" ist nicht nur was für Ältere. Sie ist ein Abgesang auf die FDP.

"Kröhnerts Krönung" bis 21.1., je 20 Uhr, Lustspielhaus, Ludolfstr. 53, Karten unter T. 55 56 55 56 (str)

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Neue Westfälsche vom: 18.10.2011

Kritisch, komisch, Kröhnert

VON RALF BITTNER

Herford. „Wenn Sie wissen wollen, wie es Ihnen geht, dann schauen Sie mich an", sagt Reiner Kröhnert. Hängende Mundwinkel, merkwürdige Mädchen-Mundart und Perücke machen den Kabarettisten zum perfekten Kanzlerinnen Imitat. Kröhnert ist mehr als bloßer Blödelkabarettist, er blickt seinen Vorlagen unter die Maske, entlarvt nicht Personen, sondern das, wofür sie stehen.

Nur für die Verwandlung in Merkel braucht Kröhnert eine Perücke, für alle anderen Personen, die er selbst-entlarvend zu Wort kommen lässt, reichen ihm Sprachduktus und Habitus, um zu Trittin, Friedmann, Cohn-Bendit, Schröder, Genscher, Stoltenberg oder Gib- Gas-Gerhard zu werden. Na gut, für die Verwandlung in den Papst bedarf es eines Häkelmützchens, aber der ist als Gottes Stellvertreter auf Erden auch eine ganz eigene Nummer.

Kröhnert lässt die grünen Parteistrategen Jürgen Trittin, Dany Cohn Bendit und Winfried Kretschmann eine wirre Strategie-Debatte führen, die darin gipfelt, für den Ausbau von Stuttgart 21 zu sein, um „werbewirksam dagegen sein zu können." Das ist bündnisgrüne Dialektik, nur der „rote Dany" sieht klar: „Das geplante Shopping Center sieht aus wie Paris nach dem Barrikadenbau 68." Die Ikone der APO lebt nach dem Marsch durch die Institutionen nur noch als das Abbild seiner selbst in der eigenen Geschichte.

Bierdeckel-Pamphlet Friedrich Merz erlebt seine kabarettistische Wiedergeburt als Gründer einer Partei „rechts von der CDU, wo eine kontinuierlich anwachsende Lücke" klaffe. Das Programm der Partei mit den Mit-Gründern zu Guttenberg, Koch und Wolfgang Clementals linkem Flügel passt natürlich auf einen Bierdeckel: „Eine schlagstarke Rechte soll es sein."

Schäuble - „Es ischt wiesch ischt" - hat seinen Auftritt: „Was sind schon Milliarden, wo es doch Trilliarden und Quadrillionen gibt?" Es folgt eine hörenswerte Abhandlung über die prinzipielle Unendlichkeit von Geld- und Schuldenmenge. Kröhnert braucht keine platten Rollstuhlwitze, um die grenzenlose Begrenztheit der schäubleschen Agenda aufzuzeigen.

Immer wieder bittet Kröhnert als Michel Friedmann zur Talkshow, wo ihm Rüdiger Safranski als Haus-Philosoph zur Seite steht. Als Gäste geben sich Mario Basler, Boris Becker, Dieter Bohlen und Daniela Katzenberger die Klinke in die Hand. Allen verleiht Kröhnert mit Gesten und Sprache prägnant Gestalt.

Vor allem der Intellektuelle Safranski ist es, der selbst platteste Plattitüden zum philosophischen Geistesblitz erhebt. Baslers Erklärung der Bananenflanke — „Ich trete vor den Ball und dann geht er rein oder nicht"— wird von Safranski-Kröhnert aufgenommen. Zuerst muss aber die Frage geklärt werden, „ob die Banane flankt oder ob die Banane geflankt wird". Unterhaltsamer und doch treffender wurde wohl lange nicht der Gehalt von TV-Talkshows auf das reduziert, was er ist: ein bestenfalls unterhaltsames Nichts.

Kröhnert liefert konzentriert- unterhaltsames Polit-Kabarett, und eins ist dabei sicher: Kröhnert kann nicht nur Kanzler(in).

 

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Herforder Kreisblatt

Eine würzige Melange    

»Kröhnerts Krönung« im Stadttheater

Von Julia Westerhold

Herford (HK). Tiefe Mundwinkel und hängende Schultern: So imitiert Reiner Kröhnert Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie war nicht die einzige Politikerin und Prominen-te, die am Freitag beim Kabarettabend »Kröhnerts Krönung« im Stadttheater ihr Fett weg bekam.

Mit sparsamen Gesten deutete Parodist Reiner Kröhnert seine Figuren an und führte den Zuschauern sofort vor Augen, wer hier imitiert werden soll. Angela Merkel ließ er mit den Worten »Wenn Sie wissen wollen, wie es Deutschland geht, schauen Sie mir ins Gesicht« den Abend eröffnen - und hatte gleich die ersten Lacher auf seiner Seite.

Mit spitzen Bemerkungen wie diesen führte Reiner Kröhnert vor, wo die Probleme der deutschen Politik liegen. »Erstmal schließen wir die Augen, dann sehen wir irgendwann weiter«, legt er zum Beispiel Jürgen Trittin von den Grünen in den Mund und sprach damit die Problematik des Bauprojekts Stuttgart 21 an.

Mit wilden Gesten zeigte der Parodist die Vorgehensweise der Politik bei der Verschuldung Griechenlands auf: »Nach oben hin ist uns doch keine Grenze gesetzt bei den Schulden. So erleben wir die Unendlichkeit des Geldes«, konstatierte er als Finanzminister Wolfgang Schäuble. Korruption und Liebeleien stellte er anhand von Ronald Pofalla und Peter Hintze dar, die hier stark mit der Kanzlerin sympathisierten.

Seine interessante Melange aus dem Witz der Figuren und dem traurigen Ernst der Politik unterhielt den Zuschauer bestens. Einige von ihnen schienen eingefleischte Fans von Kröhnerts würzigem Kabarett-Gebräu zu sein. Die Damen in der ersten Reihe konnten den Text sogar teilweise mitsprechen.

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Esslinger Zeitung

Sprachgenial und wortsensibel

WENDLINGEN: Kabarettist Reiner Kröhnert kriecht beim Zeltspektakel in die Haut der politischen Prominenz

In seiner Paraderolle als „Angie" Merkel sorgt der politische Kabarettist Reiner Kröhnert für einen Auftakt nach Maß beim 29. Wendlinger Zeltspektakel. Foto: Weiß

Von Gaby Weiß

Die Kanzlerin, der baden-württembergische Ministerpräsident, Finanzminister Schäuble, Ex-Regierungschef Gerhard Schröder und der Papst zu Gast in Wendlingen - und auch noch alle auf einer Bühne? Dieses hochkarätige Zusammentreffen kann nur einer einfädeln: Reiner Kröhnert. Mit seinen grandiosen Parodien sorgte der politische Kabarettist am Donnerstagabend beim Wendlinger Zeltspektakel für einen Auftakt nach Maß, als wären Merkel und Co. leibhaftig in die Lauterstadt gereist. „Kröhnerts Krönung" heißt das Programm, mit dem der Polit-Parodist das 29. Zeltspektakel, das von der Eßlinger Zeitung präsentiert wird, eröffnete. Ein kleiner Froschkönig mit goldener Krone sitzt bei ihm auf der Bühne, Symbol des sich Verwandelnden. Sich verwandeln, das kann Kröhnert wie kein zweiter. Bis ins kleinste Detail imitiert er Winfried Kretschmanns Timbre, seine Sprechpausen und den schwäbischen Zungenschlag, Michel Friedmans Schlafzimmerblick, Gerhard Schröders „Gib-Gas-Gerd"-Attitüde oder Angela Merkels verschämt-listigen Blick aus den Augenwinkeln. Wer da nun freilich in Wendlingen wen küsst, wer Frosch, wer Prinz ist, und wer schlussendlich entzaubert wird, wird nicht verraten. Hat Kröhnert in früheren Programmen gern durchgehende Geschichten mit rotem Faden inszeniert, so setzt er bei seinem neunten Solo-Programm auf einzelne, aufs feinste ausgetüftelte Nummern, in denen er köstliche Konstellationen heraufbeschwört: Kretschmann, Trittin und Cohn-Bendit trällern mehrstimmig in Grün. Rita Süßmuth, Hans-Dietrich Genscher und Hans-Jochen Vogel sind mit Mut zur Gedächtnislücke zu Gast bei einem Veteranentreffen der vergesslichen Art. Peter Hintze und Ronald Pofalla machen ein Wettrutschen auf der Schleimspur. Und unter dem Motto „Der Intellekt hat viele Gesichter" quasseln Michel Friedman und Rüdiger Safranski mit Mario Basler über den Fuß „als verlängerten Arm des Kopfes".Virtuos parodiert Reiner Kröhnert, sorgfältig arbeitet er die charakteristischen Eigenheiten in Tonlage, Stimme und Satzbau heraus. Sprachgenial und wortsensibel lauscht er den Bedeutungen nach. Gezielt setzt er Versprecher wie „Herzensanlügen". Und lustvoll zelebriert er seine genialen Stabreime wie den „Kaufkettenkapitalismus", bei dem es um die „Ausrottung der letzten freilebenden Einzelhändler" geht. Reiner Kröhnert ist blendend informiert. Hintergründig und pointiert setzt er die Herrschaften in Szene, genüsslich enthüllt er kleine Schrullen und Marotten, messerscharf und bitterböse analysiert er amoralisches und sittenloses Verhalten. Wo nur hat die CDU ihr C versteckt und wohin ist der SPD ihr S abhanden gekommen? In einem Land, „in dem überall der Bimbes fließt" und in dem er den Finanzminister sagen lässt: „Nach oben hin ist der Verschuldung keine Grenze gesetzt."

Entlarvende Stunden

Zwei Stunden lang kriecht Reiner Kröhnert in die Haut der Prominenz und entlarvt scharfzüngig Egoismus, Eitelkeit, Machthunger und Arroganz. Sehr genau beobachtet er das politische Geschehen in Deutschland und stellt fest: „Erst schließen wir die Augen und dann sehen wir weiter." Und abschließend empfiehlt er Politikern als Maxime für ihr Handeln: „Tu nichts, aber tu so, als hättest du alles getan." Dafür gibt’s Szenenapplaus vom begeisterten Zeltspektakel-Publikum.

Artikel vom 08.10.2011 © Eßlinger Zeitung

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GENERAL-ANZEIGER BONN

Mittwoch, 21. September 2011

Alles andere als kalter Kaffee

„Kröhnerts Krönung" im Pantheon

Von Ulrike Strauch

Mal ehrlich: Haben Sie sich nicht auch schon mal gefragt, ob Ihre gewählten Volksvertreter noch alle Tassen im Schrank haben? Der Kabarettist Reiner Kröhnert jedenfalls belässt es nicht bei leisen Zweifeln. Er schenkt großzügig ein.,, Kröhnerts Krönung" heißt sein neues Soloprogramm, mit dem er jetzt im Pantheon gastierte. Und das summa summarum alles andere als kalter Kaffee ist.

Wobei Kröhnert sich dabei einer ebenso einfachen wie wirkungsvollen Methode bedient: Warum den Zeigefinger erheben, um zu mahnen, wie es sein sollte? Er lässt seine Lieblingsopfer ganz einfach für sich selbst sprechen und erweist sich dabei als begnadeter Parodist. Angela Merkel zu imitieren, ist für einen wie ihn allenfalls eine Aufwärmübung. Hans- Jochen Vogel, Rita Süssmuth, Hans-Dietrich Genscher und Gerhard Schröder ihrerseits verdanken Kröhnert eine ausgesprochen kurzweilige Rückkehr auf die politische Bühne.

Zu wahrer Hochform aber läuft er mit Michel Friedmans Philosophenecke auf, wobei der Zuschauer sowohl den Moderator und seinen Stammgast Rüdiger Safranski als auch illustre Studiogäste wie Dieter Bohlen, Daniela Katzenberger, Boris Becker und Mario Basler geradezu vor sich sieht. Kurzum: „Kröhnerts Krönung" macht wach und hinterlässt, wie es sich für gutes Kabarett gehört, einen gewissen bitteren Nachgeschmack. Davon darf es bei nächster Gelegenheit gern mal wieder ein Tässchen sein.

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Wiesbadener-Kurier

THEATER 

Kröhnert krönt die politische Satire

12.09.2011 - MAINZ

Von Klaus Mümpfer

Reiner Kröhnert ist kein Sprachenimitator wie Matthias Richling. Kröhnert ist dezenter, hintergründiger und deshalb vielleicht sogar gemeiner in seinen satirischen Betrachtungen der deutschen Politik. Er zieht die Mundwinkel nach unten, blickt verschämt und zugleich listig aus den Augenwinkeln, beugt sich leicht nach vorn. Das Publikum im Unterhaus lacht, obwohl Bundeskanzlerin Angela Merkel von der kleinen Bühne herunter zum „depressiven Mimikkollektiv aufruft: „Down is beautiful".

Mit scharfer Analyse und beabsichtigten Versprechern

Die Besucher könnten am Tonfall, der Haltung, Artikulation, Mimik und Gestik unser aller Bundeskanzlerin auch dann assoziieren, wenn der Kabarettist auf die blonde Perücke verzichten würde. Die treffliche Pointierung gilt auch für all die anderen Figuren aus der Gegenwart und der Vergangenheit, die Kröhnert mit scharfer Analyse und mit beabsichtigten Versprechern erst aufs Korn und dann auseinander nimmt. Seine Demontagen von Merkel und Merz, Stoltenberg und Kretschmann, Schäuble und Schröder sind vollendet.

Die Michel Friedmann-Runden mit dem Pop-Titanen Dieter Bohlen oder der Fernseh-Nudel Daniela Katzenberger sind weniger dem politischen Kabarett als der Comedy zuzuordnen. Hintergründig-süffisant lässt Friedmann-Kröhnert dagegen den Philosphen Rüdiger Safranski zuvor mit dem Fußballer Mario Basler diskutieren.

In der politischen Satire ist Reiner Kröhnert ein ungekrönter Meister. Wenn er Finanzminister „Wolfgang Drachmen-Töter" Schäuble als Lösung der Euro-Krise vorschlagen lässt, eine Hypothek auf die Akropolis aufzunehmen und im Fall der Nichtablösung das griechische Symbolbauwerk auf den Stuttgarter Hauptbahnhof zu verpflanzen, dann wird der Kabarettist dem Titel seines neuen Programms „Kröhnerts Krönung" ebenso gerecht wie mit dem Friedrich Merz-Aufruf zur Gründung einer Bierdeckelrepublik Deutschland. Satire ist zeitlos.

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Donnerstag, 12. Januar 2012 19:37 Uhr
URL: http://www.allgemeine-zeitung.de/region/bad-kreuznach-bad-sobernheim-kirn/stadt-bad-kreuznach/11527138.htm

 

STADT BAD KREUZNACH 

Kabarettist Reiner Kröhnert in der Loge

02.01.2012 - BAD KREUZNACH

Von Christine Jäckel

Als Bühnenfigur kann eine multiple Persönlichkeit sehr hohen Unterhaltungswert haben, wenn sie ein Verwandlungskünstler wie Reiner Kröhnert verkörpert. Der hochgewachsene Kleinkünstler hat die Kunst der Parodie perfektioniert, zumeist benötigt er noch nicht einmal ein Accessoire, um die von ihm karikierten Politiker, Schauspieler oder andere bekannte Personen des öffentlichen Lebens durch Tonfall, dialektgefärbte Sprache und Gestik auf die Bretter zu zaubern. Von seiner Imitationskunst restlos beeindruckt zeigte sich das Publikum in der fast bis auf den letzten Platz besetzten Loge beim Kabarettabend der Stiftung Kleinkunstbühne. 

Wer Reiner Kröhnert von früheren Auftritten kennt, traf auch in seinem aktuellen Programm „Das Jesus-Comeback" auf wohlbekannte Darsteller. Das tat der Qualität der Darbietung allerdings keinen Abbruch, Kröhnert hat seine Texte überarbeitet, wobei man feststellen muss, allzu viel Arbeit ist dafür nicht erforderlich, denn, wie schon in der Bibel geschrieben steht: „...und geschiehet nichts Neues unter der Sonne..." 

Kurz vor Jahresschluss führte der Kabarettist seinem Publikum vor Augen, dass es 2012 wie gehabt weitergehen wird mit den Wendehälsen, den Bucklern und Blendern des politischen Alltagsgeschäfts. Ebenso wie mit der Fraktion der ewig Gestrigen, wie Kröhnert mit der Suada des Heiligen Vaters über das Zölibat darlegte. Daran wird auch die von Kröhnerts Bühnen-Alter Ego Werner Herzog angekündigte Wiederkehr des Messias in Gestalt von Schauspiellegende Klaus Kinski nichts ändern. 

Mogeln bedeutet noch nicht das Karriere-Aus

Kröhnerts kabarettistisches Personal, das im Jesus-Comeback von Altstars wie Norbert Blüm über Veteranen wie Wolfgang Schäuble bis zur Kanzlerin reicht, lehrt sowohl im Status quo als auch in den angerissenen Visionen das Gruseln. Das berühmte „Jetzt, wo Sie’s sagen!" fiel einem da im Verlauf des Abends mehrmals ein. Ja, tatsächlich im Laufe der Zeit haben sich Angela Merkel und Claudia Roth physiognomisch ziemlich angenähert und, dass - gelinde gesagt - Mogeln für einen Politiker noch längst nicht das Karriere-Aus bedeuten muss, erfuhr man ja unlängst wieder durch die Besetzung des EU-Beraterjobs für Internetfreiheit. So bleibt man nach Kröhnerts Messias-Comeback auf jeden Fall gut unterhalten, im besten Fall aber ratlos zurück: soll man sich nun auf den Erlöser freuen oder muss man die Ankunft einer wie auch immer gearteten Lichtgestalt eher fürchten? Genau diese Skepsis, so sie denn erreicht wird, ist Ergebnis erstklassigen Kabarett-Handwerks á la Reiner Kröhnert.

 

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Freitag, 01. April 2011 02:57 Uhr
URL: http://www.main-spitze.de/region/kultur/lokale-kultur/10394673.htm

LOKALE KULTUR 

Jesus Kinski pöbelt in der Talk-Show

01.04.2011 - RÜSSELSHEIM

Von Nadja Salameh

STADTTHEATER Kabarettist Reiner Kröhnert schickt Gottes Sohn in die politische Arena


Was treibt Deutschlands Kabarettisten an, die mit unheiligem Zorn den Politikern sehr genau auf ihre Reden schauen und sich aus selbigen den Stoff für ihre Programme ziehen? Es mag sicherlich der Wunsch nach Wahrheit sein und auch der Wunsch des persönlichen Auflehnens, der Wunsch, etwas zu tun. Der Kabarettist Reiner Kröhnert zeigte auf der Rüsselsheimer Studiobühne mit seinem Abend „Das Jesus Comeback" ein kleines, strahlungsreiches Bombenprogramm, das noch lange nachwirken wird.

Kröhnert lässt Klaus Kinski als Jesus Kinski wieder auferstehen. Der neue Erlöser - mühsam von Maria und dem heiligen Geist losgeeist für diese Mission - wird auch sofort in die Talk-Show eingeladen und soll zum Ehrenvorsitzenden der CDU ernannt werden. Kein Geringerer als Michel Friedman ist der Gastgeber.

Was sich jetzt entwickelt, ist eine kunstreiche Verschmelzung zwischen Parodie und Politsatire der feinen Art. Es gelingt Kröhnert, seinen parodierten Figuren von Angela Merkel über Norbert Blüm, Papst Benedikt und Friedrich Merz genau auf die Finger zu schauen und das Wesen der Figuren so genial zu treffen, dass eben auch die typische Fingerhaltung ihren Besitzer charakterisiert. Da wird die Merkel-Perücke völlig überflüssig. So klagt die Bundeskanzlerin über ihre politischen Zwangsehen, Friedrich Merz möchte sein Kapitalismus-Buch als heilsbringend in den Markt katapultieren, Papst Benedikt kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass Pius-Bruder Richard Williamson zu etwas Bösem fähig wäre, wo er doch einer Schmeißfliege liebevoll das Leben rettete. Ein erstes Wunder wird an Schäuble getan, dessen Beinkribbeln als Vorstufen des sich anbahnenden Laufens bis zur Groteske beschrieben wird.

Man muss bei Reiner Kröhnert schon ganz genau hinhören, um die vielen Bemerkungen zwischen den Zeilen und unterschwelligen Hinweise alle mitzukriegen. Sein Humor kommt quasi durch die Hintertür und ist nicht zum Knaller-Lachen geeignet. Kröhnerts Publikum lacht eher sanft in sich hinein.

Jesus Kinski pöbelt in bekannter Kinski-Manier dazwischen und entlarvt die Politrunde als Plapper-Club mit der Lizenz zum Labern, wie es eben in so vielen Talk-Shows oft zu hören ist.

Zum Schluss erinnert Kröhnert an den mündigen Bürger, der ein waches Auge für die Wahrheit haben sollte, auch wenn es unbequem ist. Insgesamt ist Kröhnerts Programm ein sehr spezielles Programm, das sich lohnt, gesehen zu werden.

Reiner Kröhnert lässt in „Das Jesus Comeback" Klaus Kinski von den Toten auferstehen.                                                                                                                                                                                                       Foto: Vollformat / Dziemballa

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Süddeutsche Zeitung, Starnberg, 31.01.2011

SPD ohne S-Störung; Kinski als Jesus und Honecker lebt - der Kabarettist Reiner Kröhnert zeigt sein groteskes Programm im Kulturhaus Bosco


Von Benjamin Engel 

Gauting - Daniel Cohn-Bendit freut sich, dass man inzwischen mit den Grünen auch in den Krieg ziehen kann, ohne dass die Angstfrei-Töpfern-Fraktion gleich ihren Stuhlkreis aufbaut. Schließlich haben er und Joschka kräftig daran gearbeitet, dass die 'solide Mehrheitsbeschaffungspartei' die Barrikaden hinter sich gelassen hat und nun auf Bausparverträge setzt. Und was macht eigentlich Gerhard Schröder? Der 'krawallt' immer noch wie früher. Er hat die SPD von ihrer S-Störung geheilt, als Ronald Pofalla noch Kruzifixe im Klassenzimmer verteilte. Dazwischen agierte Moderator Michel Friedmann und provozierte seine Gäste zu unerwarteten Geständnissen. Cohn-Bendit beneidete ihn richtiggehend um die Erkenntnis, dass die Grünen Wendehälse ohne Rückgrat seien. 

Ein wahres Finale furioso bot hier der Kabarettist Reiner Kröhnert in seinem Programm 'Das Jesus-Comeback' im Kulturhaus Bosco. Dabei schlüpfte er in alle Rollen selbst. Manchmal brauchte man nur die Augen zu schließen, um zu glauben, der Parodierte stünde leibhaftig vor einem. Herausragend gelang dies bei Peter Hintze und Ronald Pofalla, die um die Gunst von Friedmann wetteiferten. Aber das war bei weitem noch nicht alles. Vollkommen grotesk und absurd geriet dieser Kabarettabend, in dem Kröhnert seine scheinbar grenzenlose Wandlungsfähigkeit bewies. Doch zurück zur eigentlichen Geschichte. 

Werner Herzog erinnerte sich gefühlvoll und äußerst farbig an die Beerdigung seines Freundes Klaus Kinski zurück, dessen Asche in der San Francisco Bay verstreut worden war. Den Fluten entstieg jedoch als Erlöser Jesus Kinski. Friedmann, obwohl er sich eigentlich selbst für den einzigen Messias hielt, überzeugte Hintze und Pofalla, alles vorzubereiten, damit Kinski Ehrenvorsitzender der CDU wird. Zwar war Angela Merkel anfangs noch skeptisch und fühlt sich geschädigt von ihren vielen Zwangsehen mit Männern wie Helmut Kohl, Franz Müntefering und Guido Westerwelle. Aber Kinski gelangen echte Wunder. Wolfgang Schäuble konnte wieder laufen und Erich Honecker stand sogar von den Toten wieder auf. Kinski wollte jedoch nicht den Messias in Diensten der CDU spielen. Er hielt der Politik gleichsam den Spiegel vor. Besonders zeigte sich dies an seinen Ausführungen zum Afghanistan-Einsatz. Hier wurde deutlich, wie viel Leid und Tod diese Friedensmission verursacht. 

Mit einfachsten Mitteln schlüpfte Kröhnert scheinbar mühelos in jedwede Figur. Für Angela Merkel genügte ihm schon eine Perücke. Eine weiße Kappe machte ihn zu Papst Benedikt. Bis in den Tonfall hinein gelang ihm die perfekte Verwandlung. Was will aber eigentlich Reiner Kröhnert mit diesem Programm? Auf den ersten Blick erscheint es vielleicht als zwar gekonnte, aber reine Aneinanderreihung skurriler Parodien - sehr unterhaltsam, aber auch nicht mehr. Norbert Blüm schwadroniert von der sicheren Rente und Honecker verhaspelt sich in sozialistischen Kampfparolen. Viele Anspielungen lassen den Zuhörer jedoch nachdenklich werden. Letztlich geht es um die Frage nach unserem eigenen Selbstverständnis. Welchen Stellenwert hat etwa das Christentum in unserer modernen Gesellschaft? Wie verhält sich die Politik in der Auseinandersetzung mit der Religion? Instrumentalisiert sie diese nur für ihre eigenen Zwecke? Das Jesus-Comeback ist also nicht nur tumbe Blödelei. 

Foto: Treybal 

Quelle: Süddeutsche Zeitung 
Nr.24, Montag, den 31. Januar 2011 , Seite 4 

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Starnberger Merkur, 31.01.2011

Wie mit einem chirurgischen Instrument; Reiner Kröhnert demontiert die Akteure des politischen Geschehens

VON KATJA SEBALD

Gauting – Mit Spannung erwartet wurde Reiner Kröhnerts zweites „Jesus-Comeback" am Freitag im Gautinger Bosco: Wird es eine Update- Version geben? Und vor allem: Wird Guttenberg darin vorkommen? Kröhnert, den die „Zeit" einst als den „Gustaf Gründgens unter den Parodisten" adelte, war zwar mit demselben Programm wie 2009 in Gauting, aber er war noch beißender und dabei noch subtiler als beim ersten Mal. Und um das vorweg zu nehmen: Einige Besucher verließen in der Pause sichtlich indigniert die Veranstaltung. 

„Ich will Ihnen eine Geschichte erzählen", beginnt Kröhnert. Aber halt, das ist gar nicht Kröhnert, das ist Werner Herzog. Klaus Kinski ist ihm unter der Golden Gate Bridge als Robbe erschienen, nachdem er „1991 seinen Odem ausgehaucht hatte". Als Messias soll er auf die Erde zurückkehren und dann von der CDU, auf der Suche nach einer „neuen religiösen Leitfigur", zum Ehrenvorsitzenden gemacht werden. Nacheinander lässt Kröhnert Michel Friedmann, Ronald Pofalla, Peter Hintze, Wolfgang Schäuble, Norbert Blüm, Friedrich Merz und den Papst über diesen neuen Weltenretter befinden, der unbedingt die „anti-kapitalistischen Ausfälle" und den „ideologischen Sozial-Schmonzes" des ersten korrigieren muss. 

Ein anderer Tonfall, eine vorgeschobene Unterlippe, eine Stirnfalte, mehr braucht Kröhnert für seine Rollen- Persiflagen nicht. Als Angela Merkel trägt er dann zwar eine Perücke, aber es sind ihre Körperhaltung, ihre Mimik, ihre Sprache, die er auf subtile wie frappierende Weise beherrscht. Und gerade indem er so leise in ihre Rolle schlüpft, indem er ihre eigenen Worte nachformuliert, ihre Gesten wiederholt, demontiert er die Akteure des politischen Geschehens präzise wie mit einem chirurgischen Instrument. Der Papst bekennt inzwischen: „Wir sind nicht viele, aber fast nur Pädophile." Merkel hingegen hat dazugelernt, seit sie die erste Zwangsehe mit dem „Presssack in der Strickjacke" eingegangen ist. Nach Müntefering, der ihr wie „Jim Knopf auf Valium" vorkam, dachte sie, es könne nicht mehr schlimmer kommen. Dann aber „diese vorlaute neoliberale Quappe". Guttenberg hingegen – ja, da war er – der ist ihr „ganz besonderer Liebling". Den kocht sie jetzt so richtig weich. Und wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, dann will sie ihn vernaschen, verrät sie mit laszivem Lächeln. Vorher aber erscheint erst einmal „Jesus Kinski" mit wirren Blick, salbungsvoll monologisierend und keineswegs bereit, die Welt den geistig Armen zu überlassen. 

Quelle: Starnberger Merkur, Lokales 6, Montag, 31. Januar 2011 | Nr. 24

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Nach(t)kritik von Sabine Zaplin, 28.01.2011
Reiner Kröhnert: Jesus ist wieder da - ein Pamphlet
Nicht immer, wenn man ein Kabarettprogramm zum zweiten Mal sieht, versteht man nachträglich noch die eigene Begeisterung. Bei Reiner Kröhnert ging es mir jedoch anders, obwohl ich beim Anblick der im Ort aushängenden Plakate nicht sofort eine Szene, eine Geschichte gar erinnern konnte. Der auf dem Plakat notierte Titel „Das Jesus-Comeback“ löste keine Bilder aus, lediglich das Gesicht weckte Assoziationen an eine Merkel-Parodie.
Dann begann die Vorstellung. Leise, fast ein bisschen linkisch schlich Kröhnert sich auf die Bühne und wurde zu Werner Herzog, der sich zart und feinfühlig an seinen gestorbenen Freund, den Schauspieler Klaus Kinski erinnerte und wie dessen Asche ins Wasser der San Francisco Bay gestreut wird. Richtig, fiel es mir ein, das war diese Geschichte: Jesus kommt zurück, in Gestalt von Klaus Kinski, er soll zum Ehrenvorsitzenden der CDU gemacht werden, Peter Hinze und Ronald Profalla bereiten schon mal alles vor, während die Kanzlerin noch protestantisch zweifelt, Michel Friedman einen süffig-süffisanten Talk dazu gestaltet und an Wolfgang Schäuble schon einmal vorab ein Wunder exerziert wird. Ich lehne mich zurück in der Gewissheit, auf´s Intelligenteste unterhalten zu werden, und genieße.
Und werde nicht enttäuscht. Das Programm hat an Gehalt nicht verloren, im Gegenteil. Reiner Kröhnerts Mono-Drama um die Politisierung und Banalisierung des Grundpfeilers im christlichen Abendland ist noch dichter, noch doppelbödiger, zwischenzeiliger geworden, als die zurückkehrende Erinnerung mich vergleichen ließ. Insbesondere im zweiten Teil wurde die Geschichte noch absurder, noch grotesker und umso dichter gewebt; der erste Teil dagegen hätte ein paar Straffungen vertragen können.
Im Stil des Nummernkabaretts schlüpft Reiner Kröhnert nahezu übergangslos in die Rollen von Friedmann, Profalla und Hinz, nur eine Perücke benötigt er zur Verwandlung in Angela Merkel (und später nicht einmal mehr diese), ein Senken des Kopfes und Vorschieben der Stirn lässt ihn zu Friedrich Merz werden, und mit dem Heben und Kippen der Stimme ist er Papst Benedikt. Und doch ist dies mehr als ein Aneinanderreihen von Parodien. Der messerscharf komponierte Text führt die auftretenden Figuren eng zusammen, und auch, wenn das Sprechtempo zuhörerfreundlich ist, muss man genau hinhören, um all die Doppeldeutigkeiten, das „Beiseit-Gesprochene“ nicht zu verpassen. Mal verstohlene, mal verstehende Lacher im Publikum zeugen davon.
Tagespolitische Aktualität ist in einem dramagleichen Text wie diesem kaum einzubeziehen, allzu literarisch genau sind die Mono-Dialoge. Umso mehr erschrecke ich über die Aktualität des – dann von mir doch erinnerten – Monologs am Ende, in dem Kinski alias Jesus die Grausamkeiten des Afghanistan-Einsatzes benennt. Das wird, im Rückblick betrachtet, nun tatsächlich nahezu prophetisch. Reiner Kröhnerts „Jesus-Comeback“ tut gut, in jeder Hinsicht.
SABINE ZAPLIN

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Badische Neueste Nachrichten 17.12.2010

Furioser Rundumschlag

Reiner Kröhnert bringt Spott unters staunende Volk

Karlsruhe

Einen Leckerbissen parodistischer Satire konnte das Publikum im Kabarett in der Orgelfabrik erleben. Mit seinem Programm „Das Jesus Comeback oder Sind wir noch Papst?" gastierte dort Reiner Kröhnert. Ein Hardcore-Parodist. der dort anfängt, wo Richling schon lange nicht mehr hinkommt. In einem furiosen Rundumschlag bringt Kröhnert seinen Spott unter das staunende Volk. Und wie der Zustand der Welt heutzutage nun mal ist, muss schon ein Mann vom Kaliber Jesus ran, und zwar jene Sorte Jesus. die schon in der legendären Lesung „Jesus Christus Erlöser" 1971 von Klaus Kinski in der Berliner Deutschlandhalle gegeben wurde; einen zornigen Jesus, der auch gewalttätig sein kann. Wem sollte man auch schon Glauben schenken, wenn nicht dem Gekreuzigten? Vielleicht Benedict XV1.? Dem Holocaust-Versteher", der die Hand über Bischof Wiliamson und über sich an Kindern vergehenden Priestern hält? Denn: „Es sind nicht viele, aber Pädophile". so Kröhnert.

Er fängt dort an, wo Richling

schon lange nicht mehr hinkommt

Mit sparsamen Gesten deutet der Parodist seine Figuren an und sofort wird einem vor Augen geführt. an was die meisten Politiker oder Prominenten-Parodien, die man auf deutschen Bühnen so zu sehen bekommt, kranken: an zu viel Aufwand bei der äußerlichen Imitation einer Figur und zu wenig Aufwand beim Inhalt.

Kröhnerts Figuren, die gesamte Berliner Politik, nun ja, Prominenz, werden von Kröhnert mehr als nur durch den Kakao gezogen, sie werden einer Kritik unterworfen, die den Namen auch verdient. Und Jesus Kinski wird Ehrenvorsitzender der Unions-Christen, nachdem er ihnen das „C" abgesprochen hat. Kröhnert ist nicht auf der Jagd nach Pointen und lässt dabei natürlich trotzdem keine aus. Was ihn antreibt, ist die Wut über die Zustände und Politiker, die machtgierige Lügner sind und sich meistbietend prostituieren. Und wenn die CDU nun mal kein „C" mehr hat, dann schreibt Friedrich Merz nach „Mehr Kapitalismus wagen" halt eine „Neue Geschichte der Christenheit".

Kröhnert ist grandios und Kröhnert hat ein Anliegen: „Dient der Freiheit, dem Gewissen, dem Ungehorsam, nicht den Lügnern." Und Lachen kann man dann auch noch. Besser so gar, man kann sie auslachen, all die Gestalten des Betriebes. Und das ist ungemein gesundheitsfördernd.

Wenn der Mann also wieder mal nach Karlsruhe kommen sollte, sollte man hingehen. Es lohnt sich.   Jens Wehn

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Dresdner Neueste Nachrichten vom 20. 10. 2010, S. 11

Von Blüm bis Kinski

Reiner Kröhnert parodierte in der Herkuleskeule

Peter Hintze und Ronald Pofalla buhlen als eifrige Konkurrenten um die Gunst der Kanzlerin. Und das Schmalz trieft aus beider Munde. Die Chance auf öffentliche mediale Beachtung ist aber auch zu günstig, denn beide sind sie zum Talk in die TV-Show von Michel Friedman eingeladen und sollen sich dort zum derzeitigen Stand der Volkspartei CDU äußern. Friedman ist rehabilitiert und man hofiert ihn daher mit seinen einstigen Funktionen, nennt ihn unterwürfig „Herr Exzentralratsvorsitzender".

Friedman sonnt sich natürlich in seiner Rehabilitierung und lässt außer den beiden CDU-Granden andere Politpromis zu Wort kommen. Zum Beispiel Norbert Blüm, der zum zigsten Mal seinen Jahrhundertsatz in die Kamera spricht. Oder Friedrich Merz, der permanent aus seinem Buch zitiert. Wolfgang Schäuble taucht auf, verkündet hoffnungsvoll, dass es in seinen Zehen bereits sachte wieder zu kribbeln beginnt. Ab und zu schaut auch mal die Kanzlerin mit ihren nach unten gestrafften Mundwinkeln zu einem kurzen Statement herein und selbst Benedikt, der Ratzinger, war flugs ins Studio geeilt.

Mit dabei in der Runde ist auch Filmregisseur Werner Herzog. Aus gutem Grund, hat sich doch die CDU ent-schlossen, Herzogs Intimfeind Klaus Kinski wieder auferstehen zu lassen. Man hat sich auf der CDU-Chefetage nämlich an dessen spektakulären Jesus-Monolog von 1971 erinnert, als er sich zum Erlöser kürte und mit seinen Thesen quer durch Deutschland tourte. 1991 war er selbst von der Lebensbühne abgetreten, doch nun wird Kinski ins Leben zurückbeordert und soll die tüchtig verfahrene christlich-soziale Kiste aus dem Dreck ziehen. Dafür wartet das Amt des CDU-Ehrenvorsitzenden als Lohn. Dieses Angebot scheint zu fruchten, denn nun erscheint er tatsächlich, der Kinski, pardon: Jesus, pardon: selbstverständlich Reiner Kröhnert, der Kabarettist, der die gesamte Personage verkörpert.

Kröhnert bewies in der Herkuleskeule, einer der besten und wandlungsfähigsten Parodisten zu sein, den die deutsche Kleinkunstszene derzeit aufbieten kann. Er spielte all jene Politgrößen und noch einige mehr. Und er wechselte scheinbar völlig mühelos von einem Dialekt in den nächsten und verblüffte vor allem durch sein großartiges Mienenspiel. Die wenigen Requisiten sind eigentlich unerheblich.

Das „Jesus Comeback" ist das achte Soloprogramm des 1958 geborenen Kröhnert. Und es ist wohl auch das bisher reifste, denn es widmet sich mit unglaublicher Präzision den allzu vielen Unzulänglichkeiten der gegenwärtigen deutschen Politik. W. Zimmermann

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ABENDZEITUNG München, 18. Mai 2010

Reiner Kröhnert und das "Jesus-Comeback"

Foto: dpa Reiner Kröhnert

Reiner Kröhnert feiert das „Jesus-Comeback" in der Münchner Lach- und Schieß

Auferstehung allerorten: Klaus Kinski, 1991 verstorben und 1971 bei seinem legendären Monolog „Jesus Christus Erlöser" vom Publikum ans „Kreuz der spießbürgerlichen Ignoranz" geschlagen, kehrt zurück in Gestalt des Messias.

Kaum gibt die CDU bekannt, Jesus Kinski zum Ehrenmitglied zu ernennen, kann Wolfgang Schäuble wieder gehen und Erich Honecker berichtet, frisch auferstanden aus Ruinen, vom Alptraum, die Mauer sei gefallen und ein kleines FDJ-Mädel Bundeskanzlerin beim Klassenfeind.

Mit dem „Jesus-Comeback" hat sich Reiner Kröhnert vom fröhlichen Stimmenimitieren endgültig verabschiedet: Die Parodien des 52-jährigen Rheinland-Pfälzers sind eine Kunstform für sich, bei der es nicht um den perfekten Stimmsitz geht, sondern um das Erkennen persönliche Haltungen aus Sprechhaltungen. Gleichzeitig wird Kinski zunehmend zum Alter ego Kröhnerts, dessen aufrechter Zorn altes Material wie Nobbie Blüms von der Geschichte widerlegter Jahrhundert-Satz „Die Renden sin sischä!" wie den um Verständnis für Holocaust-Leugner („in Wahrheit Holocaust-Versteher") und Pädophile („Der Satan lauert in so harmlosen Worten wie Blasius oder Domspatzen") werbenden Papst umfasst.

Das ist weniger lustig als es klingt - Kröhnert geht, nicht ohne Bitternis, auf die Suche der Trümmer von Moral und Ethik in Politik und Religion, und wenn es nur das C der CDU und das S der SPD sind. Sowohl während der München-Premiere in der Lach- und Schießgesellschaft als auch bei Gastspielen an anderen Orten verließen Zuschauer „Das Jesus-Comeback" still irritiert. Mehr kann ein Kabarettist kaum erwarten, wenn er nicht gerade Klaus Kinski ist.

Mathias Hejny

Münchner Lach- und Schießgesellschaft, morgen und 25. bis 29. Mai, 20 Uhr, Tel. 391997

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Die Rheinpfalz    26.04.2010

Die Kreuzigung als Missverständnis

Herrlich sarkastisch: Reiner Kröhnert mit seinem neuen Programm „DAS JESUS COMEBACK" bei der „Reblaus" in Neustadt – Irrwitzige Reise durch die absurde Realität

VON CLAUS JÜRGEN HOLLER

NEUSTADT. Kabarett beim Kleinkunstverein „Reblaus" ist seit vie len Jahren ein Synonym für beste Unterhaltung auf hohem Niveau. Das war auch am Freitagabend nicht anders, als Reiner Kröhnert sein aktuelles Programm „Das Jesus Comeback" auf der Bühne im Theater „Katakombe" in der Sauterstraße präsentierte — wie so oft vor ausverkauftem Haus.

Kröhnert — letztmals im April 2009 zu Gast in Neustadt — lässt auch in seinem aktuellen Programm die Großen und Mächtigen der Welt auf der Bühne auflaufen, startet sein ‚Jesus Comeback" wieder einmal mit Klaus Kinski und Werner Herzog und beginnt damit eine irrwitzig-rasante Reise durch die Absurditäten der deutschen Realität. Blitzgescheit und wahrhaft beeindruckend wandlungsfähig schlüpft Kröhnert in die Charaktere von Kinski, Michel Friedman, Papst Ratzinger oder Roland Pofalla, sodass es dem Zuschauer bisweilen schon ein gewisses Maß an Konzentration abverlangt, dem Geschehen auf der Bühne zu folgen. Das allerdings lohnt sich, denn hinter der scheinbar harmlosen Fassade des so arglos dreinblickenden Kabarettisten verbirgt sich ein herrlich zynischer und oft erfrischend politisch inkorrekter Analytiker, dessen brillante Sprache den Zuschauer schnell in seinen Bann zieht und das immerhin fast zweistündige Programm förmlich im Fluge vorbeigehen lässt. Schade eigentlich: Hätte man ihm doch gerne noch länger zugehört, wenn er die Themen so abrupt wechselt, wie ein Feldhase auf der Flucht Haken schlägt.

Von Kinski, dessen Asche seine Tochter über der Bucht von San Francisco verstreut hat, geht es zu Peter Hintze, den die CDU als Ersatz für den Heiland bereithält, zu Angela Merkel, der Kohl seinerzeit die „träufelnden Bratwurstpranken" auf die Schulter gelegt und ihr damit die politische Zukunft geebnet hat — all sei ne Charaktere zieht Kröhnert dabei ebenso mühelos wie überzeugend aus seinem schier unendlich scheinenden Köcher.

Da geht es mal darum, dass Westerwelle eigentlich viel bessere Sym- pathiewerte haben müsste — „Esel sind ja intelligente und genügsame Tiere‘ —‚ mal um Blüms legendäres Versprechen der sicheren Renten, oder eben um den Papst, der Bischof Williamson eben darum nicht an den Karren fahren will, weil es ja die Irrtümer sind, die den Menschen lie- benswert machen. „Er sieht in den Menschen eben immer nur die un- schuldigen Kinder, die sie mal waren. Es sind nicht viele, aber Pädophile", sagt Kröhnert über den „Holocaust-Versteher" .„Den Opfern gebührt unser Mitgefühl, aber wer hat sich eigentlich für die Ermordung des Gottessohns entschuldigt", umreißt er die Argumentationslinie der katholischen Kirche.

So verfahren sei die Situation auf der Welt, dass Jesus nun eben noch mal ranmüsse, meint Kröhnert und präsentiert im gleichen Atemzug auch gleich eine zeitgemäße Interpretation des Eingreifens: Geben sei eben gerade nicht seliger den nehmen, und Jesus sei eigentlich der Messias der Heiterkeit: Judas sei sein einziger Verbündeter im Geiste gewesen und habe ihn daher zum Schein verraten — „Was haben wir gelacht .. — und so sei die Kreuzigung eben lediglich ein historisch-theologischer Irrtum gewesen.

Zwischendurch lässt Kröhnert auch Erich Honecker wieder auferstehen und ihn herrlich authentisch erzählen von seinem Traum, dass plötzlich der antifaschistische Schutzwall verschwunden wäre: Auf den Straßen tummelten sich die Automobile des Klassenfeinds, „ein Golfstrom aus Blech", und die gesamtdeutsche Kanzlerin war früher eine FDJ-Aktivistin.

Bei aller Bösartigkeit und allem Sarkasmus überwiegt auch im ‚Jesus Comeback‘ der schelmische Blick Kröhnerts auf die Absurditäten und Widersprüche in der Welt; genau dieser sympathische Zug ist es, der den Abend bei der „Reblaus" wieder einmal zu einem mehr als nur gelungenen Ereignis machte — Chapeau.

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26.03.2010 | 18:41 Uhr | kn | Thomas Bunjes

Gastspiel mit „Das Jesus Comeback" im KulturForum Kiel

 

Wider die Pharisäer: Kabarettist Reiner Kröhnert

Kiel - Empört sollen vier Zuschauer im November beim Tourstart in Gauting bei München den Saal verlassen haben. Vier waren es auch im Kieler KulturForum. Zwei Paare. Nach und nach gingen sie, nicht aufgebracht, sondern still und leise, möglicherweise innerlich empört. Von Reiner Kröhnerts Programm „Das Jesus Comeback", einem glänzenden Stück geist- und humorvollen, vor allem bitterbösen Polit-Kabaretts.

Es ist definitiv etwas weniger harmloseres als Kakao, durch das Kröhnert parodistisch prominente Christdemokraten zieht und sie in grotesker Eitelkeit, Kriecherei und Ignoranz darstellt. Angela Merkel wähnt sich in der falschen Partei: „Wie konnte das nur passieren? Ich pass da rein wie der Papst in die Peepshow." Die ehemaligen Generalsekretäre Peter Hintze und Ronald Pofalla buckeln um die Wette, Friedrich Merz erhebt sein Kapitalismus-Buch zur Quasi-Bibel, Norbert Blüm weidet sich noch immer an seinem („Da ringt der Verstand mit der Verdauung.") „Jahrhundertsatz": „Die Rente ist sicher." Und Wolfgang Schäuble schildert detailliert, wie's in seinen Zehen wieder zu kribbeln beginnt.


Schuld ist die Auferstehung von Klaus Kinski als „Jesus Kinski", designierter neuer Ehrenvorsitzender der CDU, den Kröhnert samt aller anderen Figuren subtil, aber ungemein treffend imitiert. Sparsame Gesten, kleine mimische Verschiebungen reichen. Auch bei Papst Benedikt XVI., den Kröhnert massiv aufs Korn nimmt. Ob Nachsicht mit Pius-Bruder Richard Williamson („Ich leugne nicht, ich verstehe. Ich bin sozusagen ein Holocaust-Versteher") oder pädophilen Neigungen („Satan, der große Verführer, lauert in so harmlosen Worten wie Blasius oder Domspatzen").

Kinski, den Kröhnert erstmals nach der Pause hinterm blauen Samtvorhang hervortreten lässt, ist zu einem gewissen Teil Sprachrohr des Kabarettisten. Wie weiland 1971, als Kinski in der Berliner Deutschlandhalle bei der Aufführung von Jesus Christus Erlöser durch Zwischenrufe unterbrochen worden war, sind es jetzt die CDU-Granden, die ihm ständig in die Parade fahren und geifern lassen: „Ihr seid ja noch erbärmlicher als der Mob vor 2000 Jahren. Der hat Jesus wenigstens ausreden lassen, bevor er ihn ans Kreuz genagelt hat!" Enttäuschung macht sich breit unter den Christdemokraten über so viel Respektlosigkeit; ein neues, größeres Wunder muss her, aus den Boxen schallt Auferstanden aus Ruinen und es erscheint Erich Honecker, eine von Kröhnerts Parade-Parodien, den albträumte, die Mauer sei weg.

Doch Kinski ist noch nicht fertig, jetzt liest er allen die Leviten. Früchte vom Baum der Erkenntnis, die nur schwer zu schlucken sind. Afghanistan. „Ihr führt keinen Krieg, ihr führt Frieden." Auch hier spießt Kröhnert schonungslos das Pharisäertum auf. Still ist es jetzt in den Reihen, kein Lacher mehr, schließlich ein Applaus, der betroffenen und bestätigend zugleich klingt.

Doch noch ist nicht Schluss. In einer Art Nachschlag verschont Kröhnert auch die politische Gegenseite nicht. Gerhard Schröder freut sich, dass die SPD unter ihm ihre „S-Störung" losgeworden sei, und Daniel Cohn-Bendit begrüßt den „bellizistischen Umbau" der Grünen nach den Gründerjahren und den Wandel zur „grundsoliden Mehrheitsbeschaffer-Partei". „Amen" ist Kröhnerts letztes Wort, übersetzt heißt es bekanntlich: So ist es.


URL: http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/kultur/?em_cnt=144189&em_loc=12

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Berliner Morgenpost

Kreuzberg

Reiner Kröhnert seziert die deutsche Politik

Donnerstag, 4. März 2010

Was wäre, wenn der Heiland heute nach Deutschland käme? Im "Jesus-Comeback" von Reiner Kröhnert nimmt der Sohn Gottes die Gestalt von Klaus Kinski an und wettert gegen Politik und Kirche. Da wird mehr als ein Tempel ausgetrieben. Doch das kümmert Politik und Kirche wenig. Da wird Jesus, der den Unionisten ihr "C" abspricht, kurzerhand zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Friedrich Merz schwenkt von "Mehr Kapitalismus wagen" auf die "Neue Geschichte der Christenheit" um und versucht, Jesus als Promoter für sein neues Buch zu gewinnen. Bissig.

Mehringhof-Theater, Gneisenaustr. 2a, 20 Uhr, Tel 691 50 99. Bis 13. März

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Politik-Kabarettist sagt allen die Meinung :

Bei Kröhnert merkelt's

Halver, 28.02.2010, Kai Pottgießer

Halver. Er hat ja so recht, der Kabarettist Reiner Kröhnert. Nicht ohne Grund lässt er in seinem neuen Programm Jesus auferstehen, allerdings in Person von Klaus Kinski.

Und der sagt - wie es seine rechte Art ist - allen gehörig und aggressiv die Meinung. Anders geht es wohl nicht. Ein duldsamer und sanftmütiger Heiland würde mit seinen Predigten in Deutschland sicher nichts mehr aus richten können. Deshalb muss ein Leviten-Leser her.

Kröhnerts Fernsehbekanntheit beschränkt sich hauptsächlich auf Parodien: Merkel, Pofalla, Blüm, Ratzinger, Friedman – sie alle hat er vorzüglich drauf, davon konnten sich Freitagabend die Besucher in der gut gefüllten AFG-Aula überzeugen. Doch Nachahmer von zeitgeschichtlich Wichtigen gibt es viele. Was Kröhnert wohltuend absetzt von der Masse: Bei ihm sind die Stimmen der Figuren nur Mittel zum Zweck. Er ist nicht auf Pointenjagd nach schnellen Lachern, nimmt diese aber selbstverständlich gerne mit, wenn er als Merkel mit Perücke und den berühmt-berüchtigten hängenden Mundwinkeln die Bühne betritt. Doch eigentlich erzählt Kröhnert eine Geschichte, in der Merkel eine Darstellerin unter vielen anderen ist.

Jesus ist also wieder da. Und die CDU hat nichts Besseres zu tun, als ihn prompt zum Ehrenvorsitzenden zu ernennen. Denn: „Dann machen die Wähler ein Kreuz für den Gekreuzigten", wie Kröhnert Ronald Pofalla sagen lässt. Ein grandioser Coup? Mitnichten. Denn der Erlöser alias Kinski denkt gar nicht daran, sich vor den Pseudo-Christlichen Karren spannen zu lassen.

Und während Merkel („Ich bin eine protestantische Physikerin") gegen den Papst wettert und dieser immer wieder den Holocaust-Leugner Williamson und dadurch auch sich selbst unsäglich in Schutz nimmt („Er ist ein so großer Menschenfreund, er kann sich solche Gräuel durch Menschenhand einfach nicht vorstellen"), während Friedrich Merz eigentlich nur sein Buch promoten will („Nach ,Mehr Kapitalismus wagen' muss die Geschichte der Christenheit neu geschrieben werden'") und ein großes Wunder vom angeblichen Heiland fordert, ist plötzlich Honecker auferstanden. Und in dieser Figur darf Kröhnert die dann auch einzige sprachparodistische Pointe einbauen, die allein dadurch wirkt, dass sie viel besser ist, als beim Original: „Genossinnennnnnnnnndgenossen". Drumherum macht der Kabarettist seinen Kabarettisten-Job und entlarvt die Politiker als Egozentriker, machtgierige Lügner und Menschen, die sich von allen entfernt haben, die sie vertreten sollen.

Und dann kommt sie, die Predigt. Jesus Kinski lässt sich nicht bremsen, spricht von der weltanschaulichen Altlastenentsorgung der CDU, die ihr „C" schon lange auf dem Altar der Macht geopfert hat, die das Geschehen in Afghanistan als „friedensstiftende Maßnahme" (O-Ton Franz-Josef Jung), als „kriegsähnlichen Zustand" (Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg) oder als „bewaffneten Konflikt" (Merkel) beschreibt und dabei das einzig treffende Wort außen vor lasse und verschweige: Krieg.

Deshalb sein klares Credo an alle, wobei dieser Heiland zu einem Kinski-Kröhnert mutiert, der sich plötzlich und fast unbemerkt direkt an sein reales Publikum in der AFG-Aula wendet: „Dient der Freiheit, dem Gewissen, dem Ungehorsam, nicht den Lügnern."

Und wer am Schluss geglaubt hat, Kröhnert habe sich in diesem Programm ausschließlich die CDU als Ziel des scharfen Dauerfeuers ausgesucht, der irrt bis zur kurzen, aber notwendigen Zugabe: Nicht zuletzt der Ausgeglichenheit wegen müssen dann noch Gerhard Schröder und Daniel Cohn-Bendit den Kopf hinhalten und werden vorgeführt. Fazit: Sie sind alle gleich. Wie traurig.

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Rhein-Neckar Zeitung – 19.Februar 2010

Wenn es in Schäubles kleinem Zeh zu kribbeln beginnt

Dann dauert es nicht mehr lange zum „Jesus-Comeback — Kabarettist Reiner Kröhnert beim „Politischen Aschermittwoch « der Grünen

Schriesheim. (sk) Prophet Werner Herzog verkündet die frohe Botschaft: Der Herr ist auferstanden. Der Messias, der für seine Wiederkunft die Gestalt Klaus Kinskis und als Outfit ein buntes Blumenkinderhemd zum gescheitelten Blondhaare wählt hat, ist wie geschaffen, um in der CDU eine moralische Marktlücke zu schließen, die weder Norbert Blüm mit seinem Renten-Spruch noch Friedrich Merz mit seinem Werk „Mehr Kapitalismus wagen" füllen.

Eingebettet in eine absurd komische Rahmenhandlung führt Kabarettist Reiner Kröhnert sein Publikum beim „Politischen Aschermittwoch" der Grünen sachte an eine Begegnung mit dem Heiland in „Das Jesus-Comeback" heran. So macht der gebürtige Schriesheimer sein Publikum im ausverkauften Zehntkeller neugierig auf den Heiland und lässt im ersten Teil des Abends die Berliner Politprominenz zu dem großen Ereignis Stellung nehmen — eine Steilvorlage für den Parodisten Kröhnert.

Zu den lieb gewonnenen Mitgliedern seiner Polit-Staffage zählen nicht nur Blüm, Hintze, Pofalla, Friedman oder Schröder, sondern auch Angela Merkel, m die Kröhnert nicht einmal die berühm straßenköterblonde Perücke gebraucht hätte, reichen doch ihre stets in Habachtstellung Richtung Bühnenbretter ausgerichteten Mundwinkel, Klassiker sind mittlerweile die Auftritte Erich Honeckers, der auch diesmal wieder in verwaschenem Tonfall den glorreichen Sieg des Marxismus-Leninismus propagiert.

Neu im Team ist der Papst, angetan mit einem weißen Strickmützchen und einer ebensolchen Weste. Als der Heilige Vater von Kröhnert durch den Kakao gezogen wird, bleiben allerdings einige brau ne Flecken an Letzterer hängen, was sicher mit dem Holocaust-Leugner Williamson zu tun hat, den der Papst mit treuherzigem Augenaufschlag verteidigt.

Ein Wunder, das sich an Wolfgang Schäuble vollzieht, kündigt die Ankunft des Herrn an. Seine Heilung teilt Schäuble haarklein und in der bekannt barocken, detailverliebten Sprache Kröhnerts mit, Sie beginnt mit einem Kribbeln im kleinen Zeh, setzt sich über Ring-, Stinke- und Zeigezeh bis zum Großen Onkel fort, stoppt kurz bei den „Arschbäckle" und lässt ihn letztlich aus dem Rollstuhl aufstehen.

 Reiner Kröhnert in Schriesheim. Foto: Kreutzer

Mit dem Auftritt des Messias ändert sich dann abrupt der Ton des Programms, wird deutlich, dass die Zuschauer mit „Das Jesus Comeback" Kröhnerts vielleicht persönlichstes Programm erleben. Er lässt seinen Jesus Kinski nämlich Dinge sagen, die man selbst vielleicht schon mal gedacht hat, nur eben nicht so schön. So prangert er den Papst an als einen „Stellvertreter-Popanz, der heilige Geistlosigkeit predigt, während er den Liebenden auf dieser Welt Kondome verbietet".

Jesus sagt noch mehr unbequeme Dinge. Etwa, wenn er die „Propagandisten der Falschheit" benennt, die den Krieg in Afghanistan nicht als solchen bezeichnen, sondern mal als bewaffneten Konflikt, mal als „Einsatz für den Frieden". Würde man in Berlin das Wort Krieg in den Mund nehmen, dann müsste Angela Merkel den Oberbefehl über die Truppe führen und damit auch den Kopf hinhalten, wenn weitere Menschen zu Tode kämen.

„Ihr wisst, was ihr tut, aber ihr wisst nicht, was ihr auslöst", sagt Kinski zu seinem Publikum, wenn er den Gedanken weiterspinnt, dass die Berliner Politiker das umsetzen, was die „Counterstrike"-Spieler an ihren Computern nur simulieren: In der brutalen Lösung von Problemen und der Gefühlskälte gegenüber den Opfern sind die einen die wahren Vorbilder der anderen.

Darf man das sagen? Darf man es so sagen? Das scheint sich da der eine oder andere Zuhörer zu fragen. Eines steht je doch fest, wie Jesus verkündet: „Es gibt keinen Halt, es gibt keine sichere Rente." Auf dem Umweg über den Humor er reicht an diesem Abend das an seichte Comedy gewöhnte Publikum etwas, das ein wenig aus der Mode gekommen zu sein scheint: Gutes Kabarett, das auch vor persönlichen Einsichten nicht zurück- schreckt.

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FAZ v. 03.02.2010

Reiner Kröhnert in Frankfurt

Jesus Kinski Erlöser

Von Christoph Schütte

Parodiert unter anderem die Kanzlerin: Reiner Kröhnert

03. Februar 2010 Eigentlich können sie einem leid tun. All die Kabarettisten, denen seit Jahren und Jahrzehnten, seit Brandt und Strauß und Wehner die Großen dieser kleinen deutschen Welt zu karikieren satirischer Bühnenalltag geworden ist. Die mit Kohl und Schröder oder Genscher aufgewachsen und bekannt geworden sind und jetzt immerzu den Brandt, den Kohl, den Schröder machen sollen. Denn was nun? Brandt tot, Honecker tot, Schröder weg und Kohl Geschichte, Boris Becker auch nicht mehr besonders interessant – und all die anderen mehr oder minder prominenten Figuren aus Politik und Zeitgeschichte, die zu parodieren sich noch lohnen könnte, kaspert Mathias Richling mit schöner Regelmäßigkeit im Fernsehen weg. Reiner Kröhnert, immerhin, hat es da ein bisschen besser.

Zwar leben auch seine bisherigen Programme und namentlich das „Jesus Comeback", mit dem er jetzt im Frankfurter Kabarett „Die Käs" zu Gast war, wesentlich von seinem parodistischen Talent, mit dem er Peter Hintze, Norbert Blüm und Wolfgang Schäuble, Papst Benedikt und nicht zuletzt die Bundeskanzlerin zu sich auf die Bühne holt. Doch Kröhnert kann und will dann doch schon etwas mehr, als seinem Publikum „Die Königin der Macht" zu persiflieren, wie der Titel seines letzten – auf Angela Merkel gemünzten – Programms lautete. Zwar ist der rote Faden, der den Abend fast wie ein Theaterstück zusammenhält, einigermaßen abenteuerlich geknüpft.

Probe auf das „C" der CDU

Dass es freilich Klaus Kinski ist, der als „Jesus Kinski Erlöser" vom Himmel herabsteigt, um zur „Umkehr in Reue" aufzurufen und, wo er schon mal da ist, auch gleich die Probe auf das „C" der CDU zu machen, ist andererseits schon wieder folgerichtig. Und wie sich schließlich all die Politdarsteller in wechselnden Konstellationen mühen, den großen Diaboliker für ihre Zwecke zu instrumentalisieren – ihr aktuelles Buch zu verkaufen etwa wie Friedrich Merz oder, besser noch, den Heiland gleich zum Ehrenvorsitzenden der CDU zu machen –, ist denn auch immer wieder ziemlich komisch, gelegentlich sarkastisch bitter auch, stets aber entlarvend bis zur Kenntlichkeit.

Dabei ist Kröhnert stimmlich ein eher mittelmäßiger Imitator. Doch Sprache und Artikulation, Haltung, Mimik, Gestik, das ist ganz großartig beobachtet bis ins Detail. Man kann sie sehen, die Schäubles, Merkels, Benedikts, Pofalla sowieso und Pfarrer Hintze. Und wenn Kinski, fast ängstlich, lauernd und lodernd zugleich, aus der Kulisse tritt, dann ist das schlicht genial. Dass sich das Programm ganz nebenbei auch noch als glänzende Satire auf den Talkshow-Quasselbuden-Parlamentarismus der Berliner Republik entpuppt, ist zudem eine hübsche, wenn auch nicht eben neue Pointe.

Kunst des Parodierens

Indes, die Frage aller Fragen kann auch Kröhnert am Ende nicht schlüssig beantworten: die nach der Relevanz nämlich eines solchen, wesentlich von der Kunst des Parodierens getragenen Kabaretts. Denn wenn beinahe täglich Merkel-, Papst- und Beckenbauer-Darsteller in irgendeine Bütt des Radios oder Fernsehens steigen und wenn darüber hinaus die Klassiker des realsatirischen Genres – Stoiber etwa, Oettinger und ähnliche Kaliber – sich längst schon selbst als Komiker unsterblich machen, statt derlei der Brettlkunst zu überlassen, dann braucht es neue Formen. Sonst kann sich das Kabarett die Parodie im Grunde schenken. Für Kröhnerts Paraderollen freilich – Merkel etwa, den Papst und Kinski – wäre es durchaus schade.

Am 6. und 7. Februar ist Reiner Kröhnert im Darmstädter Halbneun-Theater, am 14. März noch einmal im Frankfurter Kabarett „Die Käs" zu Gast.



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Offenbacher Post 30.01.10

Wiedergeburt Jesu im Körper von Klaus Kinski

Frankfurt - Wild und farbenfroh fabulieren, das kann er, und so beginnt der Einstieg in Reiner Kröhnerts neues Programm „Das Jesus-Comeback" denn auch mit einem fünfminütigen Monolog, in dem der Kabarettist eindringlich eine Szene an der Golden Gate Bridge beschwört. Von Maren Cornils

Publikum in der „Käs" Frankfurt wähnt sich fast schon selbst als Augenzeuge

der Wiedergeburt Jesu im Körper von Klaus Kinski.

Das tut er mit derart wohlklingenden Worten, dass sich das Publikum in der „Käs" Frankfurt fast schon selbst als Augenzeuge der Wiedergeburt Jesu im Körper von Klaus Kinski wähnt. Reiner Kröhnert ist für seine unvermittelten Programmeinstiege berühmt und hat in puncto aberwitzige Geschichten einen Ruf zu verlieren. Und dem wird er – sehr zum Vergnügen seiner Zuschauer – auch diesmal gerecht. Denn was mit dem Auftauchen einer kleinen Robbe an der San Francisco Bay beginnt, wächst sich zu einer kunstvoll verschachtelten und hoch amüsanten Suche nach dem Erlöser aus, der mal in Gestalt des irrsinnig drein stierenden Kinski, mal als schwäbelnder Bundesfinanzminister, als senil erscheinendes Kirchenoberhaupt oder als missionierender Michel Friedman erscheint.

Eine ganz besondere Rolle kommt bei dieser Heilsbringersuche der CDU zu, die – verkörpert durch Angela Merkel, Wolfgang Schäuble, Peter Hintze und Ronald Pofalla – von Kröhnert alias Werner Herzog ordentlich auf „Erlöserkurs" gebracht wird. Zwischendurch darf ein mit dem hessischen Dialekt kämpfender „Nobbi" Blüm als „Sozialprophet" über seine Rentenprognose philosophieren. Schon vor der Pause wird Jesus zum Ehrenvorsitzenden der CDU gekürt; und auch danach ist an Gags

und intellektuell klingenden Worthülsen kein Mangel. Wer auf niveauvolle, mit Liebe zum (Fremd-)Wort komponierte Pointen und paradoxe Geschichten steht, wird vom Meister der Imitation mit einem herrlich unterhaltsamen Abend belohnt.

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www.general-anzeiger-bonn.de

Pantheon: Reiner Kröhnert spielt Merkel & Co.

Über den Papst und die Welt

Von Karsten W.N. Kurze

Bonn. Wer in Reiner Kröhnerts Kabaretttheaterstück "Das Jesus-Comeback" im Pantheon von Anfang bis Ende die Augen schließt, mag glauben, Kröhnert selbst sei nicht zu seiner Aufführung erschienen.

Der Regisseur Werner Herzog, Journalist Michel Friedman, Angela Merkel, Friedrich Merz, Papst Benedikt XVI. und einige mehr sind gekommen. Nur Kröhnert?

Kröhnert ist, wenn man die Augen öffnet, natürlich Darsteller all dieser bekannten Personen, ein ausnehmend guter. Er klingt nicht nur wie seine Figuren, zuweilen sieht er auch so aus, kann den Herzog fast besser als Werner Herzog selbst und sobald er die entsprechende Perücke aufsetzt, wirkt er fast wie die echte Angela Merkel, nur dass diese vom Hals abwärts ein hochgewachsener Mann Anfang fünfzig ist.

Anderthalb Stunden lang ätzt das Stück vor allem über das Selbstverständnis moderner Christen und Politchristen hinweg, macht keine Gefangenen und schreibt den Protagonisten diesen Lagers gar nicht subtil Eigenschaften wie Blasiertheit, Naivität und unglaubliche Kriecherei zu.

Es ist dabei allerdings ein sehr sorgfältiges Stück, bei dem die exzellenten Darstellungen und Texte vielleicht öfters vor dem Witz stehen - es stimuliert eher den Intellekt als das Zwerchfell.

Artikel vom 21.01.2010

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NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU

Von Kinski bis Honeckers Albtraum

20. Januar 2010 | 04:00 Uhr | Von bwe

Riesen-Lacher: Reiner Kröhnert als Erich Honecker.

Die wunderbarste Geschichte der Welt will er erzählen, der Reiner Kröhnert - nein, der Werner Herzog ist es. Erwartungsvolles Schweigen füllt die ausverkaufte "Lauschbar". Die Geschichte habe 1991 begonnen, als Klaus Kinski seinen Lebensatem aushauchte. Und dann sind sie, wie immer, alle dabei: Friedman wirft ein, dass Gott doch niemals einen Deutschen zum Messias machen würde. Friedrich Merz meint, dass sich Jesus für ganz falsche Ideale hat kreuzigen lassen, Angela Merkel fällt auf, dass sie als Realo-Physikerin in die CDU passt wie der Papst in die Peep-Show, und der Papst wartet auf eine Entschuldigung der Juden dafür, dass sie Jesus kreuzigten.

Wie immer setzt Kröhnert bei seinem Publikum viel voraus, damit es lückenlos folgen kann. Er benutzt einige Requisiten wie Perücke und Kittel - aber eigentlich braucht er keine Verkleidung - die Zuschauer erkennen sofort, wen er verkörpert.

Mit irrem Kinski-Blick deklamiert er, er sei nicht der Jesus, der den Trotteln das Wort erteilt, auch wenn sie ihn zum Ehrenvorsitzenden machen. Und am Schluss wird ein richtig großes Wunder verlangt. Zu "Auferstanden aus Ruinen" erscheint Erich Honecker und nuschelt sich - begleitet von Lachsalven - durch seinen Albtraum: Er habe geträumt, die Mauer sei weg, golfstromartige Blechlawinen wälzten sich durch sein Land, während er immer dicker und zu Kohl geworden sei. Als Gegensatz polemisiert gleich darauf Jesus über den Afghanistan-Konflikt und die "Heuchler, Metzler und Meuchler", die ihren Kindern vorwerfen, sich mit Kriegsspielen am PC zu sehr zu identifizieren.

Wieder einmal Polit-Satire vom Feinsten - voller kontrastierender Widersprüche und Übertreibungen.

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Erlanger Nachrichten,09.01.2010

Jesus Kinski und die Erlösung

Kabarettist Reiner Kröhnert mit neuem Programm im «Fifty»

Honecker träumt, Schäuble «bitzelt’s» in den Füßen, Schröder macht Späße, Merz will mehr Kapitalismus wagen und Jesus Kinski ist der Erlöser: Wer ein solches personales Panoptikum auffährt, verbal ungemein versiert ist und viel von Dialektik versteht, gehört ganz einfach auf die Bühne. Reiner Kröhnert betritt derzeit allabendlich (und heute um 20 Uhr noch einmal) die Bühne des «fifty fifty» und stellt dort sein neues Programm «Das Jesus Comeback» vor.
Kröhnert hat sie alle im Sack und kann sie nach Belieben herausholen – Polit-Chargen so mancher Couleur genauso wie Herrn Ratzinger vom Vatikan. Körpersprachlich und stimmlich vollendete Parodien, ja Karikaturen, besser als die Originale. Doch Kröhnert ist kein Comedian, der mal schnell durch mehr oder weniger launigen Schabernack schenkelklopfendes Gelächter abfischen will. Er bohrt sich hinein ins Schwindeln machende Gekröse der alltäglichen Polit-Phraseologie und reinigt die Verstopfungen durch subtile Nadelstiche in die Eiterbeulen verschmutzten Denkens und ebensolchen Gehabes.
Miteinander kommunizieren
All das passiert nicht in Form einer wahllos zusammengekleisterten Nummernrevue, Kröhnert lässt vielmehr die Protagonisten seiner Personage heftig miteinander kommunizieren. Wenn Angela Merkel auf den Papst trifft oder Michel Friedman auf Klaus Kinski, hat das neben aller vordergründigen Typen-Komik die Messerschärfe klarsichtigen Polit-Kabaretts. Nicht umsonst werden hier auf entertaineske, gleichwohl bitterböse Weise Themen wie Sozialismus, Holocaust-Leugner, Karrierismus und Erlösung verhandelt. Mitdenken lohnt sich hier und ist auch unvermeidlich! mko

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Süddeutsche Zeitung, 01.12.2009

Die Offenbarung des Herrn Kröhnert

Hochintelligentes und bitterböses Kabarett: „Das Jesus-Comeback" im Gautinger Bosco

Gauting - „Ich muss Ihnen eine Geschichte erzählen", beginnt Kabarettist Reiner Kröhnert sein neues Programm „Das Jesus-Comeback" im Gautinger Bosco. Aber ist das überhaupt Reiner Kröhnert? Ist das nicht vielmehr der Filmregisseur Werner Herzog, der anlässlich einer Trauerfeier zum Gedenken an den Schauspieler Klaus Kinski Zeuge einer nahezu unglaublichen Wiederauferstehung wird? Klaus Kinski kehrt als neuer Messias zurück und macht Werner Herzog zu seinem Propheten. Das aber ruft gleich einen ganzen Stab an Einspruch-Erhebern auf den Plan. Zunächst meldet sich Michel Friedman zu Wort und mahnt an, dass der neue Messias schon aus Traditionsgründen aus dem Hause Davids zu stammen habe. Und wenn dies wirklich nicht möglich ist, so gehöre er doch wenigstens seinem Stammtisch, der CDU, an. Um dies festzuklopfen, lädt er gleich zwei diensteifrige Gesellen ein, die einander in ihrer Ergebenheit gegenüber welcher Sache auch immer zu übertreffen versuchen. Peter Hinze und Roland Profalla eilen auch sogleich herbei, „Ihr ergebenster Diener" der eine, „Ich bin, was das Dienern angeht, viel geschmeidiger" der andere. Schließlich kommt, in Erzengel Gabriel-Pose, die alles andere als engelsgleiche Angela, ihres Zeichens auch noch Protestantin und höchst unzufrieden mit der eigenen Partei.

Wendig und mit wenigen Requisiten – die Merkelperücke bildet da schon die Ausnahme – schlüpft Reiner Kröhnert in die zahlreichen Rollen seiner durchkomponierten Auferstehungsgeschichte. Wenn er beispielsweise Norbert Blüm spielt, reicht ihm ein Spitzen des Mundes und ein Senken der Stimme. Dass er dabei den Tonfall samt Dialektfärbung dieses und aller anderen von ihm parodierten Politiker beherrscht, ist ebenso überzeugend wie seine wohl dosierte, genau eingesetzte Mimik. Als Wolfgang Schäuble, der das Wunder der Heilung des Lahmen erleben darf, gewinnt er noch jedem „st" ein „scht" ab; als Friedrich Merz weist er bei jeder Gelegenheit auf dessen Heilsbotschaft „Mehr Kapitalismus wagen" hin.

Einfach großartig ist Kröhnert dann als Klaus Kinski alias Jesus Kinski, der nach der Pause leibhaftig auftritt und dem Volk mal in ausgewählt klassischer Sprache („sündensatte Albträume"), mal deutlich und vulgär („Halt die Fresse, Politpygmäe"), immer aber näselnd pathetisch und vor Ergriffenheit vibrierend die Meinung sagt.

Seine Predigt in Sachen Afghanistan-Einsatz sucht in ihrer Deutlichkeit nicht nur im Kabarett ihresgleichen und ließ auch dem Gautinger Publikum das Lachen gefrieren. So hat man Kabarett lange nicht mehr erlebt: politisch, bissig-böse und hochintelligent, dabei eine gelungene Symbiose aus Schauspielkunst, Sprechfertigkeit und Parodie. Dieses „Jesus-Comeback" ist eine Offenbarung. SABINE ZAPLIN

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Starnberger Merkur, 30.11.2009

REINER KRÖHNERT, Exzellentes Stück bis zur letzten Minute


Gauting – Seitdem die Sahnetörtchen aus allen erdenklichen Kabarettprogrammen in Häppchen im Fernsehen und im Internet konsumiert werden können, fällt es immer schwerer, einen ganzen Abend mit nur einem Kabarettisten zu verbringen. Reiner Kröhnert füllte wohl am Samstagabend das bosco in Gauting zunächst deshalb spielend, weil viele seine sensationelle Angela- Merkel-Parodie live erleben wollten. Die Sensation aber bestand an diesem Abend darin, dass Kröhnerts Programm „Das Jesus Comeback" nicht nur einen roten Faden, sondern eine dramaturgische Linie verfolgt, dass es eben keine Nummernrevue ist, sondern wie ein exzellentes Theaterstück von der ersten bis zur letzten Minute das Niveau hält.

Der „Plot" ist schnell erzählt: Klaus Kinski ist Werner Herzog unter der Golden Gate Bridge als Robbe erschienen und als der Messias Jesus Kinski auf die Erde zurückgekehrt. Dort soll er nun von der CDU zum Ehrenvorsitzenden der Partei gemacht werden. Über das genaue Prozedere befinden nun zunächst ein sagenhaft schmieriger Michel Friedmann und ein devoter Ronald Pofalla, in beständigem Wettstreit mit Peter Hintze um die Rolle des aller-aller-untertänigsten Arschkriechers. Dann aber treten Wolfgang Schäuble, Norbert Blüm und Friedrich Merz auf, schließlich Angela Merkel. Die liest nun noch einmal dem „Herrn Ratzinger" ordentlich die Leviten, der sie dafür, wenn er könnte wie er wollte, auf den Scheiterhaufen legen und mit Braunkohle-Briketts steinigen lassen würde. Es geschehen Zeichen und Wunder, allesamt vom Papst direkt im Himmel bestellt. Schäuble kann nach mehrtägigem „Kribbeln und Bizzeln vom dicken Zeh bis ins Arschbäckle" wieder laufen und Honecker wacht wieder auf, vermeintlich nur leicht verkatert nach einem weinseligen Bankett mit Genscher und Kohl im Jahr 1987: Er hat ein Blackout von gut zwanzig Jahren und fragt erstaunt: „Was meinen Sie denn jetzt mit Jenseits, hüben oder drüben?" Und natürlich erscheint auch Jesus Kinski mit wirren Blick und dicker Lippe, salbungsvoll monologisierend und keineswegs bereit, die Welt den geistig Armen zu überlassen, auch wenn die geistig Armen ihn gerade zu ihrem Ehrenvorsitzenden machen wollen.

Kröhnert braucht am Anfang für den Papst ein Käppi, für Merkel eine Perücke und für Kinski ein geblümtes Hemd, dann aber kommt er ohne Requisiten aus, er zieht sich nicht mehr um, er verzieht einfach das Gesicht, ändert Tonfall, Körperhaltung und Gestik minimal, wird Merkel, wird Papst, wird Kinski, wird Schröder, wird Kohl – er ist genial. KATJA SEBALD

Quelle: Starnberger Merkur, Lokales 8, Montag, 30. November 2009 | Nr. 276

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Lokale Kultur 

Ein Prophet der Parodie

21.11.2009 - WIESBADEN

Von Peter Müller

KABARETT Reiner Kröhnert im Pariser Hoftheater

Ein wahrhaft biblisches Szenario entspinnt sich da im fernen San Francisco, wo sich Unglaubliches abspielt: Just unter der Golden Gate Bridge, wo Nastasja einst die Asche verstreut und damit selbst die Robben zu Tränen gerührt hatte, teilt sich das Wasser - und, oh Wunder, den Fluten entsteigt der neue Heilsbringer: "Jesus Kinski, de Klaus". Reiner Kröhnert, der prophetische Zen-Meister der Parodie, hat sie wieder alle herbei zitiert, die Merkels, Hinzes und Pofallas, die Schröders, Schäubles und Blüms, Friedmanns und Cohn-Bendits. Selbst der Papst muss aus dem Vatikan anreisen, um sich mitsamt seiner Piusbruderschaft kräftig die Leviten lesen zu lassen. Auf leise, aber eben heimtückische Art.

Denn auch in seinem aktuellen Programm "Das Jesus-Comeback", zu dessen "Welturaufführung" Kröhnert ins ausverkaufte Pariser Hoftheater geladen hatte, verarztet er seine Patienten auf subtile Weise. In fast salbungsvollen Akten der Selbstdemaskierung. Sogar Ober-Exzentriker Kinski (zweifellos "kein Jesus der geistig Armen") scheint da zwar zorniger, aber zuweilen doch entrückt pastoraler Teil eines ausgefeilten Bühnenauftritts, den man als Gegenentwurf zum spaßigen Marktgeschrei der boomenden Comedy-Szene schon per se bejubeln möchte.

Kröhnert lässt es ruhig, fast bedächtig angehen; ohne auf die schnelle Pointe oder Schenkelklopfer zu zielen. Das braucht genaues Hinhören, aber nur minimale Requisiten: Ein Sessel, zwei Perücken, eine putzige Pelzmütze - das war´s. Seine ständig wechselnden Figuren allerdings, die er in bizarren Talk-Runden versammelt, sind so sorgfältig auf das Klischee reduziert, dass ihre Karikaturen verblüffend nah am Original entlang scheinen. Und seine Geisteraufstellungen, in denen etwa ein aus Ruinen auferstandener, ewig gestriger Honecker den vermuteten Putschisten Schäuble ("Es ischt, wie´s ischt, aber dass es so ischt, wie´s ischt, ischt die Krux") zu einer sozialistischen Wiedervereinigung trifft, sind so surreal wie sie plausibel scheinen.

Zumindest im "Jesus-Comeback", das alles möglich und Kinski bald zum CDU-Ehrenvorsitzenden von Friedmanns Gnaden macht: "De Klaus" mit "Geistes-Zwerg" Blüm im Rentenland, "Mehr Kapitalismus wagen"-Merz mit "Ich buckel, also bin ich"- Hinze und "Ich bin, also buckel ich noch mehr "-Pofalla in gewohnter Plattitüden-Lyrik - in Kröhnerts Parodie-Panoptikum zersägen sich alle Delinquenten höchstselbst.

 Seinen Segen haben die Zuschauer im Pariser Hoftheater: Reiner Kröhnerts neues Programm "Das Jesus-Comeback" erlebt hier seine Deutschlandpremiere.Foto: wita/Paul Müller

 

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DIE  ZEIT, 17.09.2009 Nr. 39

Kabarett

Der Witzreflex

von Peter Kümmel

Wo es immer noch verwegen erscheint, über die Herrschenden zu lachen: Eine Reise durch das politische Kabarett in deutschen Landen

Die CDU sucht einen Mann, der ähnliche Qualitäten besitzt wie Barack Obama. Na, und hat sie einen gefunden? Ja, Roberto Blanco.« – »Kennen Sie Batmerkel? Das ist Deutschlands Superheldin; kein Cape, aber eine Udo-Walz-Frisur.« – »Kennen Sie Merksau? Das ist Angela Merkel plus ihr Gatte Herr Sauer.« – »Wie sah Althaus am Wahlsonntag aus? Ziemlich alt sah er aus.« – »Warum ist Obama schwarz? Weil er sich während Bushs Regierungszeit schwarz geärgert hat.« – Das sind ein paar der Witze, die man zu hören bekommt, wenn man durchs deutsche Kabarett reist, in den Wochen vor der Wahl. Es sind noch nicht mal die schlechtesten.

Im Kabarett Die Wühlmäuse (im äußersten Westberlin) spielt Simone Solga, eine junge Kabarettistin aus Thüringen im Business-Outfit, eine lebhafte Frau. Sie scheut sich nicht, alte Kohl-Witze auf Steinmeier anzuwenden (»Stromausfall. Steinmeier stand 45 Minuten auf der Rolltreppe«). Schon das ist gespenstisch. Es bestätigt den alten Verdacht, dass zwar Obrigkeiten und Elektorate wechseln, dass aber die Reflexe, die zwischen ihnen hin- und hergehen, dieselben bleiben und dass also in 50 Jahren immer noch einer auf Kohls Rolltreppe stehen wird…

Noch gespenstischer allerdings ist, dass in Solgas Programm Die Kanzlersouffleuse mehrere Witze vorkommen, die man am Abend zuvor schon im Kabarett Die Distel (tiefstes Ostberlin) hören konnte. Manche Witze, nun ja: Sprüche, habe ich auf meiner Kabaretttour in vier, fünf Varianten erlebt, etwa den: »Was zur Zeit bei der SPD los ist, dagegen war die Stimmung im Führerbunker 1945 ein Fest.« Ist da ein zentrales Textbüro an der Arbeit, welches den Kabaretts die Pointen liefert, auf der Basis von Marktanalysen? Oder gibt es einen kollektiven Witzreflex, der durch alle hindurchgeht, ohne dass sie es merkten?

Wir sind in der Distel, Friedrichstraße, Berlin. Das Publikum ist im Schnitt deutlich über 50, und im Saal hört man, wenn die Stimmung auf dem Höhepunkt ist und es jenseits von »Inhalten« um die Achselnässe von Angela Merkel und die Nase von Roland Koch und vor allem um das Schwesternhafte an Guido Westerwelle geht, jenes glückselige Kreischen, wie es vor allem ältere Damen bei Karnevalssitzungen zu fortgeschrittener Stunde von sich geben.

Hier ein paar Kernbegriffe und -requisiten des deutschen Kabaretts: »Kevin« (als Sammelname für das, was man nie sein möchte, nämlich Unterschicht); »Westerwelle« als Oberbegriff für das, was man erst recht nie sein möchte, nämlich schwul (»Haben Sie nicht gemerkt? Der Westerwelle ist die Handpuppe der Großindustrie; der hat da unten hinten so ’n Loch, durch das immer ein Aufsichtsratsvorsitzender seine Hand steckt«); Möllemanns letzter Fallschirmsprung; Schäubles Rollstuhl; Barschels Badewanne. Darüber hinaus lässt sich feststellen: Das Kabarett hat eine ungeheure Vorliebe für Namenswitze.

Ist das Kabarett etwa so sehr am Ende wie die Boulevardkomödie? Die beiden Genres standen sich stets gegenüber wie der Spießbürger und sein schlechtes Gewissen, wie der fremdgehende Ehemann und der Detektiv, der sich an seine Fersen heftet. Die Komödie spielte mit den bürgerlichen Umgangsformen, das Kabarett lieferte zum Spiel amüsiert den kritischen Apparat. Und wie die Boulevardkomödie heute am ehesten überlebt, wenn sie ins Extrem getrieben wird, als Proll-Komödie im Kino oder als ruppige Burleske im Theater, ist auch das Kabarett am populärsten, wenn es jene Mittel zu Haupt- und Selbstzwecken erhebt, die früher Mittel zur Aufklärung waren: Parodie, Karikatur, Erledigung.

Kabarett hatte einen Zweck, und dieser Zweck hieß Volksverbesserung und Belehrung. Dem Ensemblekabarett der letzten Jahre hing ein Etikett an: Volkshochschule. Das wollten immer weniger Zuschauer sehen. Sie wollten in ihrer Freizeit mit nichts mehr in Berührung kommen, was an Arbeit erinnerte. Stattdessen triumphieren jetzt auf den Kabarettbühnen (die längst Kleinkunst- und Comedybühnen sind) klassenlose Herrschaften, die demonstrieren, wie mühelos ihnen das Leben misslingt. Es sind agile Zyniker und Stand-up-Komödianten, die nicht über die Zustände der Gesellschaft klagen, sondern sich über die Zustände in ihren eigenen Köpfen amüsieren.

In ein paar Nischen in Berlin, München, Düsseldorf, Dresden, Leipzig überlebt das Ensemblekabarett zwar noch. Aber es ist ein bemitleidenswertes Dasein.

Man hat sich der Comedy angepasst und will nun Satire machen für den Kopf und für die Drüsen; man will die politische Pointe und die Zote. So etwas ist schwer. So etwas geht meistens schief. Gefährlich wird »der Macht« all das nicht. Im Foyer der Distel hängen signierte Fotos von Köhler, Thierse, Momper, Wowereit, Rau und Heide Simonis (man sieht sie im Gespräch mit einem afrikanischen Kind). Im Foyer der Berliner Stachelschweine hängt ein liebevoll gemaltes Porträt des Bundespräsidenten. Das hängt da aber nicht als Trophäe, als wollten die Kabarettisten sagen: Der war bei uns, und dem haben wir die Meinung gesagt! Nein, hier siegt der Stolz über alle Satire: Der Herr Bundespräsident in unserer bescheidenen Hütte, dass wir det noch erleben durften!

An dieser Stelle lohnt sich ein Blick zurück in die Geschichte des deutschen Kabaretts, ein Blick zurück zu Werner Finck. Er ist der Vater des heutigen deutschen Kabaretts, er machte Kabarett in der Nazizeit, er saß im KZ. Seine Größe ist vielleicht unser Fluch. Finck sprach und überlebte in Auslassungen und Andeutungen. Stotternd, sich absichtsvoll verhaspelnd, trieb er den Witz in die Nähe der Fehlleistung. Was er meinte, sagte er nicht; was er sagte, war anders gemeint. Das Unsagbare war die Botschaft; man musste es sich selbst denken. Kabarettist und Publikum trafen sich im Verbotenen, und das hatte eine fast erotische Komponente: Man las einander, an der Zensur vorbei, die Gedanken. Dieses kollektive Dazudenken war eine sehr deutsche Unterhaltungsleistung: eine verstohlene Lustreise ins Gelächter. Man verabredete sich hinter dem Rücken der Macht.

Dieser Gestus prägt das deutsche Kabarett bis heute. Noch Dieter Hildebrandt hat in seinen großen Soli das Entscheidende nur angedeutet, wenn auch eher aus sportlichem Übermut: Mal sehen, ob ihr’s kapiert. Die Kabarettisten von heute treten nun breitbeinig an die Rampe und sagen, was Sache ist, und sie sagen es so, als dürfte man es eigentlich nicht sagen.

Sie sprechen noch immer so, als könne sie der Auftritt Kopf und Kragen kosten. Der alte Angsthintergrund ist, wie Adorno sagen würde, selbst als abwesender noch da. Anders wäre der Erfolg eines tendenziell humorlosen Jetzt-aber-mal-Klartext-Sprechers und Furchtlosigkeitsdarstellers wie beispielsweise Hagen Rether nicht denkbar. Was macht der? Er legt seinen Ellbogen auf den Tresen, der in Rethers Fall zufällig ein Konzertflügel ist, und sagt uns »die Wahrheit«.

Wo Finck immerzu unter dem Zwang stand, die Wahrheit auf offener Bühne umzumünzen und umzucodieren in etwas Falsches und Uneigentliches, da decodiert und enthüllt Rether drei Stunden lang im Zustand des beschwingten Ekels das Falsche und Fiese unserer Welt. Er ist der Asket und der Messias unter den Kabarettisten. Er predigt Umkehr, Demut vor der Schöpfung, Bescheidenheit, und er kann sich dabei gar nicht halten vor Selbstgenuss. Was Finck nur andeutete, das verrät der allwissende Rether; was Finck vernuschelte, daraus macht Rether Entrüstungsschlagzeilen.

»Es geht um nix. Es geht um gar nix«, sagt er bei seinem Auftritt im ausverkauften Hamburger St. Pauli-Theater. Und: »Wie wär’s mit Verantwortung übernehmen?« Oder: »Wie wär’s mit Selberdenken?«

Die Schweißflecken Angela Merkels auf ihrem Bayreuther Kleid, die so ausgiebig begutachtet wurden im deutschen Kabarett, sie sind auch bei ihm Thema: Rether erwähnt sie, aber nur, um sich über die Öffentlichkeit zu empören, die sich über die Schweißflecke empört hat. Erwähnen muss er sie schon: Ohne Merkels Schweißflecke kommt das deutsche Kabarett gar nicht mehr aus.

»Wie Kinder behandeln die uns«, sagt er, und »die« sind, wahlweise, die Politiker, die Reichen, die Medien, die Kirchen, die Konzerne. Dass er »uns«, seine Zuschauer, selbst behandelt wie einen Haufen Kinder, die noch nie eine Zeitung gelesen haben, sei hier nur nebenbei bemerkt. »Kann man das mal zur Kenntnis nehmen?« und »Merkt da noch einer was?« und »Geht’s noch?« sagt er, wenn er wieder einen verdeckten Zusammenhang (etwa den zwischen unserer Gier und dem Hunger der armen Länder) aufgedeckt hat.

Irgendwie erinnert Hagen Rethers Programm an den Beginn einer klassischen Reisereportage, genauer: an die Taxifahrersuada. Also: Ein Reporter fliegt nach Lagos, Managua oder St. Petersburg, stellt schon auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt die Kamera oder das Tonband an und lässt sich vom Taxifahrer erklären, wie es in der Stadt so zugeht. Juan oder Ibrahim oder Wladimir schimpft dann auf der ganzen stickigen Fahrt über die Regierung, den Bürgermeister und den Zustand des Landes. Man müsste den Kerlen den Kopf abreißen / den Stuhl vor die Tür setzen / sie vierteilen / das Rathaus stürmen et cetera. Das ist, wenn man Pech hat, die Antwort, wenn man den Taxifahrer fragt, was er von der herrschenden Klasse hält. Man weiß genau: Juan, Ibrahim oder Wladimir werden, wenn man 14 Jahre später wiederkommt, immer noch in ihrem Taxi sitzen und schimpfen. Und so ist das mit Hagen Rether; er wird noch in 14 Jahren am Flügel sitzen und »Ja geht’s noch?« sagen.

Und es funktioniert. Das Publikum lauscht, und es wartet auf seinen Einsatz. Im Zuschauerraum lebt nach wie vor die deutsche Empfindung, dass es verwegen sei, über Herrschaft zu lachen. Anders als das schallende, fetzende Gelächter auf den Comedybühnen ertönt im Kabarett das gedrosselte Highbrow-Lachen: Hohoho. Es ist das Geräusch, an dem ein Blinder erkennen könnte, dass er sich im deutschen Kabarett befindet. Das Hohoho erinnert an das Aufzeigen in der Schule, mit welchem der beflissene Mitmacher zu erkennen gibt, dass er dem Unterricht folgt. Hohoho bedeutet: Ich habe die Pointe verstanden! Und nicht nur das: Ich stehe hinter ihr! Das Tuscheln im Obrigkeitsstaat, das Sprechen hinter vorgehaltener Hand, es überlebt im Hohoho: Dass die sich trauen, so was zu sagen! Und dass ich mich traue, darüber zu lachen!

Der Beruf des Kabarettisten ist in den letzten Jahren ziemlich heruntergekommen. Es gibt nun immer mehr Spezialhandwerker des Parodistengewerbes, die ein, zwei, drei Politiker gut »können«, damit durch die Lande reisen und in Fernsehsendungen eingeladen werden; da sitzen sie dann bei Otti im Schlachthof oder bei Schramm und Priol in der Anstalt oder bei »JBK« Kerner in der Show und sprechen als Stoiber oder Schröder oder Merkel. Aus souveränen Hofnarren, immerhin, sind Schoßhündchen geworden, Referentengestalten, die den Originalen den Aufwand ersparen, sich selbst in die Sendungen zu bemühen. Die Darsteller aber verschwinden im Schoß der Macht. Wenn man sie kaum noch sieht, werden sie gern von Kerner gefragt: Wen können Sie denn noch? Machen Sie doch mal den Bohlen!

Es gibt einige Kabarettisten, die aus dieser Reihe von Handelsvertretern herausfallen. Einen von ihnen habe ich im Kreuzberger Mehringhoftheater gesehen: Reiner Kröhnert. Ein Parodist, der aus denen zusammengesetzt zu sein scheint, die er darstellt, das kalte Monster der deutschen Politik.

In seinem Programm Königin der Macht geht es zu wie in einem Shakespeare-Drama: Schäuble, Schröder, Struck, Merz, Stoiber, sie alle haben sich zusammengefunden, um Angela Merkel aus dem Weg zu räumen. Die Kernfrage des Programms lautet: Wie hält es diese Frau aus, sich an der Macht und am Leben zu erhalten? Kröhnert gibt der Kanzlerin etwas Geducktes, Wachsames, Witterndes: Ein Tier, das an Verrat gewöhnt und im Verrat groß geworden ist.

Kröhnert ist sozusagen der Gustaf Gründgens unter den Parodisten. Er erschafft seine finsteren Figuren mit Sorgfalt, ja mit Liebe, im Gegensatz zu all den schlechten Parodisten im Land wird er im entscheidenden Moment nicht lauter, sondern leiser (als höre er sich selbst zu), und die Verachtung zwischen den Herrschenden, ihre von Ekel und Misstrauen grundierten Umgangsformen – all das beleuchtet im Kleinen die Misere des Ganzen.

Die Typologie der deutschen Spitzenpolitik, wie Kröhnert sie sieht, ist schnell umrissen: Diese Wesen finden Erfüllung nur in der Intrige, Genuss nur im Verrat. Aber der Altkanzler, Gerhard Schröder, ist ein Fall für sich. Er ist bei Kröhnert, und nicht nur bei ihm, der Einzige, der zu sich gefunden hat: ein entspannter, von allem Schuldgefühl erlöster deutscher Bösewicht, kein Mann im Schatten, sondern substanzieller Teil des großen Schattens selbst.

Wenn Schröder auftritt, riecht es schweflig im Kabarett, und wenn er seinen »Freund Wladimir« erwähnt, dann ist der Mafia-Zementschuh nicht fern. Durch Schröder (und also Putin) zieht das Diabolische ins Drama ein und nicht nur das Verspannte und Verkrampfte. Das deutsche Kabarett vermisst ihn schmerzlich.

Der Literaturwissenschaftler Stephen Greenblatt hat geschrieben, die Botschaft von Shakespeares Königsdramen ans Volk laute: Seid froh, dass ihr nicht dort oben steht. Ihr haltet euch zu Füßen eines Schafotts auf. Die dort oben werden fallen, und zwar bald. Es ergeht euch besser hier drunten. Auch das Kabarettpublikum würde allzu gern diesen Hauch der Gefahr noch spüren. Doch der alte Gegensatz zwischen »uns hier unten« und »denen da oben« ist ins Horizontale gekippt. »Die« sind nicht mehr »da oben«, sondern »da drinnen«, im Schlamm der Korruption, im Irrsinn der Politik, auf der anderen Seite des Fernsehschirmes: höhere Dschungelcamp-Insassen.

Aus dem Verhältnis zwischen Beherrschten und Herrschenden ist eines zwischen Kunden (beziehungsweise Zuschauern) und Dienstleistern (beziehungsweise Darstellern) geworden. Was zwischen diesen Gruppen stattfindet, ist nicht mehr Kritik, Diskurs, Unterwanderung, Subversion, sondern: Evaluation. Und der Ton, in dem das Kabarett über die Politiker spricht, ähnelt dem, in dem auf Uni-Internetseiten unbeliebte Dozenten bewertet werden. Auf diesem Umstand basiert auch der Erfolg der satirischen Wahlkämpfer Martin Sonneborn und Hape Kerkeling, welche mit ihren Filmen Die Partei und Horst Schlämmer – isch kandidiere jegliches »Oben« entzaubern: Es sitzen ja offensichtlich nur Knallchargen dort.

Kürzlich hat im Standard , der Wiener Qualitätszeitung, gestanden, das österreichische Boulevardblatt Kronen Zeitung zeichne sich dadurch aus, dass die Redakteure der Krone von ihren Leserbriefschreibern stilistisch nicht mehr zu unterscheiden seien. Das war hämisch gemeint und ziemlich treffend. Man könnte Ähnliches von vielen deutschen Kabarettisten sagen; sie sind dem Stammtisch, den sie parodieren müssten, zum Verwechseln ähnlich geworden.

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Es gab Zeiten, da ließen die Deutschen sich vom frechen Herrn Hildebrandt und von seinen Leuten im Fernsehen in die Zukunft begleiten: Schimpf vor zwölf hieß die Sendung, sie lief in den letzten Stunden des 31. Dezember, und sie zeigte die Lach- und Schießgesellschaft auf dem Gipfel ihrer Popularität. Sie war das wache Schattenkabarett der Republik, welches uns im alten Jahr verabschiedete und im neuen Jahr empfing.

Später bot uns das Fernsehen an dieser Stelle die Neujahrskanzlerrede aus dem Vorjahr. Beinahe hätte es keiner gemerkt. Vielleicht war da schon alles vorbei. Vielleicht hatte dieses Land politisches Kabarett da schon nicht mehr nötig.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

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KULTUR 22. Mai 2009

An der Achsel des Bösen gerochen

Senftenberg Die Erfolgsgeschichte der Kabarettreihe an der Neuen Bühne Senftenberg setzt sich fort. Am vergangenen Montag schrieb sie Reiner Kröhnert mit seinem neuen Programm ,,Königin der Macht" vor ausverkauftem großen Saal weiter.


Unverkennbar Merkel: Politiker werden von Reiner Kröhnert gnadenlos karikiert. Foto: Steffen Rasche

Die Nummer Eins der deutschen Polit-Parodisten bot mit zynischer Gnadenlosigkeit ein kaum zu übertreffendes Panoptikum. Dabei machte es Reiner Kröhnert den Besuchern zu Beginn nicht leicht. Aber schnell wurde klar, er erschien als Erfolgsregisseur Werner Herzog und verriet: Klaus Kinski lebt, er hat ihn versteckt, und der Schauspielgott ist mit seinen Versen auf der Suche nach neuer sinnlicher Ekstase. Ausgerechnet die ,,Königin der Macht" hat er sich als Muse auserkoren und beschreibt ihr ,,wildes Wurzelhaar", ihren ,,Tigerinnendunst" und lechzt ,,nach deinen prallen Brüsten". Sogar in den Plenarsitzungen wird Angela Merkel ,,schlüpfrig angesimst".

Zur Kanzlerin gekrochen

Ihre emotionale Seite fühlt sich in Erregung versetzt und bald beginnt ,,das Bollwerk der erotischen Abwehrbereitschaft zu bröckeln". Während Michel Friedman rät, der Versuchung nachzugeben, versuchen sich Kanzlerinnendiener Hintze als ehemaliger Rote-Socken-Initiator und Pofalla auf der schleimig gelegten Kriechspur zu überholen. ,,Denken Sie an die Partei", bitten beide untertänigst. Kröhnert wäre nicht Kröhnert, wenn er es bei dieser kabarettistischen Konstellation belassen würde. Für ihn bieten die ,,erotisch aufwühlende Poesie satanischer Verse" und ihre Wirkung auf die ,,emotionalen Synapsen" der Macht-Kanzlerin den Ausgangspunkt für eine zweite Ebene.

Er jagt die Kabarettfreunde durch das ganze große Politpanoptikum Bundesrepublik, schaut hinter die Kulissen des Machtapparates auf Parteiengeklüngel und persönliche Eitelkeiten. Mit minimalistischer Körpersprache, mit Mimik und Sprache schlüpft er in schnellem Wechsel in die verschiedensten Rollen, von Big Schäuble zum Exkanzler Schröder, Altkanzler Kohl und Bayern-Fürst Stoiber, um im nächsten Moment mit Alt-Revoluzzer Cohn-Bendit in Erinnerungen zu schwelgen und als DDR-Staatsratsvorsitzender Honecker die Volksfront der wahren Revolutionäre gegen die Linkspartei als kleinbürgerliche Kraft des Revisionismus zu verteidigen. Sogar Stasi-Experte Wolf Biermann darf grummelnd alle Roten erschießen lassen. Waren soundso alle bei der Stasi außer ihm.

Die illustre Runde männlicher Politchargen hat sich aus gutem Grund zusammengefunden. Die liebestrunkene und von der Stasi geführte Kanzlerin, die ihre ,,Höhepunkte" an Kohls Seite nur vorgetäuscht hat, muss elegant entsorgt werden, denn als ,,neue Uschi Kinskis" bringt sie die Macht des freiheitlichen Kapitals in Gefahr. Also setzt der schwäbelnd babbelnde Schäuble alle Überwachungsmechanismen in Gang und zur Not kann der Gerhard immer noch seinen Freund Wladimir anrufen. ,,Hahaha". Allerdings hat die sich ,,Mobbing-strategisch auf Weltniveau" bewegende Politikerspezies nicht damit gerechnet, dass Angie keine ,,postfeministische Quotenfrau oder Latexdomina" ist und die Klaviatur der Macht nicht nur mit ,,Dekolleté-Outing" bedient. ,,Männer sind zu doof, oder wie siehst du das, Guido?" Sie setzt der Intrige die Super-Intrige entgegen, stutzt Kinski auf Oettinger-Format, serviert Lust-Politiker Sarkozy ab und hat mit ,,Frau" Westerwelle längst das Konzept für den ,,neoliberalen Endsieg" in der Schublade. Sie tanzt mit dem Hedge-Fonds.

Lachen auf der Titanic

Von SPD zu CDU, FDP und der Linken, die Verwandlungsfähigkeit Kröhnerts kennt keine Grenzen. Dabei reicht ihm die Reduktion auf das Wesentliche. Karikaturen im besten Sinne bringt er mit unfehlbarem Wiedererkennungswert auf die Bühne. Intellekt trifft auf sinnliches Spiel. Bei ihm gibt es nicht auf Lacher zielende Comedy, sondern knallhartes und mitunter bis an die Schmerzgrenze gehendes politisches Kabarett. Seine auf Entlarven des Politzirkus beruhende düstere Gesellschaftsutopie lautet, ,,Heuschrecken, Geiern und der FDP gehört die Zukunft". Dabei darf trotzdem gelacht werden, auch auf der Titanic wurde getanzt bis zum Untergang.
Von Jürgen Weser

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Montag 04.05.2009


Eine Frau mit Tigerinnendunst
Der Kabarettist Reiner Kröhnert bei Odeon

Deutschlands mächtigste Frau verströmt Tigerinnendunst und die männliche Politkonkurrenz wittert nur Unheil. Reiner Kröhnert entlarvte am Samstag bei Odeon, was selbst Schäuble und Stasi noch nicht wussten.

HANS STEINHERR


Reiner Kröhnert als Angela, Königin der Macht. Foto: Giacinto Carlucci

Göppingen  Angela sucht Rat. Die frivolen Attacken eines Unbekannten haben es geschafft, das Bollwerk ihrer erotischen Abwehrbereitschaft zu knacken. Was ist es nur, was den Unbekannten so antörnt? Ihr Wurzelhaar und der Tigerinnendunst. Parteifreund Friedmann weiß Rat. Nachgeben, empfiehlt er. Nachgeben sei die einzige Möglichkeit sich aufwallender Sehnsucht zu entziehen. Doch bevor Angela bereit ist nachzugeben, braucht sie Sicherheiten und eine zweite Meinung. Da sind sich die Schleimspur-Rivalen Hintze und Pofalla sogar einig. Standhaft bleiben, fordern sie. Nachgeben scheint ohnehin nicht Angelas Stärke zu sein. Was aber, wenn Liebe und Lust gegen politische Ratio Stellung beziehen? Wie re(a)giert dann Angela?
 
Reiner Kröhnert - unbestrittene Größe unter Deutschlands Politkabarett-Parodisten - ist mit seinem aufklärerischen Programm "Königin der Macht" seit gut zwei Jahren auf Tour. Dem Göppinger Odeon bescherte er am Samstagabend ein ausverkauftes Haus und vor laufenden TV-Kameras höchst aufschlussreich und unterhaltsam Einblick in politisches Mächte- und Intrigenspiel.
 

Schäuble entgeht nichts. Er schnuppert schließlich beständig an der Achsel des Bösen. Den Braten und den Duft der Wildkatze hat er längst gerochen. Da heißt es zusammenhalten. Ein geheimes Tribunal ehemaliger und von sich überzeugter Polit-Größen und Worte-Revoluzzer setzt sich zum Ziel, Angela intelligent und elegant zu entmachten. Reiner Kröhnert pendelt von rechts nach links. Vom schwarzen Königinnensessel in den Rollstuhl. Das und einen kasperltheatergroßen schweren Vorhang, mehr braucht er nicht auf der Bühne. Brillant wechselt er Mimik und Körpersprache und manchmal bedarf es nicht einmal mehr eines Wortes oder eines kopierten Tonfalls, damit der Zuschauer erkennt, wer da gerade parodiert wird. Schäuble, Friedmann, Kinski und natürlich Angela sind Kröhnert auf den Leib geschneiderte alter Egos - andere Ichs. Das ist perfekte Parodie. Kohl, Schröder, Stoiber sind im Heer der parodierten Putschisten.
 
Am Ende freilich hat Angela alle Lauscher selber abgehört und ausgetrickst und den Verfasser der schwülstigen Lyrik-SMS ausgemacht. Alles war nur eine Finte. Mit den Heuschrecken, den Pleitegeiern und der weiblichen Westerwelle bastelt sie längst schon an Deutschlands Zukunft.


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DIE RHEINPFALZ

06.04.2009

Stelldichein der Mächtigen in den Katakomben

Parodist Reiner Kröhnert lässt politische Prominenz von Merz bis Merkel auftreten — Statt platter Pointen Kabarett zum Mitdenken

VON REGINA WILHELM

NEUSTADT. Chapeau vor dieser Leistung. Dem Kleinkunstverein „Reblaus" ist es gelungen, eine ganze Phalanx an Politgrößen auf die kleine Bühne in den Katakomben des Jugenddorfs in Neustadt zu holen. so gaben sich am Samstag aktuelle und bereits demissionierte Macht- inhaber hier ein Stelldichein — alle in Person von Reiner Kröhnert.

Die Story scheint reichlich abstrus. Doch je weiter sie sich entwickelt, desto klarer wird sie, nimmt deutliche und gar nicht einmal so realitätsferne Konturen an. Im diffusen Rampenlicht taucht zunächst Klaus Kinski auf, ja, ja, er lebt, und zwar auf dem Dachboden seines „Stiefelknechtes" Werner Herzog. Zum Einstieg rezitiert Kinski Fran Villons „Ballade von der Mäusefrau" in seiner unnachahmlichen Weise, die einen kalten Schauer über den Rücken jagt. Der leicht irre Blick richtet sich ins Leere, erzeugt wie bei den besten Wallace-Filmen eine gruselig-schaurige Atmosphäre. Das Objekt der Begierde des wahnsinnig-genialen Schauspielers ist die „Königin der Macht‘, die unnahbare Eiserne Lady Deutschlands, Bundeskanzlerin Angela Merkel. Per SMS, Mau und Brief bombardiert er sie mit erotischen Ergüssen, die nicht ohne Wirkung bleiben, ja sogar Regierung und Opposition auf den Plan rufen,

Szenenwechsel. Das Duo Kinski/ Herzog verlässt die Bühne, um später wieder zurückzukehren, Die Adressantin der Lust-Post holt sich nun Rat bei Michel Friedman, wie sie sich ob dieser obszönen Schreiben verhalten soll. Auch ohne die blonde Perücke wäre Kröhnert Angela Merkel. Da steht sie wie immer mit den Mundwinkeln nach unten und leicht vorgebeugt, die Hände nach oben in Abwehrhaltung, Sprache Lind Dialekteinfärbung perfektionieren die Figur. Ihre nüchterne Art verbietet es ihr, locker mit den anonymen Liebesbezeugungen umzugehen, Und den noch werden in ihrem Innersten Saiten angeschlagen, von denen sie nicht wusste, dass sie existieren; eine entflammte Powerfrau auf dem Erotik-Trip.

Aber nicht nur die Kanzlerin, auch die anderen Protagonisten, die der Kabarettist auftreten lässt, kommen fast wie die Originale daher. Der arrogante Friedman fläzt überheblich im Stuhl; Pofalla und Hinze, die sich gegenseitig des Schleimens zeihen — „Machen Sie die Kriechspur frei" — geben sich als ihrer Chefin dienstbare Geister. Und dann mischt sich Bundesinnenminister Schäuble ein. „Es geht auch ums Vaterland", fürchtet dieser um den schlimmen Einfluss der pornografischen Briefe. Im Rollstuhl sitzend, die Hände leicht ver schränkt, den Kopf geneigt, macht er sich tiefschürfende Gedanken über die Zukunft des Landes.

Kröhnert gelingt es trefflich, die Figuren zu parodieren. Ihre Gedankengänge wie auch ihre Ausdrucksweise wirken vollkommen realistisch, Wer könnte sich nicht vorstellen, dass Schröder „die Ossi-Pflaume Platzeck weggepustet" und er gemeinsam mit Struck den „ollen Provinzler Beck" abserviert hat?

Der mehrfach ausgezeichnete, in der Kurpfalz geborene Kabarettist bedient sich nicht nur platter Pointen. Er erwartet von seinem Publikum, dass es mitdenkt und in der Politik versiert ist. Nur der informierte Zuschauer kann Anspielungen verstehen, Zusammenhänge erkennen Lind letztendlich herzlich lachen.

Beim Showdown schließlich fährt Kröhnert alle Geschütze auf und gibt nochmals einen eindrücklichen Be weis seines Multitalents. Die Macho Männer, die fürchten, dass in Merkel ein kleiner Honecker steckt — auch der legt bekleidet mit einer russischen Fellmütze seine „sozialisdsch leninisdschen" Ansichten dar — sehen es als ihre Pflicht, die Kanzlerin abzuservieren. Schäuble, Kohl, Schröder, Merz, Stoiber, später ergänzt um Cohn-Bendit, überlegen bei ihrem konspirativen Treffen eine elegante Lösung, In dem Mehr-Parteien-Gespräch schlüpft Kröhnert naht- und problemlos von einer Figur in die andere. Aber Merkel düpiert die Jungs alle, schlägt sie mit Schäubles eigenen Waffen. Gemeinsam mit Wester welle plant sie, unterstützt von Graf Lambsdorff, statt der sozialistischen die neoliberalistische Revolution.

In einer herbei geklatschten Zugabe läuft Reiner Kröhnert mit einem Schäuble, der sich über die Probleme mit dem „ischd" auslässt, nochmals zu einer finalen Hochform auf.

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Donaukurier

23.03.2009

Wurzelhaar und Tigerinnendunst


Ingolstadt (DK) Schwarzer Sessel, schwarzer Rollstuhl, schwarzer Vorhang: Diese drei unauffälligen Requisiten benötigt Kabarettist Reiner Kröhnert für sein Programm "Königin der Macht" unter der Regie von Wolfgang Marschall. Kröhnert schlüpft in verschiedene Rollen so wie andere in ihre Socken schlüpfen. Ob als Hauptdarstellerin Angela Merkel im Gespräch mit Friedmann (Sessel), der Krisenstab um Wolfgang Schäuble (Rollstuhl) oder das Treffen mit Regisseur Werner Herzog und Klaus Kinski (vor dem Vorhang): Das Publikum wähnt sich in einem kurzweiligen Politkrimi mit sprachlich hervorragend dargebotenen Szenen.


Bild: Perfekte One-Man-Show: Reiner Kröhnert in der Fronte. - Foto: Rössle

Den Auftakt des fröhlichen Figuren-Reigens macht kein geringerer als der 1991 verstorbene Klaus Kinski, der als Steuerflüchtling bei "seinem" Regisseur Werner Herzog untergeschlüpft ist und von da aus der Bundeskanzlerin den Hof macht. Diese wird von ihm "schlüpfrig angesimst", ist hin- und hergerissen von wundersamen Worten wie "Tigerinnendunst", der "Zauber der Poesie" berührt sie an ihren "emotionalen Synapsen". Während Angela Merkel mit ihrer Gefühlswelt hadert, braut sich im Krisenstab um Innenminister Wolfgang Schäuble etwas zusammen: Es geht darum, die "männermordende Macht-Matrone mit miesen Manieren" "intelligent zu entsorgen". Mit von der Partie: Schröder, Kohl, Stoiber, Merz, Hinze, Profalla und Cohn-Bendit. Das ist ein bunter Reigen von knallharten Worten, Enthüllungen und Hinterlisten – die von Reiner Kröhnert geschaffenen Szenarien sind wahrlich vorstellbar und somit nicht nur zum Lachen. Wenn Sätze wie "Bitte unverzüglich die Kriechspur freimachen! Sie sind doch Schleim von Gestern" fallen, dann überträgt sich die auf Fakten basierende rege Fantasie des Politparodisten eins zu eins auf sein Publikum. Der "Beischlaf-Desperado" Seehofer kriegt dabei ebenso sein Fett weg wie Wolfgang Schäuble ("der beste Hausdetektiv ist immer noch ein ehemaliger Ladendieb"). Seiner Meinung nach spricht aus der Bundeskanzlerin "der leibhaftige Honecker", laut Friedrich Merz ist sie der "wiedergeborene Stalin, gefangen im Körper einer schlecht frisierten Frau". Reiner Kröhnert braucht allerdings noch nicht mal seine blonde Perücke, herabgezogene Mundwinkel und die perfekte Sprachimitation lassen "das Merkel" erschreckend echt erscheinen. Und während die Krisenstab-Mitglieder überlegen, wie sie die Bundeskanzlerin am besten loswerden, hat Angela ("Männer sind manchmal einfach zu doof!") alles im Griff und kämpft dank Lauschangriff gegen diese "Cerebralminimalisten" an der Seite von Guido Westerwelle für "den Endsieg des Neoliberalismus". Am Ende wendet sie sich statt dem liebeskranken Schauspielgott lieber dem stimulierenden Amtskollegen Sarkozy zu: "Er rieb sein leicht abstehendes rechtes Öhrchen an meinen knusprigen Knospen." Es ist die Genialität des Kabaretts, unausgesprochene Wahrheiten hinter einer Fassade aus Komik unter die Zuschauer zu bringen, und es ist wirklich ganz großes Kino, wenn ein Parodist zwei Stunden lang eine One-Man-Show mit derart perfekten Texten und sprachlicher Raffinesse in diversen Rollen abliefert. Hut ab vor Reiner Kröhnert!

Von Sandra-Isabel Knobloch

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Iserlohner Kreiszeitung

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Erotische Nachrichten von Kinski an Merkel

Reiner Kröhnert setzte im Iserlohner Parktheater Glanzlichter

Von Jennifer Katz

Klaus Kinski lebt. Regisseur Werner Herzog hat den Steuerflüchtling auf seinem Dachboden untergebracht. Von dort aus dichtet Kinski keine Geringere als Angela Merkel mit Francois Villons „Ballade von der Mäusefrau" an. Direkt im Anschluss zeigt sich die mächtigste Frau der Welt rat los, weil sie schlüpfrige Nach richten per SMS erhält. Manch mal sogar direkt in die Bundestagssitzungen „Seine Worte berühren meine emotionalen Synapsen, lassen mein Bollwerk der erotischen Abwehrbereitschaft bröckeln", gesteht Angela Merkel.

„Die Königin der Macht" hat Reiner Kröhnert sein Programm getauft, das er vor nahezu ausverkauften Rängen im Parktheater spielte. Wenn der Zuschauer es nicht besser wüsste, könnte er das vom Meister der Polit-Parodie geschaffene Szenario für bare Münze halten. Denn während „Ändschie" sich von Anspielungen wie „Wurzelhaar und Tigerinnendunst" ihres Verehrers völlig aus dem Konzept bringen lässt, formiert sich zeitgleich die mobbende Männerrunde. Da hat Wolfgang Schäuble schnell den Vorsitz übernommen, der Herr der Überwachung schnuppert nach eigenen Angaben an der „Achsel des Bösen" und hält die Frau aus dem „Oschten" für mehr als gefährlich. Und Ex-Kanzler Gerhard Schröder schmiedet mit Peter Struck Pläne, wie der „lästig-linken Quoten-Qualle Andrea Ypsilanti" Herr zu werden ist.

Jeder bekommt hier sein Fett weg: Schäuble schimpft über Heiner Geisler, der so „linkes Zeug schwätzt und als attac Mitglied quasi zu den Nachfolgern der Baader-Meinhof Gruppe" gezählt werden könne. Horst Seehofer wird vom Innenminister „Beischlaf deschperado" genannt.

Fast ohne Requisiten gelingt es Kröhnert, die Polit-Promis nahezu lebensecht auf die Bühne zu bringen und gleichermaßen vorzuführen. Im Sekundentakt wechselt der Mann mit

30 Jahren Bühnenerfahrung von einer Person zur nächsten und scheint selbst Genugtuung dabei zu empfinden, die Polit Posse zu präsentieren. Glanzlichter am laufenden Band, großes Theater und schauspielerisches Können - mehr geht nicht. Und die „Königin" behält das Zepter in der Hand.

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Wlz – Frankenberger Zeitung

 Dienstag, 30. September 2008

Reiner Kröhnert brilliert in der Korbacher Stadthalle

Korbach (resa). Er ist ein ganz normaler Typ, als er am Samstagabend um Punkt acht Uhr in der Korbacher Stadthalle die Bühne betritt. Ein kurzes Nicken, dann lässt Kabarettist Reiner Kröhnert die Kinnlade fallen – und von jetzt auf gleich beginnt ein parodistisches Spektakel, das seinesgleichen sucht.

Die Kanzlerin bekommt schlüpfrige Nachrichten, manchmal direkt in die Plenarsitzung. „Seine Worte berühren meine emotionalen Synapsen, lassen mein Bollwerk der erotischen Abwehrbereitschaft bröckeln", gibt sie zu und fast könnte man vergessen, dass hier nicht Angela Merkel selbst, sondern Parodist Reiner Kröhnert spricht. Der hat die Kinnlade fallen lassen, die fesche Frisur der Kanzlerin auf dem Kopf und trifft den Merkel-Ton. Und so absurd die Szenerie von der verliebten Kanzlerin auch ist, sie macht Spaß und eröffnet dem Publikum wunderbare Einblicke in das politische Berlin. Denn gemeinsam mit Kabarettist Reiner Kröhnert, der an diesem Abend die Saison des vhs-Kulturforums fulminant eröffnet, machen sich die Zuschauer auf die Suche nach dem Lustmolch, der vom Tigerinnendunst der Kanzlerin und ihrem Wurzelhaar schwärmt. Hilfesuchend wendet sich „Angie" an CDU-Kollegen Peter Hinze („ich bin der kleine Pastor von der Hallig Hoge"), der mit Kollege Ronald Pofalla um die Gunst der Kanzlerin kämpft. „Mach die Kriegsspur frei", näselt Kröhnert in bester Pofalla-Manier, „Sie sind doch der Schleim von gestern." Und dann läuft der große Mann mit dem klugen Witz zur Hochform auf, wechselt die Szene und bestreitet eine ganze Talkrunde alleine. Vom Rollstuhl aus lässt er Wolfgang Schäuble an der „Achsel des Bösen" schnuppern und köstlich schwäbeln („Datenschutz – des ischt Schnee von vorgeschtern"). Und während er Edmund Stoibers rhetorische Missgriffe zum Leben erweckt, Friedrich Merz Beschimpfungen in den Mund legt („die Merkel, die aufgeblasene Pseudo-Intellektuelle") und Helmut Kohl über sein kleines Mädchen nuscheln lässt, verdichtet sich der Verdacht, dass der Krisenstab, dem auch Daniel Cohn-Bendit und Wolf Biermann beisitzen, die Merkel loswerden will. Wer könnte da besser helfen als Gerhard Schröder, denkt sich die illustre Männerrunde. Der Ex-Kanzler will erst Freund Wladi anrufen, „der erledigt solche Dinge, ohne Spuren zu hinterlassen", kommt aber zu dem Schluss, dass gekonntes Mobbing es genauso gut tut. „Darin hat die SPD schließlich Übung", witzelt er. Den Platzeck, „die olle Ossi-Pflaume", habe er nur ordentlich zusammenbrüllen müssen, schon habe er einen Hörsturz gehabt – und der komme bekanntlich vor dem Fall. Was aber wenn die Merkel am Ende Unterstützung von „Latex-Luder" Gabriele Pauly bekommt (Schröder: „Mit der würde ich gerne mal koalieren"). Dringender sei es da, die Quoten-Quallen und Frustschnecken Ypsilanti und Nahles loszuwerden. Gut, dass keiner der Herren weiß, dass die Merkel im Hintergrund längst die Fäden in der Hand hat. Die nämlich hat Klaus Kinski als ihren lüsternen Verehrer enttarnt („er lebt, der Kinski lebt") und widmet sich nach einem eindrucksvollen Auftritt von Erich Honecker wieder ihrem Geschäft – der Kontrolle der männlichen Kollegen. Das Publikum ist begeistert, der Applaus endlos und die Zugabe zum Schreien komisch.

Veröffentlicht am 29.09.2008 21:54 Uhr
Zuletzt aktualisiert am 29.09.2008 21:55 Uhr

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Klaus Kinski verwirrt die Kanzlerin


Den hat er auch noch drauf: Reiner Kröhnert als Erich mit der Pelzmütze.
(Foto: -zin-)

 

Münster. Bläulich schimmert das Mondlicht auf die Bühne, fällt auf zwei irre funkelnde Augen und eine irre zuckende Lippe. Die vertraute Stimme spricht Verse von François Villon. Kein Zweifel – Klaus Kinski lebt!

Und es ist sein „geliebter Feind", der Regisseur Werner Herzog, dessen Stimme das Publikum aufklärt: Kinski, der geniale Berserker, sei nicht tot, er verstecke sich nur vor der Steuerfahndung in einer Dachkammer. „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund", verzehrt sich stöhnend der Wiedergänger Villons nach der Einen, dem „Falter in dem Wurme", den nur er allein erkennt: Der „Königin der Macht" – Angela Merkel!

Zu Mozarts Musik wird sie kurz darauf um die Ecke watscheln und Michel Friedmann um Rat bitten, „bevor das Bollwerk meiner erotischen Abwehrbereitschaft bricht". Eine bizarr komische Konstellation, wie nur ein Reiner Kröhnert sie auf die Bühne bringt.

Der Meisterparodist läuft außer Konkurrenz: Kein anderer Imitator hat die Parodie zu solcher Perfektion gesteigert. Er kann nicht nur das Timbre und den Dialekt, auch das Mienenspiel stimmt bis ins letzte Detail. Wenn Kröhnert seine Pappenheimer in großer Runde durcheinander schwadronieren lässt, reicht meist schon ein Stirnrunzeln, und die Zuschauer im Bürgerhaus Kinderhaus erkennen blitzartig das „Switchen" der Figuren. „Schäuble!" oder „Ah, Stoiber", raunt es durchs Publikum.

Die Kanzlerin ist in erotischer Verwirrung ob all der Briefworte Kinskis von „Wurzelhaar und Tigerinnen-Dunst". Schon ist eine mobbende Männerrunde versammelt, die Verwirrte vom Thron zu stürzen. Den Vorsitz hat der Herr der Wanzen und Kameras, der an der „Achsel des Bösen" schnüffelt: Big Schäuble is smelling you. Die Frau aus dem „Oschten" sei gefährlich. Da sind sich alle einig – sogar altlinke Kämpfer wie Cohn-Bendit oder Wolf Biermann. Schröder und sein Kumpel „Strucki" haben sowieso alles Rote schon weggemobbt – nur die „Frustschnecken" Nahles und Ypsilanti sind noch übrig. Allein Zwei plädieren für Merkel: Hintze und Pofalla, die sich gegenseitig auf der Kriechspur überholen. Als wären alle leibhaftig anwesend! Nur der Dicke aus Oggersheim hat zu wenig Bass.

In Wirklichkeit aber hat die Königin der Macht alle Fäden in der Hand und Kröhnert bis zum Schluss noch manche Finte parat. In seinem irren Panoptikum entlarvt sich jeder Sprücheklopfer selbst. Und andere Kabarettisten tun einem fast schon leid.

VON ARNDT ZINKANT, MÜNSTER

29 · 09 · 08

URL: http://www.mv-online.de/lokales/muenster/kultur/?em_cnt=702899&em_loc=126

© Münsterländische Volkszeitung - Alle Rechte vorbehalten 2008

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05.August 2008

Die Merkel wird zum Ferkel


Waidwunder Blick, blonde Perücke: Mit minimalistischem Aufwand verwandelt sich Reiner Kröhnert in Angela Merkel, die "Königin der Macht". Foto: Kreutzer

Von Nicoline Pilz.

Weinheim. Bundeskanzlerin Angela Merkel könnte getrost ein Sabbatjahr nehmen oder an der Mecklenburger Seenplatte dauerangeln, es würde keinem auffallen. Nicht, wenn Reiner Kröhnert ihren Job übernimmt. Der Kurpfälzer mit Schriesheimer Wurzeln gibt in seinem siebten Soloprogramm "Königin der Macht" ein derart verblüffendes Merkel-Double, dass dem Publikum im Schlosshof der Kiefer tiefer klappt.

Und der Wahnsinn dabei ist, dass Merkel auch gleich noch ihren Innenminister Schäuble, Hintze und Pofalla, Edmund Stoiber und eigentlich das ganze Politikergedöns mit zum Angeln nehmen könnte. Kröhnert ersetzt sie alle. Das gelingt ihm mit minimalistischem Aufwand und einem Höchstmaß an Effektivität. Da geht die Stimme ein wenig rauf oder runter, werden die Mundwinkel verzogen oder die Schulter ein wenig hoch geruckt – das ist alles, was Kröhnert braucht, um per Wimpernschlag zur anderen Person zu werden. Die blonde Perücke, mit der er anfangs als "Angie" vors Publikum tritt, benötigt er schon bald nicht mehr: Dieser schlackernde Gang, dieser waidwunde Grasdackelblick, das ist unverkennbar Merkel.

Und es ist Kröhnerts Verdienst, dass das hingerissene Auditorium in Weinheim unser aller Kanzlerin endlich als Frau wahrnimmt. Merkel wird da zum kleinen Ferkel mit erotischen Gedanken. Horst Seehofers leicht angeschmuddelter Charme macht sie ein wenig schwach: "Aber nur, wenn nix anderes da ist." Beim vorletzten Schlosshoftermin im Rahmen des Kultursommers entwirft Kröhnert ein derart schräges Szenario, dass man es schon wieder für realistisch halten könnte. Trauen wir Politikern, diesen Profilneurotikern, nicht eh alles Schlimme zu? Zumal in einer zunehmend flächendeckend verwanzten Gesellschaft? Und warum nicht glauben, dass Merkel in Wahrheit der wiedergeborene Stalin im Körper einer schlecht frisierten Frau ist? Und warum soll es denn nicht möglich sein, dass Klaus Kinski gar nicht tot ist, sondern auf der Flucht vor der Steuerfahndung auf dem Dachboden seines Stiefelknechts Werner Herzog lebt und von dort aus Merkel, das Objekt seiner expressiven Leidenschaft, mit schlüpfriger Poesie zusimst? Kröhnerts Kabinett des Wahnsinns bietet derart verführerisch Irres, dass es schon wieder wahr sein könnte.

Denn während der Kanzlerin Bollwerk erotischer Abwehrbereitschaft zu bröckeln beginnt und Kinskis Lieblingsdichter Villon sie an ihren emotionalen Synapsen berührt, lädt Schäuble die Altbundeskanzler Helmut Kohl und Gerhard Schröder, Friedrich Merz und Edmund Stoiber zum Tribunal. Ihr Ziel: Merkel muss entsorgt werden, denn das größte Sicherheitsrisiko ist nicht mehr der Islamismus, sondern die Kanzlerin, aus der der leibhaftige Honecker spricht.

Kröhnert, seit fast 30 Jahren auf der Bühne daheim, mischt in diesem aberwitzigen Spektakel intelligentes Politkabarett mit einer gehörigen Prise Schauspielkunst und Theaterdonner – eine eigenwillige Mischung mit erstaunlichen Ergebnissen. Das macht enorm viel Spaß auch ohne   Schenkelklopfen.

 

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Kinski mit Merkel

05.06.2008 - aktualisiert: 05.06.2008 05:13 Uhr

Reiner Kröhnert und "Die Königin der Macht" im Renitenz
 

Ein schönes Stück hat sich der Kabarettist Reiner Kröhnert da ausgedacht: Klaus Kinski ist gar nicht tot, sondern haust als Steuerflüchtling bei Werner Herzog unterm Dach. Mit den Worten von François Villon dichtet er dort keine Geringere als Angela Merkel an. Eine Szene später berät sich die so Verehrte mit ihren Hofschranzen, was sie mit den per SMS anonym übermittelten erotischen Avancen anfangen soll. Fast wie im Film wird hart umgeschnitten auf einen Krisenstab namhafter Politiker. Sie wittern in der Bundeskanzlerin eine Altkommunistin, die der Honecker-Herrschaft zu spätem Sieg verhelfen will. Wer am Ende gewinnt, verraten wir nicht.

Kröhnert stellt alle diese Gestalten im Renitenztheater selbst dar, er fällt blitzartig von einer Rolle in die andere und braucht dazu nur drei Requisiten: eine Merkel-Perücke, die ihn verblüffend ähnlich wie die Kanzlerin aussehen lässt, einen Rollstuhl, in dem Innenminister Schäuble sitzt, und eine Krücke, auf die sich zuletzt Otto Graf Lambsdorff stützt. Alle anderen Verwandlungen zaubert der famose Lachkünstler mittels Gestik, Mimik, Stimmlage und mundartlicher Färbung auf die Bühne.

Von unser aller Richling unterscheidet sich der aus Nordbaden stammende Parodist vor allem dadurch, dass er"s langsam angehen lässt. Eher bedächtig entfaltet er ein satirisches Sittengemälde, sorgsam die Worte wägend - womöglich mit dem Anspruch, politisches mit literarischem Kabarett zu verbinden. Der Wechsel der Ebenen und Zeiten bis über den Tod hinaus tut ein Übriges, dem Abend künstlerische Weihen zu verleihen. Genaues Hinsehen und Mitdenken ist allerdings gefragt, wenn sich Kröhnerts Humor im Saale breit machen soll. Das Renitenztheater, wo er einst seine Laufbahn im Hausensemble begann, hat ein solch aufmerksames Publikum. bwk

Weitere Auftritte am Freitag und Samstag um 20 Uhr sowie am Sonntag um 18 Uhr
 

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Süddeutsche Zeitung  vom 16.05.2008

Münchner Kultur

Stalin in Merkels Körper  

Der Kabarettist Reiner Kröhnert in der Lach- und Schießgesellschaft

Klaus Kinski sitzt im Sessel und rezitiert François Villons „Ballade von der Mäusefrau”. Eine Reminiszenz an längst vergangene Zeiten? Nein. Reiner Kröhnert deckt in seinem Programm „Königin der Macht” in der Lach- und Schießgesellschaft auf, was keiner für möglich hält und doch jeder gern glauben will: Klaus Kinski lebt. Werner Herzog hat ihn auf seinem Dachboden vor der Steuerfahndung versteckt. Dort sitzt er jetzt also, rezitiert und – schwärmt. Keine Geringere als Angela Merkel hat es ihm angetan: „Wie meine Träume sie umkreisen, für die kein andrer solches fühlt.” Ihr schickt er Verse und bringt sie so aus der Fassung, dass sie um das „Bollwerk ihrer erotischen Abwehrbereitschaft” fürchtet.

Die Verwirrung der Kanzlerin kommt Wolfgang Schäuble wiederum gerade recht. Er deckt ihre Gefühlswallungen mittels umfassender Abhörmaßnahmen auf und plant mit Gerhard Schröder, Edmund Stoiber und Helmut Kohl den Kanzlerinnenmord oder zumindest -sturz. Sie versteigen sich in Verschwörungstheorien, in denen die Merkel bis heute aktives Stasi-Mitglied, ja „der wiedergeborene Stalin, gefangen im Körper einer schlecht frisierten Frau” sei.

Reiner Kröhnert schreckt vor nichts zurück in seinem Programm, er bringt zusammen, was nicht zusammen gehört, aber erstaunlich gut zusammen passt. Er schraubt sich in immer abstrusere Querverbindungen und entführt seine Zuschauer in ein Panoptikum der Eitelkeiten, das sich Bundesrepublik Deutschland nennt.

ANNE FRITSCH

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MÜNCHENER ABENDZEITUNG DONNERSTAG , 15 .5.2008 WWW.ABENDZEITUNG.DE

LACH & SCHIESS: POLITPARODIST REINER KRÖHNERT

Gesimste Liebeslyrik

 

Parodien von Politikern sind ein eher zweischneidiges Schwert des Satirikers: Nuancen entscheiden,

ob erhellendes politisches Kabarett gelungen oder eine Nummer nur ein Schenkelklopfer auf Kosten

anderer ist. Reiner Kröhnert hat die Politiker-Imitation nicht nur zu seiner Lebensaufgabe

gemacht, sondern auch zu einer Theatergattung entwickelt, deren virtuosester Vertreter er selbst ist.

Mit minimalen, fast ausschließlich schauspielerischen Mitteln erzielt er maximale Wirkung: Eine kaum

merkliche Änderung der Haltung, ein leichtes Verlagern der Mundwinkel, unauffälliges Verrutschen

der Stimme, und schon wird aus der Bundeskanzlerin ihr Hintze oder Pofalla auf der „Kriechspur".

In seiner aktuellen Show „Königin der Macht" lässt der Parodist aus der Kurpfalz nicht nur wieder

alle Gestalten aus dem politischen Milieu antreten, sondern auch Klaus Kinski, der nicht tot ist,

sondern auf der Flucht vor derSteuerfahndung auf dem Dachboden seines „Stiefelknechts"

Werner Herzog Asyl fand. Dort betört ihn der „Tigerinnendunst" von Angela Merkel, deren „sinn-

liche Synapsen" er mit gesimster Liebeslyrik im Villon-Sound in Wallung bringt. Was Kröhnert in

der Lach & Schieß zeigt, ist ebenso ein bizarres Künstlerdrama wie ein durchgeknallter Politthriller,

der umso realistischer scheint, je weiter er sich von aller Wahrscheinlichkeit entfernt.

Mathias Hejny

Lach & Schieß, bis 24. Mai, Di – Sa, 20 Uhr, & 39 19 97

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www.kn-online.de

nordclick/kn vom 02.04.2008 01:00:00

Poesie unterm Parodiepapier

 

Erweist sich in seinen Parodien als Minimalist: Reiner Kröhnert.Foto Schaller

Erweist sich in seinen Parodien als Minimalist: Reiner Kröhnert. Foto Schaller

Kiel – Rotes Poesielicht, aus dem mit bebenden Lippen ein Wiedergänger seine lüsternen Verse schnitzt. Klaus Kinski ist von den Untoten auferstanden und wähnt sich als einziger fähig, „den Falter im Wurme zu sehen, das Bütten unterm Packpapier“ jenes „tigerinnendünstenden Wurzelhaars“, das unsere Kanzlerin nur leidlich schmückt.
Wer nur hinhört im ausverkauften KulturForum, meint den Leibhaftigen vor Ohren zu haben, wer auch hinsieht, erkennt in der Lippen fletschenden Grimasse erst auf den zweiten Blick den Parodisten Reiner Kröhnert. Der sich blitzschnell vom liebeskeifenden Kinski in dessen jovialen Mentor Werner Herzog verwandelt, um wenig später mit dem typischen Flunschmund und Tänzelschritt – die „Wurzelhaar“-Perücke braucht er nur gelegentlich als Requisite – als Angela Merkel hinter dem Szenenvorhang hervorzutreten. Beginn eines Reigens von gegenwärtigen bis ewig-gestrigen Politikern – vom verfolgungswahnsinnigen Schäuble („auch ich roch an der Achsel des Bösen“) und den Wetteiferern auf Merkels generalsekretierender Kriechspur Hintze und Pofalla über die „Elder Statesmen“ Schröder, Kohl und Honecker bis zu den Antipoden Stotter-Stoiber und Revoluzzer-Rhethoriker Cohn-Bendit. Um nur einige zu nennen, die Kröhnert im virtuosen Dia-, Tria- bis zum Heptalog durch sein Pandämonium der real existierenden Politik treibt.
Im Parodieren erweist sich Kröhnert als Minimalist, dem neben den perfekt imitierten Stimmen, genauer: deren Sprachgesten, und typischen Wendungen wie etwa Schröders „Jetzt aber mal im Ernst“ allein die Körperhaltungen genügen, um seine Pappkameraden authentisch lebendig werden zu lassen. Ein Fest beständiger Verwandlungen im Zehnsekundentakt, wenn der Krisenstab tagt und überlegt, wie die Männerriege Merkel entsorgen könnte. Denn die von Kinskis „schlüpfrigen SMS“ erogen Entfachte wird zum Sicherheitsrisiko. Freilich hat die Königin der Macht das Spiel längst durchschaut und die Männer zu Marionetten ihrer selbst gemacht – und des Parodisten, der sie sich selbst decouvrieren lässt und zur Kenntlichkeit entstellt.
Das Erstaunliche an Kröhnerts Politparodien ist die Poesie, die unter den Charakterfresken hervorlugt wie ein Kassiber des Kabarettisten. So wird Honeckers letzte Rede wider den „faschstsch-imperialistschschn“ Klassenfeind trotz aller typischer Nuscheleien des Fistelstimmigen zur rhetorisch ausgefeilten Suada, der man fast nachjubeln möchte. Und selbst Schäuble scheint metaphernschwangerer als „in Wirklichkeit“. Von Kinskis Minnesang in „Krüppelversen in die morsche Rinde meiner Seel' geritzt“, zuweilen gar im elegischen Distichon gereimt, nicht zu schweigen. Inmitten der Lachsalven ob solcher parodistischer Punktlandungen entsteht so eine Art „V-Effekt“, ein lyrischer Unterton, der aus dem lachhaften Ränkespiel zwischen Liebe, Macht und Intrige eine wahrhaft „Göttliche Komödie“ generiert – oder auch ganz großes, ernstes Theater.
Von Jörg Meyer

 


Im Internet finden Sie diese Meldung unter der URL:
http://www.kn-online.de/artikel/2333259

 

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Kabarett: Kröhnert trifft alle - auch die Kanzlerin

HAMBURG -

Politiker zu parodieren ist das eine, daraus ein Theaterstück zu machen, große Kunst. Reiner Kröhnert kann beides. Der seit 20 Jahren auf dem Felde der mimischen und stimmlichen Überzeichnung herausragende Kabarettist lässt auch in seinem jüngsten Streich (Regie: Wolfgang Marschall) nicht von der Kanzlerin ab: Um die "Königin der Macht" hat er eine Posse konstruiert, die bei der Premiere im Lustspielhaus faszinierte und amüsierte.

Überwachungsstaat, Turbo-Kapitalismus und Stasi-Verstrickungen - Themen, die Kröhnert parodistisch angeht. Den Krisenstab um "Big Brother" Wolfgang Schäuble, Kohl, Schröder, Stoiber und Merz eint ein Ziel: die Absetzung von Merkel! "Wenn die Alte ungehindert am Markt bleibt, macht sie noch den Weg frei für alle Quotenquallen des Postfeminismus", wettert Schröder. Ein weiterer Brüller: der Dialog von "Gerd" mit dem Genossen "Strucki" und der Forderung "BMW = Beck muss weg!" Aber auch die CDU trifft Kröhnert mit Parodien auf die Generalsekretäre Pofalla ("Der Limbo-Meister unter den Duckmäusern") und dessen Vorgänger Peter Hintze. Und an Michel Friedman und Wolf Biermann hat sich bisher auch noch keiner gewagt. Ob nun sie oder der ewig schlüpfrige Merkel-Verehrer Klaus Kinski mitsamt "Stiefelknecht" Werner Herzog - alle haben die Rechnung ohne "Angie" gemacht. Die gibt Kröhnert mal mit, mal ohne Perücke, allein ihr aufrechter deutscher Gang erheitert.

· Königin der Macht bis Sa 9. Feb., jew. 20 Uhr, Lustspielhaus, Ludolfstr. 53, Kartentel. 55 56 55 56.

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erschienen am 7. Februar 2008

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08.01.2008 / Berlin/Brandenburg / Seite 19

Erotisch grundiertes Polittheater

Reiner Kröhnert agiert als »Königin der Macht« im Tränenpalast in der Urania

Von Tom Mustroph

Wozu braucht dieses Land Bundestag und Bundesregierung, wenn es doch bereits Reiner Kröhnert hat? Der vor 50 Jahren im badischen Schriesheim geborene heutige Komiker hat nämlich das Potenzial, das gesamte Politpersonal seit der Erfindung des Fernsehens in Stimme, Gestus und Denkstruktur zu verkörpern.

Er ist der sich proletenhaft gebende und an den eigenen Witzlein sich berauschende Gerhard Schröder, er kitzelt die Banalität aus dem sonoren Organ Peter Strucks. Phänomenal seine Hände reibende Interpretation vom Innenminister und Oberüberwacher Wolfgang »Big Schäuble«. Klasse getroffen das »Kriechspur«-Duo Hintze und Pofalla.

Da in seinem aktuellen Programm »Königin der Macht« im Tränenpalast aber nur eine im Mittelpunkt stehen kann – Angela Merkel, die Kröhnert von der Betonfrisur über die hängenden Wangen und den bekannten farblos-nachdrücklichen Sprachgestus bis hin zum saloppen Hüftschlenker perfekt simuliert –, werden auch prägende Ost-Figuren wie Erich Honecker und Wolf Biermann aufgeboten.

Honeckers dünnes Stimmchen darf die Linkspartei als revisionistische Gurkentruppe abfertigen, während Biermann stereotyp in Kommunistenhass baden kann. Weil Merkel außerdem eine Frau ist, kommt die Komponente Liebe und Begehren ins Programm. Ausgerechnet Womanizer Klaus Kinski – sein Tod ist aus Steuergründen vorgetäuscht – ist schon aus der Ferne dem »Wurzelhaar« und dem »Tigerinnendunst« der Kanzlerin erlegen und bombardiert sie mit schlüpfrigen SMS.

Regisseur Werner Herzog als selbst ernannter Diener des blondbösen Schauspielgenies und gleichzeitiger Inszenierer der wöchentlichen Angie’schen Internetansprachen ans Volk arrangiert eine Begegnung der beiden. Die von den Fernbotschaften aufgewühlte Kanzlerin gerät nun in Gefahr, auch bei Attacken politischer Gegner oder – noch schlimmer – Parteifreunde, durchlässiger zu werden. Schäuble, der sich genussvoll als »Big Schäuble isch watching you« und, noch besser »Big Schäuble isch schmelling you« in Positur bringt, versammelt all jene bei Merkels Weg an die Macht zur Seite gerollten einstigen politischen Schwergewichte. Er hat seine Chefin abgehört und deren bedenkliche, mit MfS-Raffinesse bislang verborgene Neigung zum Marxismus-Leninismus aufgespürt. Während Schäuble und Schröder sowie Kohl und Merz nun im Namen der Demokratie über eine Badewannenlösung à la Barschel nachdenken, hat die listige Angie indes Big Schäuble selbst abgehört und schmiedet ihrerseits an schönen Machtkonstellationen.

Kabarettist Reiner Kröhnert bewegt sich voll offensichtlichem Genuss in diesem absurden Szenario. In Sekundenschnelle wechselt er von Figur zu Figur und offeriert ein erotisch grundiertes Politpuppentheater von hohem Amüsement.

Vom 9.-11., 15.-20., 23.-27.1., und 30.1.-2.2., 20 Uhr, Tränenpalast, Urania, An der Urania 17, Schöneberg, Tel.: 20 61 00 11, www.traenenpalast.de

URL: http://www.neues-deutschland.de/artikel/122028.html

 

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7. Januar 2008

Angela Merkel, die "Königin der Macht", in der Urania

Reiner Kröhnerts verrückte Politparodie könnte wahr sein

Der alte Klaus Kinski lebt - und leidet! Nicht nur, weil ihn ausgerechnet Regisseur Werner Herzog seit Jahren vor der Steuerfahndung versteckt, für den oberexzentrischen Schauspieler eine Hölle marodierender Mittelmäßigkeit, sondern auch, weil der wüste Mime nach dem Tigerinnendunst von Angela Merkel lechzt. Deshalb schickt er ihr gleich tonnenweise verruchte Liebeslyrik. Angie fährt die laszive Sprachgewalt durch Mark und Mieder. An Regierungsroutine ist da wirklich nicht mehr zu denken.

Von Big Brother Wolfgang Schäuble komplett verwanzt, ahnt sie nicht, dass jede ihrer Bewegungen aufgezeichnet wird. Bald schon tagt der Krisenstab politischer Feinde und bastelt am Sturz der Kanzlerin. Für ihren Vorgänger Gerhard Schröder eine klare Sache: "Wenn die Alte ungehindert am Markt bleibt, macht sie noch den Weg frei für alle Quotenquallen des Postfeminismus."

"Königin der Macht", der neuste Streich von Reiner Kröhnert, dem Zen-Meister der Politparodie, kommt bei der Berlin-Premiere in der Urania fast wie ein Theaterstück daher.

Der Satiriker aus der Kurpfalz hat ein derart verrücktes Szenario mit so lebensechten Figuren entworfen, das es schon wieder wahr sein könnte. Wie wir wissen, ist in der Welt der Politik ja auch einfach alles möglich. Zumal unter der komödiantischen Oberfläche das greifbar nahe Schreckgespenst des totalen Überwachungsstaates und des Turbokapitalismus lauert.

Reiner Kröhnert bedarf für seine perfekten Karikaturen kaum einer Requisite: Er tänzelt wie Merkel im Schulter-Pass-Gang mit wackelndem Kopf. Dann kriecht er als Duckmäuserduo Peter Hintze und Ronald Pofalla über die Schleimspur, tritt als stimmlich starker Peter Struck mit kernigen Sprüchen auf und holt trickreich seine Lieblingsfiguren aus der Vergangenheit zurück. Wir begegnen an diesem Abend einem ungewohnt bissigen Helmut Kohl und einem bis zum Anschlag nuschelnden Erich Honecker, der nicht weiß, wie ihm geschieht. Eine hinreißende Polit-Posse mit vielen Glanzpunkten.

Urania

An der Urania 17, Schöneberg,

Tel.: 20 61 00 11. Vorstellungen: 9.-11., 15.-20., 23.-27. & 30. Januar bis 2. Februar, jeweils 20 Uhr.

Königin der Macht

Ulrike Borowczyk

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Wiesbadener Kurier

vom 17.Dezember 2007

Kinski lebt und betet Angie an

Pariser Hoftheater: Reiner Kröhnert parodiert die "Königin der Macht"


Kabarettist Reiner Kröhnert führt mit "Angie" ein groteskes Polit-Panoptikum vor. wita/Stotz
 
Von Peter Müller

WIESBADEN Kinski lebt! Immer noch oder wieder - das ist so genau nicht überliefert. Aber vielleicht hatte er sich ja tatsächlich nur vor der Steuerfahndung auf dem Dachboden verkrochen. Auf jeden Fall ist der Ober-Exzentriker weiterhin ziemlich wild auf einen Erdbeermund. Und "de Klaus" wird bei dieser Suche nach ultimativ sinnlicher Ekstase und künstlerischer Erlösung natürlich unterstützt von einem devoten Adlaten: Starregisseur Werner Herzog. Als bekennender Stiefelknecht des hassgeliebten Schauspielgenius hat er einiges zu moderieren, denn Kinskis aktuelles Objekt der animalischen Begierde ist ausgerechnet "Äindschi" - die "Königin der Macht".

Ihr schickt er, betört von Wurzelhaar und Tigerinnendunst, schlüpfrig triefende Liebeslyrik ins Kanzleramt, wahlweise satanische SMS-Verse direkt in den Plenarsaal - Angelas Bollwerk erotischer Abwehrbereitschaft bröckelt. Fast regierungsunfähig holt sie ostalgisch lispelnd Rat ein - bei Parteifreund Friedman, der allerdings noch nie "einer schä(n)dlichen Versuchung widerstanden" hat.  

Also vielleicht doch eine Zweitmeinung von der Kriechspur, wo Pofalla mit Pastor Hinze um die Wette schleimt, gegen Rainer Langhans und das "unsägliche 68-er-Erbe wild kopulierender Kommunarden" wettert. "Halt!" tönt es dann aber von der rollenden Kommandozentrale, wo "big brother" Schäuble die Stopptaste drückt: "War gar nicht live, alles Aufzeichnung!". Es wird nämlich fleißig observiert, verwanzt und festplattenunterwandert in Orwell-Land, das den Generalverdacht in einem schrulligen "Merkel muss weg"- Krisenstab feiert: Brioni-Belzebub Schröder, "ääähhh"-Stoiber, "Ich war dabei" - Dauerrevoluzzer Cohn-Bendit, Bierdeckel-Merz und Bimbes-Kohl - Reiner Kröhnert, der Zenmeister der Parodie hat sie alle versammelt. Und kein Szenario scheint dem genialen Imitator aus Kurpfalz zu bizarr, als dass er es in seinem grotesken Polit-Panoptikum nicht vorführen könnte. Die Person auf das Klischee reduziert, Gestus und Attitüde zur Posse überzeichnet, formt Kröhnert großartige Karikaturen, die erschreckend nah am Original sind.

Requisiten braucht er dazu auch im restlos ausverkauften Pariser Hoftheater kaum: Ein Sessel, Schäubles Rollstuhl, Merkels Wurzelhaar und die schon kultige Honecker-Gedächtnis-Pelzmütze - das muss genügen, um dennoch Liebe und Tod, die großen Motive des Theaters, mit Intrige und Macht, den großen Themen der Politik, zu einem bissigen, aber eben auch virtuosen Ganzen zu verschränken. In diesem wahnwitzigen Bühnenkosmos ist dann einfach nichts unmöglich: "Angi" trifft andere "Quotenquallen des Post-Feminismus" und der liebestolle Herr Kinski sabbert "Holla die Waldfee" seiner Angebeteten ins blasse Antlitz. "Die Königin der Macht" aber hat mit Guido Westerwelle längst zum schwarzgelben Gegenschlag ausgeholt. Neoliberal, oder so.

              

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Pikante Probleme der Politik

19.10.2007

Von Peter Dietrich

Nicht nur Elvis lebt, auch der angeblich 1991 verstorbene Klaus Kinski. Denn in Wirklichkeit hat Regisseur Werner Herzog den Schauspieler vor der Steuerfahndung auf dem Dachboden versteckt. Von dort schreibt Kinski schlüpfrige Texte an Kanzlerin Angela Merkel. So beginnt Reiner Kröhnerts siebtes, genussvoll-bissiges Soloprogramm „Königin der Macht".Requisiten setzt Kröhnert nur sparsam ein - einen Sessel, einen Rollstuhl, seine Angela-Perücke. Doch mehr braucht er nicht, denn er begeistert mit Gestik, Mimik und wandlugnsfähiger Stimme. Zur ersten Aufführung bei den Galgenstricken kam ein altersmäßig gemischtes Publikum. Mit hörbarem Vergnügen verfolgte es Kröhnerts schnelle Verwandlungen - manchmal wechselte er seine Rolle mitten im Satz.Was macht Angela, als sie jeden Tag schlüpfrige Briefe bekommt, die SMS-Nachrichten sogar mitten in der Plenarsitzung eingehen? Sie tut das, was man von ihr erwartet: Sie holt Rat. Vielleicht hätte sie das nicht beim Parteigenossen Michel Friedman tun sollen, der zu ihr meint, er „habe noch nie einer schädlichen Versuchung widerstanden". Also ab zur Zweitmeinung, um die zu geben sich Roland Pofalla mit einem Pastor auf Hallig Hooge streitet. Der Pastor brandmarkt Michel Friedmans Rat, sich gehen zu lassen, als „satanische Verse", Pofalla wettert gegen „das unsägliche 68er-Erbe wild kopulierender Kommunarden".Halt, schaltet sich ein glänzend gespielter Wolfgang Schäuble ein, was Sie bisher gesehen haben, das war gar nicht live - das waren alles Aufzeichnungen. Die müssen sein, wenn eine Nation unter Generalverdacht steht, wenn sogar Heiner Geißler bei Attac Mitglied wird, jenem direkten Nachfolger der Baader-Meinhof-Bande.

„Beck muss weg"

Ex-Kanzler Gerhard Schröder hat da ein ganz anderes BMW-Problem: „Beck muss weg." Doch wie soll das gehen, diskutiert Schröder mit Peter Struck, trotz Becks völliger Mobbingresistenz? Wenn weder die geschulte VW-Brasilianerin noch der als Weinkönigin verkleidete Stricher etwas ausrichten kann? Wenn als Ergebnis der Steuerfahndung Beck nur eine große Rückzahlung bekommt, die er dann auch noch spendet?

Doch es kommt noch schlimmer, denn Angela kündigt ihre Autobiographie an. Das sieht für Schäuble, Kohl, Merz, Schröder und Stoiber gar nicht gut aus und führt zur Krisensitzung. Wie kann die „olle Fregatte" (O-Ton Schröder) am besten versenkt werden? Denn, so befindet Krisenstabsleiter Schäuble, das größte deutsche Sicherheitsrisiko sei nicht mehr der Islamismus, sondern Angela Merkel. Überhaupt, wie ging das damals im Osten, dass die Pfarrerstochter trotzdem Physik studieren konnte? Ist die Angi gar eine verkappte Kommunistin? Da hilft es auch nicht, dass Pofalla und Peter Hintze für sie die Hand und mehr ins Feuer legen. Muss Schröder eine SMS an seinen Freund Vladimir schicken?

Doch die Kanzlerin schafft sie alle, hat sie doch selbst die falschen Spuren nach links gelegt und längst Schäubles Rollstuhl verwanzt. Während sie in aller Ruhe mit ihrem politischen Partner am Sieg des Neoliberalismus arbeitet: „Männer sind manchmal einfach zu doof, wie siehst du das, Guido?"

Nach zwei Stunden, bevor die mühsam antrainierten Sprachfehler zu sehr an ihm kleben bleiben, verabschiedet sich Kröhnert. Mit viel Beifall - und einer bösen Klimarede von Angela.

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Westfalenpost 13.10.2007

Politprominenz mit minimaler Mimik und Gestik auf der Bühne

Kabarettist Reiner Kröhnert begeistert mit neuem Soloprogramm „Königin der Macht"

Von Gabriele Schmitz

Belecke. Während die meisten seiner Kollegen in das publikumssichere Comedygenre gewechselt haben, hält er unbeirrt das Erbe der fast ausgestorbenen Politparodie à la Hans-Dieter Hüsch oder Dieter Hildebrandt hoch. Reiner Kröhnert gastierte am Donnerstag mit seinem neuen Soloprogramm „Königin der Macht" in der Theateraula. Mit straßenköterblonder Pagenkopfperücke, herunterhängenden Mundwinkeln und tranigem Blick betritt Kröhnert die Bühne. Die hochgezogenen Schultern lassen das schlabberige Männerjackett zu eng wirken, sorgen für einen winzigen Radius der Arme. „Schlüpfrige Briefe" Mit trippelnden Pinguinschrittchen watschelt er zum Bühnenrand, wippt kokettschüchtern mit den Knien, den Kopf immer leicht nach vorn gestreckt. Da bedarf es keiner Akustik — Gestik und Mimik sind von verblüffender Ähnlichkeit: Angela Merkel lässt bitten... und noch einige Sekunden wirken, dann lispelt´und knödelt sie los. „Ich bekomme schlüpfrige Briefe!" Als sei dies nicht schon suspekt genug, setzt Kabarettist Kröhnert noch einen drauf: Die anstößige Liebeslyrik wird nämlich vom wiederauferstandenen Klaus Kinski verfasst. Regisseur Werner Herzog hatte ihn lediglich ein paar Jährchen auf dem Speicher versteckt, um mit ihm ein „cineastisches Meisterwerk" zu schaffen. „Der Klaus" tobt auch bald „herrlich impulsiv und animalisch" über die Bretter und schwankt zwischen aggressivem Arroganzgezeter („Halts Maul, Herzog. Du weißt doch einen Scheiß!"), kraftvoller Pornoprosa und starken Romantikreimen hin und her: „Ich warte auf ein Liebeszeichen. Dein wildes Wurzelhaar greift wie Tentakel nach meinem Schoß. Ich fühle dies mit meinem Herzen, geschrieben ist’s mit meinem Blut!" So viel auf sie zentrierte Erotik stürzt Frau Merkel in eine emotionale Krise. Bevor ihr „Bollwerk der Gegenwehr" endgültig vor dieser machtvollen Sprachgewalt kapituliert, sucht sie Rat bei den Kollegen Friedman, Hinze und Pofalla. Während Michel Friedman zur (erotischen) Affäre rät, warnen die beiden anderen vor dem „langhaarigen Haremsführeraus den 68-ern und seinen satanistischen Versen". Aber auch die alte Garde der missgünstigen Parteiproleten lässt Kröhnert mitmischen. Pointiert und effektiv, schauspielerisch auf das Wesentliche reduziert, taucht die Schäublesche Kommandozentrale auf. Hier bohrt Kröhnert böse in die Affären aller Versammelter: Kohl, Schröder, Merz, Stoiber und Co. — alle bekommen sie ihr Fett ab — und glauben sich doch auf der sicher (verwanzten) Seite: „Schäuble is watching and smelling you!" Gemeinsam versuchen sie „dem Mädel" beizukommen, mutmaßen warum die „Machtmatrone mit den miesen Manieren" wohl so beliebt sei und sehen sich plötzlich einer geballten weiblichen Konkurrenz gegenüber: „Wohlmöglich kommen da noch mehr Quotenqallen auf uns zu oder sie koaliert mit dem Latexluder Pauli!" Zum Schluss trägt die Frau Bundeskanzlerin den Sieg davon, hat sie doch nicht nur Schäubles Rollstuhl verwanzt, sondern auch mit Guido Westerwelle den Neoliberalismus unterstützt. Kraft der Sprache Kröhnert zeichnete seine Figuren mit minimaler doch treffender Gestik und Stimme. Das wohl ausdrucksstärkste Werkzeug ist die Treffsicherheit und Kraft seiner Sprache. Dies lässt das aktuelle Programm aber vor allem im zweiten Teil etwas überlaufen. Zwei parallele Handlungen, rasant wechselnde Personen, viele Rückblicke und vielleicht etwas zu viele, längst fast vergessene Andeutungen, lenken manchmal vom roten Faden ab und unterdrücken dessen Ironie.Dennoch konnte sich das Publikum sehr gut unterhalten fühlen und brachte dies beim Schlussapplaus nicht nur durch minutenlanges Klatschen, sondern auch durch einen „Bravo-Ruf" zum Ausdruck. Seit vielen Jahren gab es diese Art der Beifallbekundung in der Aula nicht mehr — bemer(kel)nswert! Ist irritiert von wilden Liebesbezeugungen, die ihr „Bollwerk der Gegenwehr" nieder zu reißen drohen: Die „Königin der Macht", fein gezeichnet von Reiner Kröhnert.

Foto: Gabriele Schmitz

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Stunden im typischen Schulter-Pass Gang

Kröhnert und seine Beziehung zu „Angie"

Belecke. Kabarettist Reiner Kröhnert gastierte mit seinem neuen Soloprogramm „Königin der Macht" in der Theateraula Belecke. Was ihn so an der

Bundeskanzlerin fasziniert, erläuterte er im Gespräch.

Westfalenpost: Was mögen Sie an Angela Merkel?

Reiner Kröhnert: Dass sie die Männerwelt so schön durcheinander wirbelt. Die ist ganz schön taff, die Frau, ob Kohl oder Schröder oder Stoiber,

irgendwie hat sie sie alle „gekriegt".

Frage: Haben Sie das sofort an ihr erkannt?

Kröhnert: Nicht gleich....aber früher als so manch anderer. Viele haben Roland Koch als Kanzler favorisiert.

Viele waren von ihrer Vehemenz überrascht. Nachdem sie zunächst Stoiber den Vortritt gelassen hat, war mir klar, dass sie Schröder beerben wird

und mein letztes Programm „Angie goes Hollywood" geschrieben...

Frage: Wie lange lebt „die Angie" jetzt bei Ihnen zu Hause (und in Ihrem Kopf)?

Kröhnert: Nachdem sie den legendären Aufsatz in der FAZ geschrieben hat, damit den Kohl gestürzt hat. Da hat das Mädel doch wohl mehr gewusst

als geahnt. Ich habe mich natürlich auch schauspielerisch mit ihr auseinander gesetzt. Ich weiß noch genau, als ich die Merkel in Hamburg zum

ersten Mal geben wollte, bin ich vor der Aufführung stundenlang in diesem typischen Schulter-Pass-Gang durch das Theater

gerannt. Später entdeckte ich dann den Muskel für die charakteristischen Merkel-Lefzen.

Frage: Hat sich Frau Merkel in dieser Zeit ihrer intensiven Beobachtung verändert?

Kröhnert: Ganz klar! Macht macht auch ein bisschen schön (lacht) und sie strahlt diese innere Zufriedenheit aus. Sie macht beruflich genau das,

was sie immer machen wollte.

Frage: Merkeln Sie im Privaten? Haben Sie etwas von ihr angenommen?

Kröhnert: So ab und an ihr bübisch Verstecktes. Ich betrachte Frau Merkel im übrigen als Kollegin, als Satirikerin. Sie besitzt die Kunst des inneren

Hohngelächters.

Frage: Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Kröhnert: Ich werde in den nächsten Monaten mit meinem neuen Programm durch die Republik ziehen.

Mit Reiner Kröhnert sprach Gabriele Schmitz.

 

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HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

5.Oktober 2007

Kinski trifft wieder

Reiner Kröhnert im Theater am Küchengarten

VON UWE JANSSEN

Reiner Kröhnert ist der Marathonmann des politischen Parodie-Kabaretts. Gerade ist er unter dem Motto „Königin der Macht" mit einer runderneuerten Mannschaft in die Saison gestartet und gastiert zurzeit im Theater am Küchengarten.

Der Spielverlauf:

Bundeskanzlerin Merkel wird von einem anonymen Verehrer angehimmelt, der sich als der untote Klaus Kinski entpuppt. Ihre Gefühlswelt gerät völlig durcheinander, sie sucht Rat bei Parteikollegen während eine Gruppe von ehemaligen Wegbegleitern und Missgünstlingen einen Krisenstab bildet und die Chance zur Abrechnung gekommen sieht.

Hier die Akteure in der Einzelkritik:

Angela Merkel: Elegant in Bewegung und Ausdruck, starke Frisur, gute Ansprache an die Mitspieler, Führungsqualitäten, hohe Spieldauer.

Wolfgang Schäuble: Regisseur im Krisenstab, anfangs Schwäbelprobleme, später sehr souveräner Ton.

Peter Hintze: Untertänigst, spitzmündig, versteht sich blind mit

Ronald Pofalla: lässige Arroganz, im Duckmäuserduo mit Hintze kaum zu bezwingen.

Gerhard Schröder: Anlaufschwierigkeiten, dann sicherer Stammtischspieler mit routiniertem Thekenslang.

Peter Struck: Nur kurz eingewechselt, aber sehr stark. Vorbildlich in Haltung, Stimme und Charakter. Ein Volltreffer.

Edmund Stoiber: Bleibt blass, ein paar gute „Äääähs", sonst wenig Bindung zum Spiel. Diese Position spielen andere besser.

Guido Westerwelle: Sehr weiblich, erinnert im Tondrang stark an die frühere Mitspielerin Rita Süßmuth.

Friedrich Merz: Unauffällig, aber effektiv, sehr gut in Tonlage und Dackelblick.

Helmut Kohl: Hat viele Kabarettjahre hinter sich. Immer noch für einen guten Einwurf gut, wirkt aber insgesamt müde.

Daniel Cohn-Bendit: Der deutsch-französische Dribbelkünstler greift spät ins Geschehen ein, setzt aber mit seiner revolutionären Spielweise einige Glanzpunkte.

Wolf Biermann: Erfrischend deprimiert, ganz der alte Kämpfertyp.

Klaus Kinski: Als steuerflüchtiger Untoter sofort im Spiel. Starke Szenen direkt nach der Pause, später aus der Partie genommen. Niemand sagt so poetisch  „Riesenarschloch" zu

Werner Herzog: ergebener Stiefelknecht Kinskis und Vermittler zwischen seinem Meister und Merkel. Überzeugend.

Michel Friedman: Überheblich, besserwisserisch, so wie man ihn kennt. Gute Vorlagen, treibt das Spiel voran.

Erich Honecker: Großer Auftritt im zweiten Durchgang, nuschelfest, vokabelsicher. Nach gut zwei Stunden plus Nachspielzeit

verdienter Jubel und ein klarer Sieg für das Team Kröhnert.

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Donaukurier

 6.3.2006                                  online

Der Untergang des Abendlandes ist unvermeidlich

Karl Leitner, Donaukurier

Ingolstadt (DK) Der Untergang des Abendlandes ist unvermeidlich. Nicht wegen durchgeknallter Terroristen, außerirdischer Invasoren oder schmelzender Polkappen, nein, ganz allein wegen geballter Inkompetenz und grenzenloser Dummheit hierzulande. Also Augen zu und durch? – Wie wäre es, darüber einen Film zu drehen, der natürlich nicht anders als "Crash" heißen kann, mit all jenen als Protagonisten und Komparsen , die das Boot zielsicher in Richtung Abgrund steuern? Also gut, Angela Merkel ist der Star des Streifens, Schröder, Müntefering und Stoiber streiten sich um die optimale Kleinrolle.

Reiner Kröhnert lässt in seinem Programm "Angie Goes Hollywood" bei den Kabaretttagen nicht weniger als 17 Figuren aufmarschieren, darunter auch bereits ausgemusterte Leinwandhelden wie Norbert Blüm, Rita Süssmuth und Erich Honecker, lässt sie ohne Medienberater von der Leine, wodurch sie sich notgedrungen um Kopf und Kragen quasseln, offenbart Einblicke in deren Seelenlage, präsentiert deren Oberstübchen als gedankenfreie Zone, stellt sie dar als Figuren, die unabhängig von Profession und Geschlecht die gleichen Worthülsen absondern. Kröhnert ist politischer Kabarettist, da soll man über die da oben lachen, klar, und so gibt es auch jede Menge komischer Szenen – etwa die, in denen Friedrich Merz, Norbert Blüm und Edmund Stoiber ihren jeweiligen Jahrhundertsatz in die Welt hieven – ulkige weil täuschend echte Parodien.

Doch das ist es nicht eigentlich, denn Kröhnert arbeitet mit einer hinterhältig versteckten zweiten Ebene, die sich erst Mitte der ersten Hälfte richtig offenbart, dann aber immer wichtiger wird und am Ende zu der Feststellung führt "Diese Dummköpfe sind selbst dafür zu blöd, sich selber zu spielen!" und zu der Frage "Was sollen die Intelligenten tun, wenn die Idioten die Macht im Lande übernommen haben?" Sie sollten zumindest auf diese Tatsache hinweisen, wie Kröhnert es tut, der am Ende eine eher düstere Vision entwirft von den Zeiten, die unserem "total verblödeten Volkswesen" erst noch bevorstehen – und zwar nicht im Film, sondern in der Realität.

Gibt es einen Ausweg? Revolution geht nicht, schließlich sind wir in Deutschland, die Rückkehr zum Grundvertrauen in die Obrigkeit geht auch nicht, nicht bei dem von Kröhnert vorgestellten Personal. Bleibt nur der "Spaß am Untergang" – den gab’s schon mal, auch als Kabarettprogramm – oder besser, ganz im Sinne des ungebremsten Kapitalismus: "Lasst uns nicht in den Film, sondern in den echten Crash investieren." Ein Resumee? – Ein zweifaches: Die Lage ist ernst, auch wenn man herzhaft über Superstar Angie und ihr Fußvolk lachen muss, und: Reiner Kröhnert ist ein ebenso durchtriebener wie erstklassiger Kabarettist.

 

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Südwestpresse 20.Februar 2006

Der Zenmeister lustiger Metaphern

Stimmenparodist Reiner Kröhnert erzielt mit minimal-mimischem Einsatz maximale Wirkung

Die Gesellschaft ist medial verblödet, Vollidioten haben die Macht übernommen, das Abendland steht vor seinem Untergang: Stoff genug für den epochalen Katastrophenfilm ‚‚Crash’’, für den Reiner Kröhnert das gesamte Horrorkabinett der Macht in Metzingen auflaufen lässt.

KATHRIN KIPP

Metzingen• Casting-Show in der Aula des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums: Regisseur Werner Herzog lässt einen Sack voll Politiker antreten, die sich alle für die Hauptrolle in seinem Horrorstreifen empfehlen wollen. ‚‚Politiker sollen Schauspieler spielen, die Politiker spielen, die Schauspieler sind’’, lautet das Untergangskonzept des Films, und alle sprechen sie vor: Blüm präsentiert seinen ‚‚Jahrhundertsatz’’, an dem er gerungen habe ‚‚wie weiland Goethe an seinem Götzzitat’’: ‚‚Die Rente ist sischer’’, verkündet der ‚‚Hessengnom’’ prophetisch mit der ‚‚Stimme des kleinen Mannes’’. Dann der Profi - ‚‚da muss ein echter Staatsmann ran’’ - Schröder, die ‚‚colorierte Rambofresse’’. Er will natürlich den Helden geben.

Rick Schröder und die Macht

Fürs Casting hat er sich mit ‚‚Strucki’’ die Casablanca-Szene ausgesucht, in der die ‚‚scharfe Lisa’’ grad abgedüst ist. Lisa stehe für die Macht, sagt ‚‚Rick Schröder’’. Und die ist jetzt weg. ‚‚Jetzt bloß nicht sentimental werden’’, meint er großspurig zu Strucki, denn er hat schon längst den Deal mit Putin in der Tasche: Putin zerschlägt Yukos und Schröder die SPD, die ‚‚abgetakelte Sozifragette’’. Danach übernimmt er den Öl-Konzern und wenn sich die Wogen wieder geglättet haben, ‚‚kauf ich mir Hannover ’96’’. Bei so viel Unverfrorenheit kommt auch schon das soziale Gewissen ums Eck: In Form von Daniel Cohn-Bendit, der im Film den Aufstand der Massen gegen den Bankenkapitalismus organisieren will, als ‚‚Danton Deux’’ mit dem schönen Künstlernamen ‚‚Dany le Rouge’’.

Stimmenparodist und Politikerimitator Reiner Kröhnert führt bei seiner sprachlich fein durchkomponierten ‚‚Castingshow’’ die gesamte Politprominenz vor. Er zeigt sie als selbstverliebte Phrasendrescher, die sich permanent in den Vordergrund drängen und doch nichts zu sagen haben außer durchgequirlten Allgemeinplätzen. Die drückt der multiple Kröhnert mit seiner vielseitigen Zunge dafür umso schöner aus: Mit minimal-mimischem Einsatz erzielt er maximale Effekte. Kröhnert arbeitet schauspielerisch eher mit Unter- als mit Übertreibung und setzt dafür lieber inhaltlich immer noch einen drauf.

Er deutet die jeweiligen Stimmen nur an, schiebt dafür seinen Figuren einen fein geschliffenen, aber umso drastischeren, skurril-realen Text unter und zeichnet so eine originelle Typologie des politischen Null-Geistes und eine Phänomenologie medialen Schwachsinns. Jede seiner Figuren will vorne mitspielen, und jede blamiert sich dadurch auf ihre Weise, denn Kröhnert stochert natürlich in jede Wunde: Ede Stoiber wird als ‚‚Zenmeister des äääääh’’ beschimpft, der solange äääht, bis auch noch der aufmüpfigste Journalist seine Frage vergessen hat: ‚‚Und wie das Gift der Kreuzspinne eine Fliege komatös hinterlässt, so hinterlässt auch sein ääääh’ beim Gegner irreparable cerebrale Schäden’’, offenbart sich Kröhnert als Zenmeister lustiger Metaphern. Auch Münte will mitspielen, kommt mit seinem charakteristischen ‚‚R’’ dahergerollt und wird auch tatsächlich ins Team geholt: ‚‚Für eine angeschwemmte Wasserleiche könnte das Talent reichen’’. Natürlich flattert auch noch Angie herbei, ‚‚das Genie in Wort, Mimik, Gestik und Charisma’’ und Werner Herzogs persönliche Muse.

Reiner Kröhnert mit jeweils aktuell auf den neusten Stand gebrachter Perücke wackelt wie ein Pinguin über die Bühne und macht auf Ost-Kindchenschema. Herzog schmilzt dahin: ‚‚Aus dem Füllhorn der Talente hat man Ihnen die Filetstücke zugeteilt’’, sülzt er Angie an, während der - ‚‚wie Jesus? Nein, wie Kinski!’’ - nach drei Tagen wieder auferstandene Klaus Kinski das Treiben mit seiner garstigen, intellektuell-versauten Lyrik kommentiert. Er ist selbstverständlich für die männliche Hauptrolle vorgesehen: ‚‚Soll ich diesem verhärmten Mannweib die Zunge in den Hals stecken?’’ formuliert er kunstvoll. Da kräht es schon von hinten: ‚‚Isch würd’s mach’n!’’ - Boris wurde als ‚‚Sex-Faktor’’ eingekauft, als ‚‚Ikone des Aufbruchs’’. Herzog kann den dauergrummelnden Kinski gerade noch beschwichtigen: ‚‚Wir brauchen die geballte Inkompetenz dieser Leute. Es geht um die Sache, Klaus.’’ So geht’s munter weiter mit der aberwitzigen ‚‚Schwätzparade tumber Phrasenfürsten’’, bis das Abendland vielleicht tatsächlich untergeht.

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(c) SWP/Metzinger Uracher Volksblatt

Tag=20; Tag=Do; Monat=2; Monat=Feb; Jahr=2006; Artnr=HERM-1969794; Aspekt=20.02.2006; Aspekt=METZINGEN_ME; Aspekt=KULT;

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5.01.2006

POLITPARODIE 

Kabarett im Kabinett

Wie Deutschlands Spaßmacher dem Regierungswechsel ein Lächeln abgewinnen.

VOLKER S. STAHR

 

Reiner Kröhnert ist die Grande Dame unter den politischen Spaßmachern. 
Foto: dpa 

 

 

 

Es war der Abend des 23.November. Der Abend nach der Wahl der ersten Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. In der Frankfurter Kabarettbühne „Die Käs" hatte sich ein sonderbar gemischtes Publikum eingefunden. Gleich zwei deutsche Großbanken – Dresdner und Commerzbank – hatten Kartenkontingente bestellt. So waren denn auch auffällig viele Anzug- und Kostümträger in dem Sofaambiente der Käs zu sehen. Doch irgendwie passte es. Denn auch auf der Bühne reihte sich Anzugträger an Anzugträger – zumindest virtuell. Parodist Reiner Kröhnert ließ die „Crème de la Crème" der deutschen Politikszene in einem fiktiven Filmcasting posieren und passieren: Gerhard Schröder, Franz Müntefering, Friedrich Merz, Edmund Stoiber – und sogar noch einmal Norbert Blüm.

Vielleicht lag es am hohen Bankeranteil, dass trotz guter Parodien auf den einen Job suchenden Ex-Kanzler („Wenn gar nichts mehr geht, werd' ich Schauspieler. Das kann ich ja"), auf den stets die Kameraeinstellung für seine Bierdeckelsteuererklärung suchenden Ex-Fast-Finanzministers oder auf einen ewig seinen Jahrhundertsatz probenden Ex-Sozialministers („Ich hab' den so lang' vor dem Spiegel geübt, bis ich's mir selbst geglaubt habe") nur mühsam Stimmung aufkam. Doch das änderte sich schlagartig, als Kröhnert einen Tag nach ihrer Wahl in ihrem leichten Pinguinengang tänzelnd und mit markant-unmarkanter Perücke die Hauptdarstellerin aus den Kulissen kommen und für Werner Herzogs neues Mega-Katastrophenstück „Der Crash" („von allen apokalyptischen Filmen der apokalyptischste") vorsprechen ließ.

„Für mich ist sie schon seit zwei Jahren die Hauptdarstellerin", sagt Kröhnert später. Kunststück. Das Soloprogramm des Kabarettisten heißt „Angie goes Hollywood". Fast könnte man es einen „Riecher" nennen, den der neben Mathias Richling einzige prominente deutsche Parodist hier bewiesen hat. Und zwar offenkundig ganz gegen seine Branche. Selbst der politische Großmeister Urban Priol ließ noch zwei Wochen später in seiner Monatsrevue „Alles muss raus" auf 3sat zum politischen Spitzengespräch Gerhard Schröder gegen Gerhard Schröder antreten; parodiert von Priol selbst und Stimmenimitator Andreas Müller.

Sympathische Spröde

Die neue Kanzlerin? Sie bekam dort nur eine Nebenrolle. Genauso in vielen anderen Kabarettprogrammen, wo bestenfalls Frisur und Gesicht Merkels für flache Witze sorgen. Zumindest im alten Jahr tat sich die Branche noch sehr schwer mit dem Personen- und Geschlechterwechsel auf der politischen Bühne des Landes.

Nicht von ungefähr ist Kröhnert auch schon viel näher dran an der „Neuen". Mehr als alle politischen Beobachter bringt er ihren naiv-mürrischen und zugleich resoluten Stil auf den Punkt. Auf den Punkt der Naturwissenschaftlerin. Als solche lässt er sie ihre Rolle in „Der Crash" vorsprechen. „Crash? Ich sehe keinen Crash", lässt er sie vehement argumentieren. Und was am Anfang etwas mädchenhaft wie das Pfeifen im Walde wirkt, erhält bald akademische Untermauerung. „Was man nicht sieht, kann auch nicht da sein", hört man sie in unnachahmlichem Merkel-Trotzton sagen. Mehr noch: „Und hören Sie ihn? Einen solchen Crash muss man doch hören. Zumindest pardauz muss er machen. Ich höre nichts. Also ist da auch kein Crash." Fürwahr: Man merkt, dass da jemand der Kanzlerin schon länger auf den Mund geschaut hat. Nicht Haare, Mundwinkel oder andere Äußerlichkeiten werden thematisiert. Na ja: Sieht man einmal von dem permanenten pinguinartigen Flügelschlag beim Reden ab.

Ein kleiner Pinguin mit stoischem Glauben an Naturwissenschaften und Argumente und immer in seiner eigenen Welt – es ist keine bösartige Karikatur, die Kröhnert von der neuen Kanzlerin zeichnet. Eher eine, in der man Merkel tatsächlich wiedererkennt. Zumal sich jene Angela immer mehr der spröden, aber nicht unsympathischen „Angie" anzunähern scheint. Was Kröhnert übrigens nicht überrascht. Als Parodist müsse man immer ein wenig seiner Zeit voraus sein. „Nach dem Schauspieler die Kabarettistin", lautet sogar seine überraschende Charakterisierung vom Wechsel von Schröder zu Merkel. Die „Neue" habe etwas Ironisches, vielleicht gar Selbstironisches. Eine Sicht, die bisher wenige bei ihr beobachtet haben. Auch in Kröhnerts Programm darf „Angie" die gezielt Unprofessionelle, die „Nichtschauspielerin" mimen. Für Kröhnert vielleicht einer der wesentlichen neuen Punkte: die Abkehr vom Schauspielertum, das Schröder zuletzt in Perfektion beherrscht habe.

Eine Zeitenwende auch? Wenn ja, so Kröhnert, dann liege sie wahrscheinlich genau darin: „im Wechsel von den Schauspielern zur Nichtschauspielerin". Vielleicht hätten die Menschen genug von Schauspielerei. Ein Grund, warum Merkel immer besser ankomme – im Saal und draußen im Lande. Ein feiner Stimmungsumschwung, den auch Kabarettisten demnächst zu spüren bekommen könnten.

Schaut man auf die Popularitätskurve der Kanzlerin, könnten Sottisen auf Frisur und Gesichtszüge bald kontraproduktiv werden. Nicht von ungefähr spielen sie auch bei Merkels Alter Ego keine Hauptrolle. „Ihre Züge entgleiten nur noch selten. Nur, wenn sie mal unkontrolliert ist", sagt Kröhnert. Auch in seinem Programm ist das so. Dann allerdings entgleisen sie fast schöner als beim Original. Nur eine Äußerlichkeit scheint beim Alter Ego eine wichtige Rolle zu spielen. Zum dritten Mal schon musste er die Perücke für „Angie" überarbeiten. Während alle noch über ihre Frisur Witze machen, hat Kröhnert längst bemerkt, dass Merkels Zusammenarbeit mit einem Berliner Starfriseur Früchte beziehungsweise Formen trägt.

Angst vor Platzeck

Noch einmal zurück zur Frage: Kanzlerwechsel, Zeitenwende? Tun sich die deutschen Kabarettisten deshalb so schwer mit der Kanzlerin, weil sie selbst fast alle Männer sind? Kröhnert mag dies nicht gelten lassen. Auch er habe überhaupt kein Problem damit, als Mann eine Frau spielen zu müssen. Vielmehr habe es doch erst recht Komik, wenn er, der Mann, als Frau auftrete.

Auch in der Käs sorgte dies, unterstützt durch die neue modische Perücke, sofort für ein belebendes Hallo. Zumindest inhaltlich hält er die Frage aber ohnehin für verfrüht. Mitte der Legislaturperiode werde man wohl schlauer sein. Nicht von ungefähr entspricht dies auch seinem Zeitplan, will er doch noch bis etwa 2007 mit „Angie" tingeln gehen. Erst danach sei wieder ein neues Programm fällig. Welches, lässt er offen. „Vielleicht einmal das C in CDU thematisieren..."

 

Dass das aber durchaus noch mit Merkel geschehen kann, hält Kröhnert für sehr gut möglich. „Ich räume ihr durchaus noch vier weitere Jahre ein, wenn sie die Mitte der Legislatur übersteht". Hauptgrund: ihre Lernfähigkeit. Nicht nur, was das Äußere angehe. Gerade er als Parodist, der mit diesen raschen Veränderungen Schritt halten muss, nimmt sie vielleicht auch rascher wahr als das Publikum. Und offenbar auch als seine Kabarettistenkollegen. Und sollte Angie in zwei Jahren doch nicht mehr da sein, hat Kröhnert genug Alternativen. Auch sein Casting ließ noch deutlich über ein Dutzend Kollegen Revue passieren. Und ständig kommen neue hinzu. Derzeit etwa darf der „Michel Glos" neu vorsprechen. Schon mal imVorgriff auf eine Götterdämmerung in München.

Und wer ist noch nicht im Programm, aber bereits im „Scouting", wie es im Fußball immer heißt? Na ja, einer, vor dem es Kröhnert offenbar mehr graut als vor der Kanzlerin. Einer, von dem er im Stillen hoffe, dass dieser Kelch an ihm vorübergehe. Wer? Der neue SPD-Chef Matthias Platzeck. Zu ihm fällt Kröhnert bisher noch gar nichts ein. Schlecht für Platzeck, sollte sich Kröhnerts Weitblick wieder einmal bestätigen

 

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Reiner Kröhnert in der „Linse"    13.12.2005

So böse klingt die Wahrheit der Macht

WEINGARTEN - Da hatte die Jury sehr früh das richtige Gespür: 1987 erhielt Reiner Kröhnert mit seinem ersten Solo-Programm das Ravensburger „Kupferle". Jetzt stand er mit seinem sechsten Solo in der „Linse" auf der Bühne — das passte, denn im neuen Programm geht es um ein gewaltiges Filmprojekt mit beängstigenden Stars.

Von unserem Mitarbeiter Wolfram Frommlet

Vielleicht gibt es diesen Reiner Kröhnert gar nicht und er ist ein Phänomen wie George Bush. Ein Wiedergeborener. Vielleicht ist er Klaus Kinski? Schlimmer noch, eine gleich mehrfach gespaltene Persönlichkeit, ein Psychopath, der gesucht wird? Oder der oben auf der Bühne der Psychoanalytiker und die unten im Saal die Klienten? Nicht ohne Grund hieß ja 1991 das Programm dieses Herrn K. „Reiner flog über´s Kuckucksnest".

Vielleicht waren ja auch am Samstag Abend in der „Linse" die Türen abgesperrt, damit keiner von den Irren unten abhaut, bevor der Herr Doktor oben sie behandelt hat, oder dass wir alle bittschön wie die Lemminge in die gleiche Richtung laufen. In den „Crash", dahin, wo das tödliche Rattengift auf uns wartet. Das Gift der Verdummung, die solche cerebralen Schäden anrichtet, bis wir gar nicht mehr merken, was uns da für Süppchen angerichtet werden in Talkshows, bei den Schäfers und den Edelsülzern wie Friedmann oder Erich Böhme, der auf der Bühne nochmal Resümee zieht und sich einen Traum erfüllt: die geballte Bagage an Phrasierern und Dementierern tritt auf und der Filmemacher Werner Herzog ist dabei und Klaus Kinski — ein Jahrhundertprojekt soll entstehen: der Film „Crash", der Untergang des Spätkapitalismus. Die Crew kennt man aus einer Show, die sich Demokratie oder Parlament nennt. Bekannte Herren, Schröder, Struck, Münte, „Ede" und Norbert, sowie Angie.

Auf Wesentliches reduzieren

Aber was dabei herauskommt, ist das Beste, was politisches Kabarett momentan zu bieten hat: ein Gruselkabinett der Macht. Marionetten, subalterne, servile Wiedergeburten von Heinrich Manns „Untertan", Schaumschläger, die ein „geistiges Vakuum" produzieren, das irgendwann implodieren muss, Wendehälse und Prostituierte. Grauenvoll, Furcht erregend. Und doch Lachsalven im Publikum, weil Kröhnert gelingt, was Brecht mit dem „Arturo Ui", was Chaplin mit dem „Großen Diktator" gelang — dass man über die Herrschenden lacht, dass ihre Sprache, ihre miserablen Schaustellereien entlarvt werden. Weil bei Kröhnert Mimik, Gestik seiner Figuren minimalistisch reduziert sind auf das Wesentliche, weil er Politiker nicht einfach als grandioser Stimmenimitator nur kopiert, weil er nicht Bekanntes zitiert, sondern ihnen Fiktives in den Mund legt, das noch schlimmer ist als die Wirklichkeit.

So wie die Politprominenz bei Kröhnert redet, klingt die Wahrheit der Macht. Jeder Satz geistreich, verdichtet, brillante Reduktionen statt Klischees. Eine satirische, bittere Analyse des Psychopathologischen „zivilisierter" Politsysteme und der sie stützenden Massenmedien. Ein sprachliches Meisterwerk vor allem das, was der „verrückte" Klaus Kinski, meist in mephistophelisch bösartigen Blankversen an Kommentaren über das herrschende Panoptikum abgibt. Der einzig klar Denkende in einer sehr großen Irrenanstalt.

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(c) 2005 Schwäbische Zeitung

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© Leipziger Volkszeitung vom Freitag, 7. Oktober 2005

Kabarettistische Zitterpartie


Kabarettisten leben gefährlich: Manchmal überrollt die Realität das Programm und macht es von heute auf morgen platt. Anders bei Reiner Kröhnerts "Angie goes Hollywood": Schritt für Schritt robbt die Wirklichkeit im und nach dem Wahlkampf an die satirische Erfindung heran und macht das Programm - bereits im Oktober 2004 in Leipzig zum besten Beitrag der 14. Lachmesse gekürt - topaktuell.

Während gestern beim Auftakt der Jubiläums-Lachmesse Polit-Parodist Kröhnert auf der Bühne der academixer nochmals seine Figuren Merkel und Schröder um die Hauptrolle im fiktiven Hollywoodfilm "Crash" streiten lässt, scheint 150 Kilometer entfernt in Berlin der Kampf der realen Personen und ihres Gefolges um Macht und Kanzlerjob in die Endrunde zu gehen. Im Angesicht von so viel Authentizität ist das Publikum aus dem Häuschen und wittert hinter jedem Gag eine Anspielung - fast wie beim Kabarett zu DDR-Zeiten. Am Ende Jubel um Kröhnert, der für seinen Leipzig-Auftritt vom Vorjahr den Festivalpreis "Löwenzahn" entgegennimmt.

Was das Publikum begeistert, habe ihn natürlich in der letzten Zeit extrem unter Spannung gesetzt, gesteht Kröhnert im Gespräch mit dieser Zeitung. "Bei der Dynamik der Ereignisse musste ich täglich damit rechnen, dass der Rückzug vom Kanzler verkündet wird. Oder eben auch nicht. Und ich bin im Programm genau auf diesen Showdown fixiert. In der Realität wollen beide Kanzler sein. Bei mir will jeder die Hauptrolle." Jeden Abend eine Zitterpartie.

Vor der Wahl habe er natürlich ein bisschen spekuliert. Sich festgelegt auf einen Sieg von Merkel und das Programm mit Ko-Autor und Regisseur Wolfgang Marschall entsprechend umgeschrieben. "Aber dann kam diese Patt-Situation, und ich musste wieder die alte Fassung sspielen." Ausweg: Kröhnert hört vor jedem Auftritt die letzten Nachrichten, um sich dann für eine Variante zu entscheiden. "Eine Herausforderung und für mich auch was Neues." Aber das Publikum habe im politischen Kabarett Anspruch auf Aktualität. "Das ist mein Job, bloß - der ist derzeit nicht so ohne ..."

Der Kabarettist gilt in der deutschen Szene als begnadeter Parodist. Sein "zweites Gesicht" habe er schon in der Schule trainiert, indem er die Lehrer beobachtete und sie dann in der großen Pause imitierte. Mehr als zwei Dutzend Figuren tummeln sich in seinen bisher fünf parodistischen Solo-Programmen - Mandatsträger, Künstler oder Sportpromis in unglaublich echt wirkenden Fälschungen aus Gestik, Mimik und Sprache.

"Ich bin ein großer Fan von Phoenix", sagt Kröhnert, der in den Talkshows des Nachrichtensenders ein unerschöpfliches Reservoire für seine Bühnen-Schöpfungen findet. "Manchmal komme ich mir vor wie ein Schauspieldirektor, der ein Ensemble zur Verfügung hat. Dann kommt die Idee für eine Programm und ich überlege, wer könnte denn diesen oder jenen Part übernehmen."Das nächste Projekt? Das sei natürlich auch von der künftigen Regierungskonstellation abhängig. "Aber wie auch immer: Ich werde mich mit dem C beschäftigen. Wenn das C - im Parteinamen - jetzt eine tragende Rolle übernehmen sollte, will ich das mal auseinander nehmen."

Auf den Löwenzahn sei er stolz, meint Kröhnert. "Weil die Leipziger Lachmesse immer etwas mit Qualität zu tun hat." Der Hinweis auf die Auszeichnung ziert seit Monaten seine Homepage.

Bernd Locker

Homepage: www.reiner-kroehnert.de

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Rheinische Post vom 23.Juni 2005

Das Polit-Kabinett im Rattenzwinger

VON ALEXANDER ESCH

Drei Tage Tod müssen genügen. Wiederauferstanden tobt Klaus Kinski, als sei er nie weg gewesen. Ganz zur Freude seines kongenialen Partners Werner Herzog. Der plant ein monumentales Filmepos über den Untergang des Abendlandes. „Crash" soll es heißen, Kinski soll die Hauptrolle übernehmen. Doch der hat nach wie vor keine hohe Meinung von seinem liebsten Feind: „Es kriecht durch den Titanenschatten meines Ichs ein Kakerlak, der sich als Künstler wähnt." Doch Herzog wispert unerschütterlich: „Bravo, Klaus! Du bist wieder ganz der Alte."

Das Casting zu „Crash" läuft zurzeit im Kom(m)ödchen und heißt „Angie goes Hollywood"; das aktuelle Programm Reiner Kröhnerts. Das Filmset dient ihm als Kulisse, um die abstrusen Facetten des politischen Schauspiels zu karikieren. Sein Mittel ist die Parodie. Und die ist von solch mimetischer Schärfe, dass wir anerkennend ungläubig die Köpfe schütteln.

Zum Vorsprechen hat er ein „Christiansen"-erprobtes Polit-Figurenkabinett geladen. Denn Herzog will „wahre Inkompetenz". Aus diesem Grund ist auch Boris Becker vor Ort: „Ich kann gucken, wie ein Ochse, wenn der Blitz einschlägt." So haben sie alle ihre Qualitäten. Von Münte bis Gerd, von Ede bis Dani.

Das Rennen macht jedoch Angie: „Als Drag-Queen der erotischen C-Klasse". Unterstützt vom ewig dienenden Hintze, der sich permanent verbeugt und als untertänigster Untertan zum „wahren deutschen Geist bekennt".

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Kölnische Rundschau

- Kölner Kultur –

1.Juni 2005

Letzter Aufruf zur Rettung des Abendlandes

Kabarettist Reiner Kröhnert weiß mehr: "Angie goes Hollywood" - und das im Senftöpfchen

Das war fast schon visionär. Als Reiner Kröhnert im September 2004 sein Programm "Angie goes Hollywood" aus der Taufe hob, konnte noch keiner wissen, wie die Landtagswahlen in NRW ausgehen würden. Jetzt aber sieht es ganz so aus, als ob "Angie" Merkel - nun, nicht gerade nach Hollywood, aber immerhin doch ins Kanzleramt ziehen könnte.

Der Politkabarettist und Meisterparodist aus Rheinland-Pfalz hat sich für sein jüngstes Programm einen aparten Plot ausgedacht: Werner Herzog, der Regisseur mit dem Gutmenschen-Geschwurbel, veranstaltet für sein neues Mammutprojekt zur Rettung des Abendlandes (Titel: "Crash") ein Casting mit der gesamten Politprominenz.

Um die Hauptrollen konkurrieren Angela Merkel ("Ich sehe keinen Crash"), Boris Becker und Klaus Kinski, der Provokateur mit der Original-Kröhnert-Stabreim-Poesie im Villon-Stil. Daniel Cohn-Bendit malt die drohende Verelendung des Mittelstandes an die Wand und verspricht Revolution, Norbert Blüm beschwört sein Mantra "Die Rente ist sicher", Michel Friedman und Sabine Christiansen rühren die "Laber-Suppen" an, in die Kinski so gern hineinkotzt. Das Publikum im Senftöpfchen-Theater kann staunend beobachten, wie Reiner Kröhnert in Sekundenschnelle mimisch und stimmlich die Rollen wechselt.

Und wenn er dann am Schluss mit der Wiederkehr des "Führers" die Untergangsvision als Schlüsselszene des Films beschwört, läuft es den Zuschauern bei allem Spaß an der intelligenten Unterhaltung kalt den Rücken hinab. (BS)

Dauer: zwei Stunden mit Pause. Bis 2. Juni, 20.15 Uhr. Große Neugasse 2-4, Karten-Tel. 258 10 58.

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Süddeutsche Zeitung

Münchner Kultur

18.Mai 2005

Kompetent und bitter

Satiriker Reiner Kröhnert in der

Lach- und Schießgesellschaft

Mal angenommen, man säße als imaginärer Besucher mitten im „Stuhlkreis" von Sabine Christiansen und würde Zeuge einer Diskussion mit den Polit-Spitzen der Republik. Für einen Augenblick würde man die Augen schließen. Und wenn man sie wieder aufmachte, säße da nur noch ein Mann: Reiner Kröhnert. Der würde sie alle mimisch ersetzen, die Schröders, Strucks und Stoibers der Nation, gekonnt in der Gestik, sprach-lich unglaublich nahe am Original.

In seinem neuen, sechsten Solo-Kabarettpro-gramm „Angie goes Hollywood" trifft er die „geballte Ladung Inkompetenz" zum Casting eines Films über den Untergang des Abendlandes. Regisseur Werner Herzog verlangt Authentizität, also müssen Politiker Schauspieler spielen. Dabei arbeitet Kröhnert seine Figuren, wie immer, fein und pointiert heraus. Deshalb ist sogar verzeihlich, dass er auch einige Kabarett-Pension-äre wie Norbert Blüm und Rita Süßmuth bemüht.

Kröhnerts Stärke ist die bittere Satire mit geschliffenen Texten, die weh tun. Der Film? Er wird niemals gedreht. Weil die Politiker kneifen. Sie sind unfähig, die Unfähigkeit zu verkörpern. Das Lachen erstickt, die Wahrheiten bleiben – und Kröhnert. Ein Hoffnungsschimmer (bis 21.Mai).

NICOLE GRANER

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Frankfurter Allgemeine Zeitung

15.09.2004 Nr. 215, S.46

Kultur


"Steckt sie in ein Güllefaß"
Reiner Kröhnert im Mainzer Unterhaus
 
Am dritten Tag ist er auferstanden von den Toten. Weil sein verhaßter Lieblingsregisseur Werner Herzog ihn rief, ist Klaus Kinski zurückgekehrt, um seine Heilsbotschaft zu verkünden und zu vernichten, was vernichtet werden kann: "Es lallt die lahme Laberlaus sich selbst den Geist zum Hirn heraus."

Gnadenlos und beliebig ist seine Haßtirade, ein Verbalhieb geht an die "seelenlosen Satellitenschüsselsäue", ein anderer trifft das "mediengeile Primatenpanoptikum". Und der süffisant säuselnde Herzog ist schier begeistert: "Bravo, Klaus, beruhige dich doch bitte, Klaus." Schließlich braucht er den Jähzornigen für seine cineastische Vision. Einen in seiner Unbarmherzigkeit konkurrenzlosen Thriller will er drehen, ein apokalyptisches Epos, das seinesgleichen nicht kennt: "The Crash" heißt das Machwerk, in dem alles, was straucheln kann, mit einem großen Pardauz zu Boden geht: Börse, Bildung, Sozialsystem, ja die ganze Republik.

Endzeitstimmung im Mainzer Unterhaus: Zum großen Casting für den Untergangsfilm hat der Parodist Reiner Kröhnert die gesamte Politprominenz eingeladen. Das Crash-Ensemble verlangt nach "geballter Inkompetenz", und das heißt nach Politikern, die Schauspieler spielen.

Und so streiten sich Münte, Nobbi, Gerd, Strucki, Angie, Dani und Ede um die Hauptrolle in Kröhnerts Klassiker. Werner Herzog animiert phrasenreich zu darstellerischen Höchstleistungen, Michel Friedman agiert als ewig tätschelnder Schauspielcoach, und zwischendurch platzt immer mal wieder ein cholerischer Klaus Kinski herein und macht alle Bemühungen zunichte: "Steckt sie in ein Güllefaß voll faulem Herpesgrind." Kinskis fahriger Blick, sein offener Mund und die aggressive Gestik stimmen: Kröhnerts Parodie ist bis in die Fingerspitzen pointiert und manchmal zum Verzweifeln originalgetreu.

Das gilt für das gesamte Crash-Ensemble: ein hölzerner Müntefering, dessen Arme unbeholfen schlackern wie bei seinem Schauspielidol Pinocchio, ein sich jovial auf der Couch fläzender Friedman, der mit heiserer Stimme den schnoddrigen Graf Lambsdorff befingert - hinter der imitierten Fassade liegen zudem wortgewaltige Wahrheiten.

Die Eignung für die Besetzungsliste betonen die Politiker mit kurzen Plädoyers für ihren Jahrhundertsatz: Ob Blüm mit "Die Rente ist sicher", der wie weiland Goethe um diesen Satz gerungen haben will, der Zahlen-Maniker Merz, der detailliert die Zweckmäßigkeit des Bierdeckels für die Steuererklärung vorrechnet, oder der Kanzler persönlich, der nun einmal keine andere Politik kann - sie alle müssen doch Angela Merkels Charisma Tribut zollen, die aufgrund ihrer "veritablen Prise Erotik" an der Seite von Klaus Kinski den Crash fabrizieren wird. Unterstützung bekommt sie dabei von ihrem unterwürfigen Verehrer Peter Hinze, der "in untertänigster Untertänigkeit" ihren Witz und ihre Weiblichkeit gleichermaßen preist.

Wohin der umfassende System-Crash bei aller reinigenden Kraft allerdings abgleiten kann, führt komischerweise der Banalitäten von sich gebende Boris Becker mit einer ganz eigenen Parodie in der Parodie vor Augen: Fellmützenbedeckt prophezeit Boris als Erich Honecker, daß Hartz IV, Basel 2 und Rürup 1-33 der Dolchstoß in das Herz der deutschen Sozialdemokratie sind. Und im Dämmerlicht zeigt ein behutsam parodierter Hitler, was bei einem gesellschaftlichen Kollaps tatsächlich dräuen könnte.

RAINER SCHULZE

Reiner Kröhnert tritt noch bis Samstag, 18. September, im Mainzer Unterhaus auf.
 
 
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